Bad Aiblings Bürgermeister richtet sich mit dramatischem Appell an die Vermieter der Stadt

Das Hotel Das Lindner verliert gerade 2600 Übernachtungsgäste – so wie viele andere Hotels auch. Bürgermeister Schwaller hat nun weitreichende Hilfen zugesagt, damit die Hoteliers, Gastronomen und Händler überleben. RE

In einem Krisengespräch mit den Hoteliers, Gastronomen, Einzelhändlern und Selbstständigen der Stadt Bad Aibling hat Bürgermeister Felix Schwaller ihnen am Mittwoch weitreichende Hilfen in Aussicht gestellt. Dazu zählen Steuererleichterungen und eine Marketingoffensive im Wert von 100000 Euro.

Bad Aibling – Ein zigfacher Hilferuf erreichte am Mittwochmittag Bürgermeister Felix Schwaller. „Während die Tage verstreichen, sind wir – die Hoteliers, Gastronomen, Einzelhändler und Selbstständigen – dabei, unterzugehen. Wir fühlen uns von der Stadt im Stich gelassen. Es herrscht Funkstille! Doch wir brauchen einen Dialog“, heißt es in dem Schreiben, das mehr als 50 Bad Aiblinger Unternehmer unterzeichneten.

"Bad Aibling hält zusammen": Unterstützen Sie den Einzelhandel in Bad Aibling

Krisengipfel im Rathaus

Wenige Stunden später wurde die Funkstille durchbrochen. Schwaller lud zum Gespräch, und dieses endete mit einem dramatischen Appell des Bürgermeisters an die Vermieter der Stadt: „Wenn es Ihnen möglich ist, bitte ich Sie, auf einen Teil oder die gesamte Miete zu verzichten. Für einen Monat oder auch länger. Erklären Sie sich solidarisch mit Hoteliers, Gastronomen, Einzelhändlern, Selbstständigen und jedem Menschen, der in dieser angespannten Situation in Not geraten ist. Wenn wir jetzt nicht zusammenhalten, bricht unsere Solidargemeinschaft zusammen. Wir als Stadt werden mit gutem Beispiel vorangehen.“

Wie die Stadt wirklich helfen kann

Im Mittelpunkt der Krisensitzung, die in kleinem Kreis mit Mundschutz und Sicherheitsabstand stattfand, stand die Frage: Wie kann die Stadt ihren Hoteliers, Gastronomen, Einzelhändlern und Selbstständigen dabei helfen, die Corona-Krise zu überleben.

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„Die Maßnahmen des Freistaates Bayern und der Bundesregierung helfen zwar, allein können sie uns aber nicht retten“, betont Jost Deitmar, der Inhaber des Hotels Das Lindner und präsentiert dazu die harten Fakten: „Meine Personalkosten belaufen sich auf 100 000 Euro pro Monat. Wenn die Einnahmen auf Null bleiben, kann ich trotz Kurzarbeit und Rücklagen höchstens bis Ende April überleben, dann muss ich Insolvenz anmelden. Ich brauche Hilfe“, umreißt er die dramatische Lage der Hoteliers.

Stundung der Gewerbesteuervorauszahlungen

Und er ist nicht allein. Alle plagen riesige Existenzängste. Alle wissen, dass es für sie längst fünf vor zwölf ist. Sie hoffen auf eine Stundung ihrer Gewerbesteuervorauszahlungen. Und sie kommt: „Auf Antrag werden alle auf Null gesetzt“, versichert Schwaller.

Stundung und Zinserlass bei Nachzahlungen

Sie hoffen auf eine Stundung der Gewerbesteuernachzahlungen: „Auch hier werden wir Stundungen genehmigen und die Zinsen erlassen“, betont der Bürgermeister. Sie fragen an, ob die Abschlagszahlungen für Strom, Wasser und Gas reduziert werden könnten. Schwaller: „Ja, ich werde mich dafür stark machen, dass Anträge auf Herabsetzung der Vorauszahlung bei den Stadtwerken Bad Aibling genehmigt und schnell bearbeitet werden.“

Fremdenverkehrsbeiträge werden erlassen

Sie denken an die bevorstehende Zahlung der Fremdenverkehrsbeiträge für das Jahr 2019: „Auch diese werden per Antrag auf Null gesetzt“, informiert Schwaller nach dem Krisengespräch. „Kurbeiträge werden derzeit keine erhoben.“

Marketingkampagne für 100 000 Euro

Zudem machen die Hoteliers, Gastronomen, Einzelhändler und Selbstständigen der Stadt darauf aufmerksam, dass der Neustart nach der Krise schon jetzt mit Marketingmaßnahmen vorbereitet werden muss, um den Einzelhandel und Tourismus wieder anzukurbeln. Dieser Vorschlag wird sofort umgesetzt. Schon am Montag werden gemeinsam Strategien entwickelt. Die Stadt unterstützt die Marketingoffensive nach Corona mit 100 000 Euro.

Die Aib-Kur hat schon gestern die ersten Weichen dafür gestellt und die Online-Plattform „Bad Aibling hält zusammen“ freigeschaltet.

Hilfspaket umfasst fünf Millionen Euro

Die von der Stadt zugesagten Steuererleichterungen sowie die zu erwartenden Einbußen bei Einkommens- und Umsatzsteuer beziffert Bürgermeister Schwaller auf etwa vier Millionen Euro. Hinzu kommt eine Kapitalanlage von einer Million Euro für die Stadtwerke, um die Liquidität des Unternehmens zu erhalten.

Schwaller geht als Krisenmanager voran

Die Unternehmer der Stadt Bad Aibling wollten mit ihrem Hilferuf an den Bürgermeister aber auch eines zum Ausdruck bringen: „Wir brauchen den moralischen Beistand der Stadtväter.“ Den hat ihnen Bürgermeister Felix Schwaller gestern gegeben. „Ich bin froh, dass er sich als Krisenmanager an die Spitze stellt und Entscheidungen trifft“, sagt Jost Deitmar nach dem Krisengipfel im Rathaus. „Er kann uns nicht in allen Dingen helfen, will sich aber auch bei Anliegen, die das Landratsamt oder den Freistaat betreffen, für uns einsetzen.“

Auch Michael Braun vom „Librano“ hat das Gefühl, dass „die Stadt tut, was sie kann. „Es ist einer der vielen kleinen Bausteine, die uns am Leben halten. Ob wir überleben, hängt davon ab, wie lange dieser Ausnahmezustand dauert.“

Es sei einer dieser vielen Tropfen auf den heißen Stein, sagt Anita Rieder vom Blumengeschäft „Vergissmeinnicht“: „Wie viele von uns überleben und wieder aufmachen werden, wissen wir am Ende des Tages. Doch jetzt ist es erst einmal das Wichtigste, dass wir gesund bleiben.“

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