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63-Jährige ist außer Lebensgefahr

„Alles war voller Blut“: So hat der Ehemann des Opfers den versuchten Totschlag in Bad Aibling erlebt

Ein scheinbar friedlicher Ort: In der Weißenburger Straße in Bad Aibling wurde am Samstagabend eine 63-jährige Frau von einem Eritreer brutal niedergeschlagen. Sie liegt schwer verletzt auf der Intensivstation in Rosenheim.
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Ein scheinbar friedlicher Ort: In der Weißenburger Straße in Bad Aibling wurde am Samstagabend eine 63-jährige Frau von einem Eritreer brutal niedergeschlagen. Sie liegt schwer verletzt auf der Intensivstation in Rosenheim.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Für Hans M. sind die Erlebnisse vom 12. Februar, als ein Eritreer (23) seine Frau mit einem Stein attackiert und schwer verletzt hat, immer noch unbegreiflich. Gegenüber den OVB-Heimatzeitungen schildert er die blutige Attacke.

Bad Aibling – Seit 1990 waren Hans M. und seine Frau Anna (Namen von der Redaktion geändert) in der Weißenburger Straße in Bad Aibling glücklich. Seit 32 Jahren leben sie hier – an diesem friedlichen Ort mit liebevoll sanierten Häusern und viel Grün. Bis Samstagabend, als Anna vor ihrer Haustür mit Steinen und einer Bierflasche brutal niedergeschlagen wurde. Von einem 23-jährigen Eritreer, der seit etwa einem Jahr in ihrem Haus lebt. In direkter Nachbarschaft.

Ein normaler Samstag endet in Katastrophe

Der Tag hatte ganz normal angefangen. „Am Nachmittag war meine Frau bei unserer Tochter zum gemütlichen Kaffeetrinken. Ich habe wie an jedem Samstagabend Fußball geschaut“, erzählt der 61-jährige Ehemann. Als er verzweifelten Schreie nach „Hilfe, Hilfe!“ hört, stürzt er aus der Wohnung und erlebt das Unfassbare: „Der Afrikaner schlug mit großen Steinen und einer Bierflasche auf meine Frau ein.“

Hans M. versucht, den Mann von seiner Frau abzubringen. Sie kann auf das gegenüberliegende Grundstück fliehen. „Die Nachbarn haben meine Frau gerettet, sie eingelassen und ihr sofort geholfen“, ist Hans dankbar. Gemeinsam mit einem Nachbarn bringt er den Afrikaner zur Räson, hält ihn so lange am Boden fest, bis die Bad Aiblinger Polizei eintrifft. „Er war ganz komisch, wirkte wie unter Drogen oder total betrunken“, beschreibt er.

Blutüberströmt und schwer verletzt

Seine Frau ist blutüberströmt: „Der ganze Kopf war blutig, der Schal, die Jacke, alles war voller Blut. Es war eine Tragödie“, beschreibt Hans M. voller Verzweiflung: „Ich weiß nicht, wie viel Blut sie verloren hat. Einen Liter oder zwei. Aber er hat mit großen Steinen und einer Bierflasche immer wieder auf sie eingeschlagen.“

Als Polizei und Rettungsdienst eintreffen, wird die 63-Jährige in die Klinik nach Vogtareuth gebracht: „Eine Platzwunde am Kopf, eine gebrochene Nase, ein gebrochener Kiefer, zum Glück keine Hirnblutungen“, berichtet der Ehemann nach den ersten Untersuchungen. Inzwischen ist seine Frau auf der Intensivstation in Rosenheim. „Sie ist außer Lebensgefahr, aber schwerstverletzt“, sagt er.

Am heutigen Dienstag wird Anna operiert. „Sie hat große Angst“, weiß Hans. Sie könne ihre Tränen nicht bändigen, denn wenn sie sich daran erinnere, was passiert ist, erlebe sie es immer wieder aufs Neue und könne es nicht fassen. „Anna hat erzählt, dass er sie überfallen hat, als sie mit dem Rad ankam. Er hat ihr im Hinterhof aufgelauert, zwischen dem Schuppen und dem Eingang in unser Haus. Und er muss mehrere große Steine in den Händen gehabt haben, mit denen er immer wieder auf sie eingeschlagen hat.“

Nie Streit mit dem 23-Jährigen

Familie M. kann sich nicht erklären, warum der Mann plötzlich so aggressiv war. Er lebt seit mehr als einem Jahr in ihrem Haus. Sie hatten nie Streit mit ihm. „Meine Frau hat ihn einmal höflich gebeten, auch mal das Treppenhaus sauber zu machen“, erzählt Hans M. Aber darüber habe es keinen Streit gegeben. „Tagsüber waren wir arbeiten – ich in einem Autohaus, meine Frau in der Schule“, erzählt Hans. Dass der Eritreer keine Arbeit hatte, wussten sie. Am Tag hätten sie ihn nie wahrgenommen, nur am Abend. „Dann ging er auf Tour und kehrte spät in der Nacht zurück. Oder aber er hatte Besuch aus dem Asylbewerberheim“, erzählt der 61-Jährige. Doch sie hätten sich nie beschwert und nie etwas gesagt, auch wenn er die Nachtruhe störte.

Hans M. hätte nie geglaubt, dass solch ein brutaler Überfall im beschaulichen Bad Aibling passieren könnte. „In München, Hamburg oder Düsseldorf, aber doch nicht hier in Bad Aibling“, sagt er. Doch es ist passiert. Direkt vor seiner Haustür. Der Täter war sein Nachbar. „Wir leben seit 32 Jahren hier. Früher war unsere Hausgemeinschaft wie eine Familie. Dann starben die einen, die anderen zogen weg. Dann hat sich auch unsere Gesellschaft verändert und mit ihr die Nachbarn“, sagt er voller Demut und ergänzt: „Ich bin zu klein, um daran etwas zu ändern. Aber ich bin betroffen.“

„Sie hat furchtbare Schmerzen“

Hans M. ist dankbar dafür, dass seine Frau noch lebt. „Sie hat furchtbare Schmerzen: die Platzwunde am Kopf, die Knochenbrüche an Nase und Kiefer. Aber all das ist zum Glück heilbar.“ Am heutigen Dienstag wird sie operiert. „Es wird Wochen dauern, ehe sie wieder nach Hause kommt“, weiß ihr Mann. Doch wo ist ihr Zuhause? „Sie kann sich nicht mehr vorstellen, hier zu leben. Sie hat mir gesagt, dass sie in diese Wohnung nicht mehr zurückkehren möchte“, erzählt Hans von den Gesprächen mit seiner Anna kurz nach der Katastrophe. Er versteht ihr Trauma, denn ihm geht es nicht anders.

„Ich bin jetzt allein hier. Wenn ich Geräusche höre oder das Licht im Treppenhaus angeht, schrecke ich auf, schaue aus dem Fenster. Ich habe ständig das Gefühl, dass mir jemand auflauert. Seit Samstag ist alles anders“; beschreibt er seine seelische Anspannung.

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Trotzdem will er mit seiner Frau nach vorn schauen: „Es ist passiert, wir können es nicht ändern“, sagt er mit männlicher Rationalität. Er weiß, dass seine Anna Angst hat, zurückzukehren. Doch was kann er tun? „Gestern war unser Vermieter hier. Ich habe ihm alles erzählt“, berichtet Hans M. Er habe zumindest das Türschloss zur Wohnung des Eritreers ausgetauscht: „Damit sich hier jetzt nicht seine Freunde aus dem Asylbewerberheim einnisten“, so Hans M. Ein Gefühl von Sicherheit gibt ihm das trotzdem nicht. Auf seine Frau wurde ein brutaler Anschlag verübt: „Versuchter Totschlag“ heißt es seitens der Polizei.

Mit einem Schlag die Heimat verloren

Das Gefühl von Heimat gibt es für Hans und Anna M. in der Weißenburger Straße nicht mehr – auch wenn sie auf den ersten Blick ein friedlicher Ort zu sein scheint. Hans M. hat den OVB-Heimatzeitungen seine Geschichte erzählt. Seinen richtigen Namen möchte er nicht preisgeben. Auch lehnt er ein Foto von sich oder seiner Frau ab: „Sie sieht wirklich ganz schlimm aus“, entschuldigt er sich: „Es ist uns unangenehm, dass ausgerechnet uns so etwas passiert ist. Und wir wissen nicht, warum.“

Keine neuen Erkenntnisse zum Motiv

Was dazu geführt hat, dass ein 23-jähriger Mann aus Eritrea am Samstagabend eine 63-jährige Frau aus Bad Aibling mit einem Stein attackiert und schwer verletzt hat, dazu gibt es seitens der Polizei keine neuen Erkenntnisse. Die Polizei werde weiterhin versuchen, den dringend Tatverdächtigen zu seinen Motiven zu befragen, sagte ein Polizeisprecher gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. Aufgrund „erheblicher psychischer Auffälligkeiten“ ist der 23-Jährige auf richterlichen Beschluss in der geschlossenen Abteilung einer forensischen Fachklinik untergebracht. Der Mann hatte wie berichtet die 63-Jährige, die gerade mit dem Fahrrad nach Hause kam, in einem Hinterhof in Bad Aibling attackiert und mit einem großen Stein mehrmals auf den Kopf geschlagen. Auch den Ehemann (61) des Opfers, der die Schreie seiner Frau gehört hatte und ihr zu Hilfe geeilt war, hatte der 23-Jährige angegriffen. Gemeinsam mit einem Nachbarn gelang es dem 61-Jährigen, den Eritreer bis zum Eintreffen der Polizei in Schach zu halten.

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