LESERFORUM

Almbewirtschaftung kein Disneyworld

Zum Bericht: „Hilferuf von den heimischen Almen“:

In ihrem Artikel hat Eva Lagler wirklich nicht übertrieben. Ich bin selbst begeisterter Bergsportler, aber auch Tierarzt und betreue mit meinem Team zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe und deren Almen. Wir sind Gast auf den Bergen und sollten uns auch so benehmen. Der Erhalt und die Pflege der Wege und Pfade ist für die Almbauern mit viel Aufwand verbunden. Diese Infrastruktur nutzen wir gratis. Die meisten Wanderer, Biker und Erholungsuchenden sehen das wohl genauso. Aber: Die Sorgen der Almbauern kann ich mehr als nur nachvollziehen. In unserem Tierarztalltag werden wir regelmäßig mit den Folgen von rücksichtslosen, im besten Falle gedankenlosen Mitmenschen konfrontiert. Ich beobachte immer wieder Biker, die nahezu ungebremst an Jungviehherden vorbeirasen, Hunde, die frei umherlaufen, Unruhe in Herden bringen und sogar einzelne Tiere vor sich hertreiben. Einzelheiten der Bergung von abgestürzten, in den Tod gehetzter Tiere möchte ich nicht näher erwähnen. An dieser Stelle vermisse ich auch die Stimme so mancher selbst ernannter Experten zum Thema Tierwohl und Tierschutz. Zu Hause auf dem Sofa lässt sich leicht darüber debattieren, was vermeintlich richtig oder falsch ist. Aber in freier Natur hat das Recht auf Selbstverwirklichung für einige einen höheren Stellenwert. Und ist erst etwas passiert, dann ertönt höchstens ein „Hoppala, das hab ich nicht gewollt“. Von der im Artikel erwähnten Beschädigung von Zäunen abgesehen, kostet es Senner und Almbauern oft viele Stunden, das Vieh zu suchen und wieder zusammenzutreiben. Jeder andere würde sich weigern, an seinem Arbeitsplatz solch unsinnige, überflüssige und vor allem unbezahlte Überstunden zu machen. Die Bewirtschaftung der Almen ist kein Selbstzweck, keine Folklore, kein Disneyworld, sondern harte, körperliche Arbeit und dient der Existenz und Ernährung von bäuerlichen Familien. Das verdient unser aller Respekt.

Dr. Klaus Suchfort

Bad Feilnbach

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