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GESCHICHTEN EINER HUNDERTJÄHRIGEN

Altbürgermeister Dr. Keitz verfasst Chronik zum Jubiläum des SPD-Ortsvereins Bad Aibling

Eine historische Begegnung im Jahr 1972: SPD-Ehrenvorsitzender Sepp Attenberger (Mitte) und SPD-Stadtrat Ernst Hüttel (rechts) mit Bundeskanzler Willy Brandt.
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Eine historische Begegnung im Jahr 1972: SPD-Ehrenvorsitzender Sepp Attenberger (Mitte) und SPD-Stadtrat Ernst Hüttel (rechts) mit Bundeskanzler Willy Brandt.

„Am 18. Januar 1908 schlug die offizielle Geburtsstunde der Aiblinger SPD“, wie Altbürgermeister Dr. Werner Keitz in seiner soeben fertiggestellten Chronik des SPD-Ortsvereins berichtet. Wir haben mit ihm einen Blick in das Werk geworfen.

Bad Aibling – „An jenem Tag zeigte der Brauer Josef Hadersbeck der „wohllöblichen Polizeibehörde“ von Bad Aibling an, dass sich „am hiesigen Orte eine Zahlstelle des sozialdemokratischen Vereins“ gebildet hat. Auch bittet Hadersbeck in der polizeilichen Anmeldung „um Entschuldigung, wegen meines Unwissens, daß der sozialdemokratische Verein noch nicht angemeldet war“.

Schon 1890 gab es ersten Arbeiterverein

Allerdings gab es bereits vor diesem Datum sozialdemokratisches Leben im damaligen Marktflecken. Schon 1890 gründete der Schuhmacher Adam Mayer einen „Arbeiterbildungsverein“. Für den 4. November 1894 ist eine Versammlung der SPD im alten Aibling überliefert. Auf Einladung des Sozialdemokratischen Vereins Rosenheim sprach der Reichs- und Landtagsabgeordnete Georg von Vollmar im „Alexanderbad“ zum Thema „Welche Politik muß das Volk treiben“.

Solche sozialdemokratischen Vereine entstanden in dieser Zeit allenthalben, nachdem das Verbot zur Bildung sozialdemokratischer, sozialistischer oder kommunistischer Vereine 1890 ausgelaufen war. Josef Hadersbeck war Vorsitzender der Sektion Aibling im Zweigverein München des Zentralverbands Deutscher Brauereiarbeiter und der SPD bereits am 16. August 1903 vermutlich in Rosenheim beigetreten.

Partei beginnt mit 16 Mitgliedern

Das Mitgliedsbuch aus der Anfangszeit der Aiblinger SPD vermerkt weitere 16 Mitglieder, die der SPD bereits vor dem 18. Januar 1908 beigetreten waren. Bis zum 15. Mai 1911 zählt das historische Verzeichnis den Beitritt von 141 Mitgliedern – darunter zehn Frauen.

Der junge Ortsverein war nicht nur in der Mitgliederwerbung erfolgreich, er etablierte sich auch bei regionalen und überregionalen Wahlen als zweitstärkste politische Kraft in Bad Aibling. Zum Ende der Weimarer Republik und dem Erstarken der radikalen politischen Kräfte musste die Aiblinger SPD allerdings Einbußen hinnehmen und sank bei der Reichstagswahl 1932 auf 14,4 Prozent der Stimmen ab.

Im Dritten Reich verboten

Am 22. Juni 1933 wurde die SPD verboten. Führende Mitglieder von SPD und Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold wurden auch in Bad Aibling in „Schutzhaft“ genommen. Das gleiche Schicksal ereilte auch den damaligen Stadtpfarrer Jakob Albrecht und Stadträte der Bayerischen Volkspartei.

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches gehörten Aiblinger Sozialdemokraten zu den Männern der ersten Stunde, als es galt, wieder demokratische Strukturen aufzubauen.

Neugründung im September 1945

Bereits am 30. September 1945 wurde die SPD im Landkreis Bad Aibling wieder gegründet. Bei den ersten Kommunalwahlen nach dem Krieg erreichte die SPD in der Stadt vier von 15 Sitzen – elf Sitze gingen an die junge CSU – und im Landkreis zwölf von 40 Sitzen. Die Zeiten waren bewegt und brachten manche Merkwürdigkeiten und Überraschungen.

1945/1946 hatte die Stadt in raschem Wechsel fünf kommissarisch berufene Bürgermeister – vier davon wurden aus verschiedensten Gründen wieder abberufen. Bei der Bürgermeisterwahl 1952 trat das CSU-Mitglied Josef Matheis für eine eigens gegründete unabhängig-soziale Gemeinschaft gegen den Amtsinhaber Sedlmeier von der CSU an und gewann.

Und eine weitere Pointe dieser Wahl: Über die Liste des Blocks der Heimatvertriebenen und Entrechteten zog der gestandene Oberbayer Hans Urscher in den Stadtrat ein.

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Bei den Landratswahlen wurde der von BP, SPD und FDP nominierte Amtsinhaber Dr. Stahler im Amt bestätigt. Den von der CSU benannten Kandidaten, den späteren Staatsminister Dr. Franz Heubl, lehnte die Wahlkommission aus formalen Gründen ab, und das unter Vorsitz des Landrats und Landratskandidaten Dr. Stahler.

Waren im Bad Aiblinger Stadtrat der Legislaturperiode 1972 bis 1978 nur SPD und CSU vertreten, so gewinnt der politische Wettbewerb in der Stadt ab 1978 mit ÜWG und ab 1984 mit den Grünen bei anhaltender Mehrheit der CSU an Farbe. Dennoch gelingt es der Aiblinger SPD noch einmal mit dem Sieg von Dr. Werner Keitz bei den Bürgermeisterwahlen 1986, 1990 und 1996, einen kommunalpolitischen Akzent zu setzen. Im Stadtrat bleibt die CSU dominant, gefolgt von der SPD.

Bei den Stadtratswahlen 2002 gelingt es der CSU zum letzten Mal, eine absolute Mehrheit zu erzielen. Die SPD sackt ab auf vier Sitze ab und muss sich den zweiten Platz mit der ÜWG teilen.

Letztes Aufbäumen der SPD im Jahr 2008

Ein letztes fast erfolgreiches Aufbäumen der Aiblinger SPD ist bei der Kommunalwahl des Jahres 2008 zu verzeichnen. Richard Lechner erreicht in der Stichwahl gegen Amtsinhaber Felix Schwaller von der CSU beachtliche 48,48 Prozent – die SPD wird im Stadtrat wieder zweitstärkste Kraft.

Bei den Kommunalwahlen 2014 wird es sehr bunt im Aiblinger Stadtrat: Mit CSU, ÜWG, SPD, GOL, BP und ÖDP ziehen sechs politische Parteien in den Stadtrat ein. Und die SPD verliert endgültig ihre langjährige Position als zweitstärkste politische Kraft in Bad Aibling.

Der Aufbruch in der Kommunalpolitik gipfelt 2020 in der Bewerbung von sieben Bürgermeisterkandidaten und neun Stadtratslisten. Der in der Stichwahl erfolgreiche Bürgermeister Stephan Schlier von der CSU muss mit Stadtratsmitgliedern aus sieben Parteien arbeiten.

Grundanliegen sind noch die gleichen

„Die Aiblinger SPD hat im Wandel der Zeit Höhen und Tiefen durchschritten“, so die amtierende Ortsvorsitzende Petra Keitz-Dimpflmeier. Die politischen Grundanliegen der Gründerzeit, der Kampf um demokratische Grundrechte und soziale Gerechtigkeit, hätten unverändert Bedeutung. Gleich geblieben sei für den Ortsverein auch die Verbundenheit mit den Menschen in der Stadt und das Engagement für Bad Aibling.

Erfolge der Bad Aiblinger SPD sind eng mit dem Namen Falter verbunden

Altbürgermeister Dr. Werner Keitz hat die Historie der Bad Aiblinger SPD erforscht und dabei nicht nur manche Anekdote, sondern auch Erinnerungen an tragische Ereignisse gefunden. Eine davon begann mit der Kommunalwahl 1956, die eine erstaunliche Überraschung brachte.

Der gelernte Maschinist Max Falter setzte sich in der Stichwahl gegen den Baumeister Martin Gärtner von der Bayernpartei durch, und so stellte die SPD erstmals in ihrer Geschichte einen demokratisch gewählten Bürgermeister. Der populäre Max Falter wurde bei den Kommunalwahlen 1960 und 1966 eindrucksvoll im Amt bestätigt.

Tragischer Tod auf dem Volksfest

Mit seinem Namen verbinden sich die besten Jahre der Aiblinger SPD. Sie gewann bei den Stadtratswahlen 1960 mit 43,1 Prozent und und 1966 mit 51,6 die Mehrheit. Doch der 4. Juni 1966 brachte der SPD und der Stadt einen Schock: Bürgermeister Max Falter brach beim Volksfest auf der Bühne des Festzelts zusammen und verstarb kurz darauf im Aiblinger Krankenhaus.

Bei den außertourlichen Bürgermeisterwahlen des Jahres 1966 war die SPD mit Hans Falter noch einmal erfolgreich gewesen. Sein nur knapp unterlegener Gegner Josef Riedl (CSU, FDP und BP) konnte sich allerdings bei einer Neuauflage des Duells mit der SPD 1974 durchsetzen. Auch im Stadtrat dominiert seitdem wieder die CSU, die SPD muss sich mit der Rolle des zweiten Siegers begnügen. 1980 wird Riedl im Amt bestätigt, doch der junge SPD-Stadtrat Richard Lechner erzielt als Kandidat der SPD mit 31,23 Prozent der Stimmen einen Achtungserfolg.

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In der bayerischen Landespolitik erfolgreich ist für die Aiblinger SPD auch der Baukaufmann Max Falter junior. Der langjährige Kreisvorsitzende der SPD, zudem Stadt- und Kreisrat, zieht erstmals Ende Mai 1978 als Nachrücker für knapp fünf Monate in den bayerischen Landtag ein.

Bei den Landtagswahlen im Herbst 1978 verfehlt er das Mandat nur knapp, 1982 – 1986 gehört er dann wieder dem Landesparlament an. 1986 beendet Max Falter seine abwechslungsreiche politische Karriere. Mit ihm tritt der letzte Spross der für die Aiblinger SPD so bedeutenden „Dynastie“ Falter ab. Bereits 1908 gehörte der Maurer Hermann Falter dem Gründungsvorstand an. (re)

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