Abstand zu Banknachbarn: Aiblinger Realschüler erzählen vom Unterricht mit Corona-Auflagen

Alexander Douklias im Klassenzimmer - alle im vorgeschriebenen Abstand. re
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Eva Englhart im Klassenzimmer - alle im vorgeschriebenen Abstand. re

Fast schon wieder „Schulalltag“ herrscht für die Schüler der Abschlussklassen der Wilhelm-Leib-Realschule, die vor zweieinhalb Wochen wieder ins Westend zurückgekehrt sind. Wie geht es ihnen dabei?

Bad Aibling – Alle sind eingeteilt in Gruppen mit maximal 15 Schülern. Abstands- und Hygieneregeln sowie das allgemeine Masken-Gebot im Schulhaus müssen natürlich eingehalten werden.

Wie war denn die Rückkehr und wie empfinden die Jugendlichen den ungewohnten Alltag? Schülersprecherin Eva Englhart berichtet: „Die ersten Tage waren wirklich seltsam und sehr gewöhnungsbedürftig, dennoch war es gut organisiert. Den Abstand einzuhalten und die Mundschutzmasken zu tragen war ebenfalls anfangs seltsam, aber ist mittlerweile Routine. Die Mitschüler zu sehen ist sehr erfreulich und macht die ganze Situation um einiges leichter.“

SchülersprecherinEva Englhart.

„Es gibt auch positive Aspekte“

Der Umgang mit den Hygienevorschriften, das Tragen der Masken im Schulhaus und auch die geltenden Abstandsregeln war zwar anfangs ungewohnt, sagt Schülersprecher Manuel Zach (zehnte Klasse). Er gewinnt den aktuellen Veränderungen aber etwas Positives ab: „Für mich hat sich auch herausgestellt, dass durch die kleineren Lerngruppen eine angenehmere Lernatmosphäre herrscht und die Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen damit effektiver ist.“

Schülersprecher Manuel Zach.

„Problematisch wird‘s mit den Schulbussen“

Die Schule sei sehr bemüht, auf die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregelungen zu achten. „Sehr bedenklich finde ich die Situation aber zum Beispiel in den Schulbussen, in denen das einfach nicht immer möglich ist. Ich bin gespannt, wie sich dieses Problem in den nächsten Tagen mit der steigenden Anzahl der Schüler in den öffentlichen Verkehrsmitteln entwickeln wird.“

Schulleiter Matthias Wabner.

Damit auch die Schüler der neu hinzugekommenen neunten Klassen schon beim Betreten des Schulgeländes wissen, woran sie sich halten müssen, hat die Realschule schon zuvor alle Klassen über Schul-App informiert und ein Online-Portal eingerichtet, auf dem alle Fragen rund um Corona geklärt werden.

Lehrerinnen nähen Masken für Kollegen

Außerdem hatte das THW Masken an die Schulen verteilt. Drei Kolleginnen der Realschule – Sieglinde Franz, Wilfriede Braun und Christina Stegner – haben für die Lehrkräfte zusätzlich noch modische Masken gefertigt und zudem für die Schüler ein „Erklärvideo“ erstellt.

Schüler Alex Douklias, meint: „Es herrscht derzeit eine außergewöhnliche Situation. Natürlich ist immer aller Anfang schwer und man muss sich erstmal an diese Situation anpassen, was aber an sich ziemlich schnell passiert ist. Durch kleinere Lerngruppen hat man eine deutlich persönlichere Stimmung in den Klassen, wodurch man sich auch in bestimmten Situationen besser konzentrieren kann“. Wichtig sei es, auch den jüngeren Schülern, die demnächst wieder in den Präsenzunterricht kommen sollen, den Ernst der derzeitigen Situation klar zu machen. „Ich schaue da hoffnungsvoll, in die Zukunft und hoffe, dass wir das alle gut überstehen werden“, sagt der Schüler.

Alexander Douklias ist zurück im Schulalltag.

Rund 39 Lehrkräfte unterrichten im Moment

Derzeit unterrichten rund 39 Lehrkräfte die Schüler in der Schule, ab der kommenden Woche sind es dann nochmals ein wenig mehr Lehrkräfte, wenn Teile der fünften und sechsten Klassen dazu kommen. Nicht nur alle Lehrkräfte, auch die Schulleitung, das Team der Schulverwaltung und auch das Beratungsteam der Schule ist seit Wochen im Dauereinsatz

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 „Für alle gilt es jetzt, große logistische Herausforderung zu meistern, da ein Teil der Klassen im Präsenz-Unterricht an der Schule ist und ein noch größerer Teil der Klassen weiterhin zuhause lernt“, so Schulleiter Matthias Wabner. Oberste Priorität habe nun die Vorbereitung auf die Abschluss-Prüfungen. Da noch einzelne Noten offen seien, würden derzeit in den zehnten Klassen letzte Schulaufgaben vorbereitet und geschrieben.

Erfolg mit eigenem Lernblog

Insbesondere stehen nun der Ausbau und die Optimierung der technischen Unterstützungsmöglichkeiten im Zentrum der Bemühungen. Der kurz vor der Schulschließung eilig programmierte „Lernblog“ hilft dabei, dass die Schüler in den einzelnen Fächern mit Aufgaben und Unterrichtsmaterial versorgt werden können. „Er wird sehr gut angenommen, läuft sehr stabil und leidet auch nicht unter so vielen Zugriffszahlen wie beispielsweise die Lernplattform Mebis.“

Es gibt aber auch noch Verbesserungsbedarf

Der Schulleiter räumt aber auch ein, dass es durchaus noch Verbesserungsbedarf gibt. Oft stünden technische Hürden oder Einschränkungen durch den Datenschutz im Weg. Das stoße hin und wieder auf Unverständnis und Ungeduld bei Eltern, die sich mit der Lernbegleitung ihrer Kinder überfordert fühlen. „Die Eltern können keine Ersatz-Lehrkräfte sein“, sagt Wabner und rät dazu, sich bei Bedarf an die Klassenleitung oder die anderen Beratungs- und Unterstützungskräfte des schulischen Beratungsteams zu wenden.

„Das Bestmögliche aus der Situation machen“

Weiterhin wird die so genannte Notbetreuung für Eltern aufrechterhalten, die die hierfür notwendigen Voraussetzungen erfüllen. „Wir bleiben zuversichtlich, gehen das Ganze weiterhin mit enorm hohem Engagement an und versuchen, das Bestmögliche für unsere Schüler aus der Situation zu machen“, betont der Schulleiter.

Lehrerin Wilfriede Braun nähte Masken.

Die möglicherweise schon bald umzusetzende Rückkehr weiterer Klassen an die Schule bereitet dem Direktor dagegen jedoch Kopfschmerzen: „Wir kommen irgendwann an die Grenze des Machbaren und der Belastbarkeit, wenn wir sowohl das Lernen in der Schule als auch das ,Lernen zuhause‘ vernünftig meistern wollen.“

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