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Gymnasiasten kommen im Nachbarland groß raus

Bad Aiblinger Schüler erklären Österreich die Bundeskanzlerin Angela Merkel

Die Neuntklässler des Gymnasiums Bad Aibling, darunter auch diese vier Teenager, wurden von „Die Furche“-Redakteurin Brigitte Quint aus Wien gefragt, was sie mit Angela Merkel verbinden. Foto: Die Furche
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Die Neuntklässler des Gymnasiums Bad Aibling, darunter auch diese vier Teenager, wurden von „Die Furche“-Redakteurin Brigitte Quint aus Wien gefragt, was sie mit Angela Merkel verbinden.

Bad Aiblinger Gymnasiasten kommen in unserem Nachbarland groß raus: In einer österreichischen Zeitung sprechen sie über die Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wie die Verfasserin Brigitte Quint ausgerechnet auf eine Schule in Bad Aibling kam, verrät die Redakteurin hier.

Bad Aibling – Die Schüler der Klasse 9 des Gymnasiums Bad Aibling sind in unserem Nachbarland Österreich kleine Medienstars. Denn sie haben sich in einem Artikel für „ Die Furche “ – einer österreichischen Wochenzeitung für Zeitgeschichte und Politik – politisch zur Bundeskanzlerin Angela Merkel geäußert.

Verfasserin stammt aus Rosenheim

Die Verfasserin des Furche-Artikels ist Brigitte Quint (43). Sie ist gebürtige Rosenheimerin, arbeitet aber schon seit 13 Jahren als Redakteurin in Wien. Bei der österreichischen Wochenzeitung „Die Furche“ hat sie mittlerweile die Leitung der Ressorts Bildung, Gesellschaft und Politik inne. Somit befasst Quint sich natürlich oft mit Angela Merkel, die seit 2002 Bundeskanzlerin ist.

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Und warum hat sie ausgerechnet eine Klasse aus Bad Aibling interviewt? „Ich bin auf das Gymnasium Bad Aibling gekommen, weil meine Schwester und meine zwei Neffen wenige Meter neben der Schule wohnen. Am Wochenende vor der Reportage hatte mein Neffe Ben seine Erstkommunion, daher war ich zufällig in Bad Aibling. Auch geht mein anderer Neffe, Sebastian, der in Tattenhausen wohnt, bereits auf diese Schule“, erzählt sie auf Anfrage des Mangfall-Boten. Und so kam sie auf die Schüler der Kurstadt. Quint hat die Bad Aiblinger Gymnasiasten, die 2005 geboren sind, nach ihrer Meinung gefragt: Was verbindet Ihr mit Angela Merkel?

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Lesen Sie hier Original-Auszüge des Artikels „Jugend zur Ära Merkel: Ich denke an ‚Wir schaffen das‘.“:

Die Kanzlerin und die Raute

„18. September 2005. Bundestagswahlen in Deutschland. Die Union wird stärkste Kraft. Die Spitzenkandidatin heißt Angela Merkel. Im Landkreis Rosenheim wird an diesem Tag Moritz geboren. Bis zu seinem 16. Geburtstag wird es in Deutschland ein und dieselbe Regierungschefin geben. „Ich kenne nur eine Kanzlerin.“

Generation mit Angela Merkel groß geworden

Moritz Drechsler, der heute in die neunte Klasse des Bad Aiblinger Gymnasiums geht, steht Pate für eine Generation, die mit Angela Merkel groß geworden ist. Was verbinden er und seine Klassenkameraden des Bad Aiblinger Gymnasiums mit der Person Angela Merkel? „Wenn ich an Angela Merkel denke, kommt mir deren Handgeste, die Raute, in den Sinn“, sagt Leonhart. Johanna erklärt: „Mir fällt die Flüchtlingskrise ein.“

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Mehrere Köpfe nicken. Auch der von Tobias. „Bei mir hat sich der Satz ‚Wir schaffen das‘ eingeprägt.“

Mit „Chemnitzer Hetzjagd und Maaßen“ gibt Schüler Linus zwei weitere Stichworte. Schnell wird klar: Angela Merkel hat zumindest die Jugendlichen aus dieser Klasse vor allem durch ihre Migrationspolitik auf sich aufmerksam gemacht. Doch zunächst soll es um einen anderen Kurswechsel gehen, den die Kanzlerin ziemlich genau ein halbes Jahr vor ihrem ersten Schultag eingeleitet hat:

Erdbeben in Japan

März 2011. Ein Erdbeben erschüttert die Küste Japans, löst einen Tsunami aus. In vier von sechs Atomreaktoren im Kraftwerk Fukushima kommt es zur Kernschmelze. Große Mengen an Radioaktivität werden freigesetzt. Über 170 000 Menschen werden umquartiert.

Angela Merkel verkündet Energiewende

Drei Tage nach dem Unglück verhindert die CDU die Laufzeitverlängerung eines Atommeilers. Einen Monat später verkündet Angela Merkel die Energiewende: Bis 2022 sollen die deutschen Kernkraftwerke stillgelegt sein. Eine zukunftsträchtige Entscheidung? Trifft sie auf Zustimmung? „Grundsätzlich ja“, sagt Moritz. Einige aus der Klasse sehen indes die Tatsache kritisch, dass Frankreich oder Polen nicht gleichzögen und teilweise marode Reaktoren in ihrer unmittelbaren Nähe weiterliefen.

Bürgerkriegin Syrien

September 2015. Moritz und seine Mitschüler wechseln von der Grundschule in die fünfte Klasse des Gymnasiums Bad Aibling. Dort scheinen die großen Themen der Weltpolitik weit weg. Unter anderem die Lage im Bürgerkriegsland Syrien. Während die Heranwachsenden dabei sind, in die Rolle des Gymnasiasten zu finden, sind mehr als vier Millionen Menschen auf der Flucht.

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Europa ist nicht vorbereitet auf die massiven Migrationsbewegungen. Am 4. September 2015 nimmt Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán mit dem österreichischen Außenministerium Kontakt auf. Die Situation sei außer Kontrolle, erklärt er.

„Wir schaffen das“

Der damalige Kanzler Werner Faymann berät sich mit Merkel. Sie schlägt vor, die Flüchtlinge im Verhältnis zehn zu eins auf die beiden Länder aufzuteilen. Wenige Stunden später kommen rund 20 000 geflüchtete Menschen am Münchner Hauptbahnhof an. Die Ankommenden werden herzlich empfangen. Merkels Ausspruch „Wir schaffen das!“ geht um die Welt.

Merkels liberale Flüchtlingspolitik

Die Entscheidung der Kanzlerin tragen nicht alle mit. Die Diskussion wird befeuert durch Geschehnisse in Köln. 650 Frauen werden Opfer von Sexualdelikten. Die meisten Verdächtigen sollen Asylbewerber sein. Ein Zusammenhang mit Merkels liberaler Flüchtlingspolitik wird hergestellt. Wie stehen die Bad Aiblinger Schüler zu dieser Debatte?

Jeder hat das Recht, um Hilfe zu bitten

Emma meldet sich zu Wort. Ihrer Ansicht nach hat Deutschlands Hilfsbereitschaft ihre Schattenseiten. „In Bad Aibling kann ein Mädchen nicht allein durch den Kurpark gehen, ohne Angst zu haben, von Zuwanderern angesprochen zu werden.“ Pauschalisieren will sie nicht. Bekannte ihrer Eltern hätten 2015 Flüchtlinge aufgenommen und gute Erfahrungen gemacht. „Jeder hat das Recht, um Hilfe zu bitten, wenn es ihm schlecht geht“, argumentiert Elias, dessen Vater in einem SOS-Kinderdorf arbeitet und ihm viel über Fluchtursachen erzählt hat.

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Er sieht es als Bereicherung, dass durch die Asylbewerber neue Kulturen in Deutschland Einzug gehalten haben. Tobias berichtet, dass ein Teil seines Umfeldes Merkels Asylpolitik ablehne. Ihn selbst habe die Berichterstattung über kriminelle Zuwanderer verstört. „Ich komme vom Land und kriege das nicht direkt mit. Aber wenn das wahr ist, muss man Konsequenzen ziehen.“

Distanzunterricht beginnt

Januar 2020. In Deutschland wird die erste Covid-19-Infektion gemeldet. Im März stellt der Bundestag eine „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ fest. Lockdown. Kontaktbeschränkungen. Schulschließungen. Homeschooling. Wie ist es den Schülern ergangen? „Für mich war Distanzunterricht eine sehr schlimme Zeit“, sagt Simon. In Adams Augen hat die deutsche Regierung in der Corona-Krise die Kinder und Jugendlichen schlichtweg vergessen. „In die Lufthansa wurden Milliarden hineingepumpt. In Schulen nicht einmal eine. Während die einen auf Mallorca bereits Party gemacht haben, wurde uns der Präsenzunterricht verwehrt. Das ist bitter.“

Ähnlich argumentiert Anna. Für sie ist es nicht nachvollziehbar, warum Public Viewing und EM stattfinden dürfen, während sie in der Schule Mund-Nasen-Schutz tragen müssten. Heranwachsende hatten in der Pandemiepolitik keine Priorität, so der Konsens in der Klasse.

Am 26, September ist BUndestgaswahl

26. September 2021. Bundestagswahlen in Deutschland. Moritz und seine Klassenkameraden dürfen noch nicht wählen. Eine Vorstellung von der politischen Zukunft ihres Landes haben sie trotzdem: Viele wünschen sich einen Regierungswechsel und können es nicht verstehen, warum Leute wie Jens Spahn (Maskenaffäre) oder Philipp Amthor (Lobbyismusverdacht) nicht aus der CDU geworfen werden.

Moritz: „Daran muss sich endlich etwas ändern. Auch wenn das heißt, dass die Grünen an die Macht kommen.“

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