Appell in Bad Feilnbach trotz stagnierender Corona-Fallzahlen: „Leut‘, seid‘s vorsichtig“

Bad Feilnbach schnauft durch: Einst Corona-Hotspot, verzeichnet man seit Monaten kein neues Infektionsgeschehen. Doch lautet der Appell: Vorsichtig bleiben!

Bad Feilnbach – Hauptthema neben den ersten Eckdaten aus der Studie „Corona Monitoring lokal“ des Robert-Koch- Instituts (RKI) für Bad Feilnbach, die gestern in der Schulturnhalle der Leo-von-Welden-Schule vorgestellt wurden, waren die steigenden Fallzahlen in der Region.

Dabei ist Bad Feilnbach gerade dabei, durchzuschnaufen: Kein neues Infektionsgeschehen seit Monaten, steigende Übernachtungszahlen auf dem Tourismussektor und die Feststellung, dass die Hygienemaßnahmen greifen, lassen Bürgermeister Anton Wallner aufatmen. Er erhofft sich aber nun baldige Hinweise durch die Studie, was dazu geführt haben könnte, dass seine Gemeinde im März und April so stark betroffen war.

Genau wie der Leiter der Abteilung für Infektionsepidemiologie am RKI, Dr. Osamah Hamouda, warnt auch Wallner: „Wir wissen, dass wir noch sehr lang mit dem Virus leben müssen.“

„Das muss doch zu schaffen sein“

Vor diesem Hintergrund mahnt stellvertretender Landrat Josef Huber: „Das A und O sind nach wie vor Abstand halten, Hygieneregeln einhalten und Alltagsmaske tragen. Deshalb noch einmal mein Appell: Leut‘, seid‘s vorsichtig. Das Leben ist lang, da muss es doch zu schaffen sein, für eine gewisse Zeit die Regeln einzuhalten und – bei allem Verständnis – auch mal auf kleinerer Flamme zu feiern.“

Vorsicht werde auch der Landkreis Rosenheim walten lassen: Angesichts der Beschränkungen, die die Stadt Rosenheim aufgrund der über der kritischen Marke liegenden Sieben-Tages-Inzidenz am Montag verfügt hat, bekräftigt Huber, man werde darauf achten, dass sich größere Veranstaltungen nicht einfach in andere Städte oder Gemeinden verlagern.

Dr. Hamouda verdeutlichte: „Es wird immer von der ersten oder einer zweiten Welle gesprochen. Doch es gibt überall kleine Wellen. Ob auf Reisen, beim Partyfeiern, in Schlachthöfen – überall kann man sich anstecken, wenn man nicht aufpasst.“ Im Fokus haben die Beteiligten auch, dass das neue Infektionsgeschehen überwiegend die Jüngeren betrifft. Laut Dr. Hamouda sind in Stadt und Landkreis derzeit keine Personen über 60 und unter fünf Jahren betroffen. Überproportional sei der Anteil derer, die angeben, sich auf Reisen infiziert zu haben. Hier müsse man noch ein paar Wochen abwarten, um zu sehen, ob sich das Infektionsgeschehen über diesen Personenkreis hinaus entwickle.

Für den Leiter des Gesundheitsamtes Rosenheim, Dr. Wolfgang Hierl, zeigen die ersten Erkenntnisse aus der Corona-Studie, dass man erst am Anfang der Pandemie stehe. Dass in dem einstigen Hotspot Bad Feilnbach nur sechs Prozent der Bevölkerung „durchseucht“ sei, sei ein wenig ernüchternd. Wie berichtet gehen Virologen davon aus, dass ein Stillstand der Pandemie erst erreicht ist, wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung eine Infektion mit Covid-19 überstanden – und damit auch Antikörper im Blut haben.

Wobei Dr. Hierl sich auch überrascht zeigte von der Anzahl der Personen, bei denen trotz einer vorhergehenden Infektion keine Antikörper nachgewiesen werden konnten (knapp 40 Prozent): „Das Ergebnis hätte ich in der Höhe nicht erwartet.“ el

Kommentare