Bad Aiblings Seelsorger und ihr ganz anderes Ostern in Corona-Zeiten

Diakon Klaus Schießl und sein Sohn Anian beim gemeinsamen Singen und Musizieren zuhause. Alexandra Schiessl

Mit wem Diakon Klaus Schießl daheim an der Orgel singt, an welch eigentümliche Familien-Ostertradition sich Pfarrer Markus Merz erinnert, wie Diakon Bernd Schmitz sich trotz Kontakteinschränkungen mit Familienangehörigen aus aller Welt am Osterfeuer versammelt – das erzählen sie uns hier..

Von Eva Lagler

und Margit Schmitz

Bad Aibling – „Vieles ist in diesen Tagen anders, trotzdem können und dürfen wir Ostern feiern“, sagt Klaus Schießl. Er ist Diakon in der Stadtkirche Bad Aibling. Wie sein Kollege Bernd Schmitz und die beiden Bad Aiblinger Pfarrer, Georg Neumaier (Stadtkirche) und Markus Merz (evangelische Kirchengemeinde) gibt er im Gespräch mit unserer Zeitung einen Einblick, wie dieses „andere Osterfest“ bei ihm aussehen wird.

Gemeinsam mit Sohn Anian an der elektronischen Orgel

„Mein Sohn Anian lernt das Orgelspiel und übt fast jeden Tag zu Hause an der elektronischen Orgel. Meine Frau singt auch kräftig mit“, sagt Schießl. „Nach unserem Familien-Singen gehen wir in den Garten, aus dem Nachbarhaus hören wir Gitarrenklänge und die zwei Buben, die mit ihrer Mama singen“, schildert er die ungewöhnliche Kar- und Osterzeit bei sich zuhause.

Telefongespräche deutlich länger

Die Telefongespräche von seinem Büro aus dauerten in den letzten Wochen meist deutlich länger, es kamen unzählige E-Mails. Sehr viele hat er auch selbst versendet. „Ich höre von immens vielen Menschen guten Willens, die sich im Sinne Jesu für ihre Mitmenschen einsetzen, mit den neuen Medien Kontakt halten, für ältere Menschen Besorgungen machen. Die zum Beten in unsere Kirchen kommen, eine Kerze anzünden. Da sind Ehrenamtliche, die liebe Grüße zu Briefkästen bringen, den ,Osterhasen‘ spielen. Immer ist auch zu hören oder zu lesen: ,Bleib gesund!‘.“

Neue Chance in der Coronakrise

Für Diakon Bernd Schmitz und seine Frau Anni ist die Coronakrise auch eine neue Chance: Sie können die Osterliturgie wieder einmal mit ihren Söhnen begehen. Am Ostermorgen werden sie sich um das Osterfeuer versammeln, das die Familie von Sohn Joachim in Berlin entzünden wird. Anschließend werden sie gemeinsam die Auferstehung Jesu feiern. Die Feier wird möglich durch eine Videokonferenz, für die einer der Enkel aus Bad Aibling dem Diakon die Technik eingerichtet hat. So verbinden sich zur Feier der Ostertage neben den Familien aus Berlin und Bad Aibling noch weitere 15 Mitfeiernde, unter anderem aus Holzkirchen, München, Köln, Magdeburg und den USA.

Schon früher „Ostern einmal anders“ erlebt

Die meisten kennt der Diakon schon, seit seine Söhne in der Katholischen Studierenden Jugend waren. Dort haben die beiden auch mit einem Jesuitenpater zum ersten Mal „Ostern einmal anders“ erlebt und aus dieser Erfahrung später Familienostertage organisiert.

Begleitet vom Geist Jesu

Die Söhne fragten ihren Vater schon öfter als geistlichen Begleiter an, aber der Diakon wurde immer in den Heimatpfarreien gebraucht. Jetzt konnte er zusagen und freut sich: „Der Geist Jesu begleitete uns schon bei den Feiern am Gründonnerstag und Karfreitag und wird uns echte Osterfreude schenken. Schön, in dieser Gemeinschaft mitfeiern zu können.“

Zeit für ein ausgiebiges Osterfrühstück

Pfarrer Markus Merz ist morgen beim Video-Gottesdienst aus der Christuskirche mit Andreas Hellfritsch an der Orgel, Vikarin Lisa Bühler und Pfarrerin Katharina Rigo zu sehen. Zuhause aber wird das ausgiebige Osterfrühstück auch in diesem Jahr nicht fehlen – „mit Ei und Schinken und Käse, allerlei Süßem und Hefegebäck, mit Saft und Kaffee und mit viel Zeit“, wie er sagt.

Eine alte Tradition aus der Kindheit

„Eine mir heute doch seltsam anmutende Tradition habe ich aus meiner Kindheit weitergetragen. Ich weiß gar nicht, ob sie tatsächlich auch an anderen Orten praktiziert wird oder ob sie allein vor langer Zeit in meiner Familie in Osterlaune einmal erfunden wurde: Das Eierwerfen beim Osterspaziergang“, erzählt Merz. Wie das geht? „Man nehme ein gut gekochtes Ei. Wem es gelingt, dieses Ei auf einer Wiese am weitesten zu werfen, ohne dass es dabei zu Schaden kommt, hat gewonnen. Man staune wie weit das geht“, sagt der Pfarrer.

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Mit einem Schmunzeln erinnern er und seine Familie sich an diesen eigenwilligen Brauch und essen dann am Abend die zu Bruch gekommenen Eier. „Vielleicht ist es genau dies, was ich mir für das Osterfest wünsche: dass wir den Humor nicht verlieren. Vielleicht braucht es an so Tagen wie diesen den Einfall einer neuen, seltsam anmutenden Geste oder Bewegung. Ich wünsche uns die Freude am Entdecken neuer Formen, das Lachen und die Hoffnung auf Leben, das weitergeht“, so Merz.

Zuversicht und Hoffnung schöpfen

„Ostern als Fest des Lebens“ – so sieht es auch sein katholischer Amtsbruder Pfarrer Georg Neumaier. Auch wenn die Gläubigen die Osterfeier 2020 in noch nie da gewesener Art und Weise begehen. „Manche meinten, man könne das Osterfest sogar ausfallen lassen. Da, glaube ich, würden wir uns selbst am meisten schaden“, findet der Geistliche. Gerade an Ostern könnten viele von der Krise Betroffene und die vielen Krankenschwestern, Pflegekräfte in den Heimen und vor allem die Mediziner mit der Feier des Lebens neue Zuversicht und Hoffnung schöpfen.

Er empfiehlt: „Nehmen sie sich Zeit, feiern Sie zuhause einen Gottesdienst mit der Familie oder allein. Nutzen Sie die Hilfen und Anregungen, die in unseren Kirchen aufliegen. Schalten Sie Radio, Fernsehen, Internet oder Facebook an, feiern Sie mit diesen Medien die Ostergottesdienste mit.“

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Er selbst werde, so Pfarrer Neumaier, das Osterfest im ganz kleinen Kreis im Gottesdienst feiern und dabei den Dank, die Bitten und Nöte der Gläubigen miteinbeziehen, sie vor Gott bringen. „Anschließend wird zuhause die Osterkerze entzündet und miteinander das Osterfrühstück eingenommen.“

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