Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Klagen über zu engen Durchlass

Angst vor Hochwasser: Mittenkirchener wollen Nadelöhr am Hainerbach aufweiten

Christian Hanfstingl zeigt, wie eng der Durchlass für den Hainerbach an der Leonhardistraße ist. Die Anrainer beklagen schon seit Jahren, dass dieses Nadelöhr aufgeweitet werden muss, um Überschwemmungen zu vermeiden.
+
Christian Hanfstingl zeigt, wie eng der Durchlass für den Hainerbach an der Leonhardistraße ist. Die Anrainer beklagen schon seit Jahren, dass dieses Nadelöhr aufgeweitet werden muss, um Überschwemmungen zu vermeiden.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
    schließen

Die Einwohner von Mittenkirchen wollen sich ins geplante Hochwasserschutzkonzept für die Ortschaften am Fuße des Irschenbergs einbringen. Sie sehen im zu geringen Querschnitt des Durchlasses an der Leonhardistraße eine der Hauptursachen für Überschwemmungen in Mittenkirchen.

Bruckmühl – Nicht zum ersten Mal sind Keller der Mittenkirchener vollgelaufen. Nicht zum ersten Mal wollen sie auf ein Nadelöhr aufmerksam machen, das ihrer Meinung nach zu den Hauptursachen für die Überschwemmungen am Hainerbach gehört: „Der Querschnitt des Durchlasses im Bereich von Leonhardistraße und Forellenweg ist einfach zu klein“, sagt Christian Hanfstingl.

Als Wildbach kommt der Hainerbach von der Irschenberger Leithen, soll sein Geschiebe im Kiesfang ablagern, weiter im natürlichen Flussbett am Forellenweg entlanglaufen, ehe er in der Verrohrung unter den Straßen hindurchgeführt wird und hinter der Vagener Straße wieder oberirdisch weiterfließen kann.

Verklausungen führen zu Überschwemmung

Doch was die Kommune an Unterhaltsmaßnahmen auch tut: Am Durchlass kommt es immer wieder zu Verstopfungen.

„Viele ältere Mittenkirchener haben uns gesagt, dass es keinen Sinn mache, sich für eine Aufweitung des Querschnitts einzusetzen, weil sowieso nichts passiere“, berichtet Hanfstingl. Doch nach der jüngsten Katastrophe müsse sich endlich etwas tun, denn: „Wir wollen kein drittes Hochwasser“, sagt Herbert Bürger. Seine Eltern – beide über 80 Jahre alt – leben am Hainerbach. Solch große Überflutungen haben sie erst in den vergangenen zehn Jahren erlebt: 2011 waren sie unter Wasser, jetzt wieder. „Dreimal – 2005, 2013 und 2020 – sind wir hier mit einem blauen Auge davongekommen“, blickt Bürger zurück.

Lesen Sie auch: Regina Sampaio-Arizaga ist von Bruckmühl nach Braga unterwegs – Am 4. August kam sie an

Schon sehr oft hätten Anrainer auf das Problem aufmerksam gemacht. Rudolf Hamberger beispielsweise habe an die Gemeinde geschrieben. Nichts habe sich getan. „Unsere Hinweise wurden mit dem Argument vom Tisch gewischt, dass Ingenieure den Querschnitt berechnet hätten“, erinnert sich Hanfstingl. Doch Überflutungen und unkalkulierbare Wetterlagen sprechen eine andere Sprache.

Hanfstingl hat vor 16 Jahren direkt am Ufer des Hainerbachs gebaut. Auch wenn sein Grundstück damals nicht als Überschwemmungsgebiet eingeordnet war, hat er vorgesorgt und hochwassersicher gebaut: mit druckfesten Fenstern und Dichtungen. Trotzdem blieb er nicht verschont: Der Garten stand etwa 30 Zentimeter unter Wasser. Das Haus war komplett umspült, im Keller kam es zum Rückstau des Abwassers.

„Wir können genau dokumentieren, wann und wie schnell sich die Scheitelwelle des Hainerbachs enwickelt hat“, erklärt Hanfstingl. Die Überwachungskamera seines Hauses hat alles aufgezeichnet: „20.03 Uhr trat der Hainerbach über seine Ufer, 20.08 Uhr war mein Grundstück geflutet, 20.13 Uhr lief es von hier in die Nachbargrundstücke.“ Die Leonhardistraße war ab 20.13 Uhr Land unter. „Die Rückstauwelle bildet sich bereits über 50 Meter vor der Brücke aus und überflutete Grundstücke links und rechts des Hainerbachs.“

Das könnte Sie auch interessieren: War das schon der Supergau oder kann am Irschenberg eine noch größere Sturzflut kommen?

Doch wie sollen sich die Mittenkirchener schützen? Die Anlieger des Hainerbachs selbst können nicht noch hochwassersicherer bauen, beispielsweise die Uferbereiche an ihren Grundstücken mit Mauern verstärken oder sich eigene Hochwassermauern errichten: „Wir dürfen den Uferbereich nicht baulich verändern“, erklärt Hanfstingl. „Dann könnten wir für Überschwemmungen im Ort haftbar gemacht werden.“

Die Anwohner hoffen, dass ihre Hinweise nach der Katastrophe vom 26. Juli ernst genommen werden. Flussbett und Böschungen des Hainerbachs wurden nach der Flut schon wieder in Ordnung gebracht. „Das Geschiebe muss aber auch in der Verrohrung und nicht nur vor und nach der Brücke beräumt werden“, betont Hanfstingl.

In der Bruckmühler Verwaltung liegt die Unterhaltung der Bäche seit 2012 in den Händen von Martin Göhly. „Wir können aktuell nur das beräumen, was von Straßen und Wegen aus erreichbar war“, erklärt er. „Die Arbeiten im Wellstahldurchlass können aus Sicherheitsgründen erst beginnen, wenn der Wasserstand niedriger ist.“ Durch die anhaltenden Niederschläge steigen die Pegel der Wildbäche seit Donnerstag, 5. August, aber wieder an.

Pegel der Wildbäche steigen wieder

Im Zuge des Straßenbaus sei der Durchlass vor Jahren auf Grundlage der Berechnungen eines Ingenieurbüros dimensioniert worden, bestätigt Göhly. „Auch diese Berechnungen kommen jetzt auf den Prüfstand“, versichert er. Genauso wie die Frage, ob und wie die Hochwasserschutzmaßnahmen am Hainerbach verbessert werden können, damit Treibholz und Geschiebe künftig nicht mehr bis zum Durchlass gelangen und sich Rückstaus bilden können.

Mehr zum Thema

Kommentare