Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Bad Aiblingerin vom Jugendschöffengericht verurteilt

Mehrfach in die Genitalien getreten - 22-Jährige steht nach Angriff auf Polizisten vor Gericht

Immer wieder kommt es zu Fällen von Übergriffen auf Polizeibeamte (Symbolbild).
+
Immer wieder kommt es zu Fällen von Übergriffen auf Polizeibeamte (Symbolbild).
  • VonChristl Auer
    schließen

Laut Anklage habe eine junge Aiblingerin einen Polizisten attackiert, ihn mehrfach in den Bereich der Genitalien getreten und ins Daumengelenk gebissen. Doch wie konnte es dazu kommen und warum ließ das Gericht dennoch Milde walten?

Bad Aibling – „Die Probleme liegen tief und die Angeklagte wird noch lange damit zu tun haben“, lautete die sozialpädagogische Einschätzung der Jugendgerichtshilfe. Das Jugendschöffengericht hat eine 22-jährige Aiblingerin wegen Widerstands, tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr zu acht Tagen sozialer Arbeit verurteilt. Im Rahmen eines Vergleichs muss sie zudem 750 Euro zahlen. Doch was war passiert?

Laut Anklage trafen Polizeibeamte die Aiblingerin im Juni 2020 auf einem Wanderweg in Flintsbach an. Ihr damaliger Lebensgefährte hatte die Polizei informiert, dass sie Suizidabsichten angekündigt habe. Mit der Durchführung der Identitätskontrolle war die 22-Jährige jedoch völlig überfordert.

Mehrfach in Genitalien getreten

Sie habe sich wenig kooperativ gezeigt und entfernen wollen, sagte der Polizist, der bei dem Einsatz verletzt wurde und Schmerzensgeldforderungen geltend machte. Beim Versuch sie festzuhalten, habe ihn die Angeklagte sofort attackiert, ihn mehrfach in den Bereich der Genitalien getreten und ins Daumengelenk gebissen.

Die Szenerie habe ihn an „der Exorzist von Emily Rose “ erinnert. Er habe sie weggeschubst und sie sei auf den Boden gefallen. Doch auch dann sei sie nicht zu beruhigen gewesen. Am Ende habe nur ein massives zu Boden Drücken geholfen, um die Frau zu fixieren, und vor Selbstgefährdung zu schützen.

Videoaufnahmen belegten die Schilderung des Polizeibeamten. Die 22-jährige habe sich in einem erheblichen Ausnahmezustand befunden, leide laut medizinischem Gutachten unter Depressionen, Sozialphobie und sei deshalb zum Tatzeitpunkt belastet, verzweifelt und überfordert gewesen.

Dementsprechend regte die Jugendgerichtshilfe ein mildes Urteil und die Anwendung von Jugendstrafrecht an. Staatsanwalt Weinhart und das Jugendschöffengericht teilten diese Einschätzung. In einem Rechtsgespräch signalisierten sie, dass aufgrund des langen Verfahrensverlaufs und der zwischenzeitlichen Stabilisierung der Angeklagten bei einem Geständnis und einer Schmerzensgeldzahlung, die Verhängung von Sozialstunden in Betracht kämen.

Bad Aiblingerin noch wegen eines weiteren Vorfalles vor Gericht

In einem weiteren Punkt wurde die 22-Jährige beschuldigt, an einem Dezemberabend vor zwei Jahren mit ihrem Fahrzeug in Bad Aibling unterwegs gewesen zu sein, obwohl sie Medikamente eingenommen hatte und fahruntüchtig war. Kurz zuvor hatte sie ihren Selbstmord angekündigt. An einem Bahnübergang konnten Polizeibeamte die Frau, die bereits angehalten hatte, an der Weiterfahrt hindern.

Bei der Durchsuchung des Fahrzeugs wurden mehrere leere Medikamentenpackungen aufgefunden. Eine Blutprobe ergab eine Intoxikation mit verschiedenen Substanzen. Laut Rechtsmedizinerin war die Fahrtüchtigkeit aufgehoben. Die Angeklagte räumte die Tatvorwürfe über Verteidiger Harald von Koskull umfassend ein. Seine Mandantin habe zu dem Zeitpunkt unter Panikattacken gelitten, sich in einem psychischen Ausnahmezustand befunden.

Auch bei besagter Widerstandshandlung habe sie selbst gelitten und ohne konkrete Verletzungsabsicht wild um sich gestrampelt. Im Gerichtssaal habe sie sich mit dem geschädigten Polizisten auf einen Vergleich und eine Schmerzensgeldzahlung von 750 Euro geeinigt, so der Verteidiger. Bei Punkt zwei der Anklage habe seine Mandantin ihrem Leben mit einer Überdosis Tabletten ein Ende setzen wollen. Erst habe sie sich befreit gefühlt, dann ihren Entschluss bereut und sich medizinische Hilfe holen wollen. Deshalb habe sie sich ins Auto gesetzt. Als sie bemerkte, nicht fahrtüchtig zu sein, habe sie ihr Auto abgestellt.

Sozialstunden ohne Wirkung

Seine Mandantin müsse mit therapeutischer Hilfe versuchen, ihre Probleme zu bewältigen. „Sozialstunden werden nichts Positives bringen“, so der Verteidiger. Zuvor hatte der Staatsanwalt 14 Tage gemeinnützige Arbeit gefordert.

Zugunsten der Angeklagten wurde ihr Geständnis, der freiwillige Verzicht auf ihre Fahrerlaubnis und der geschlossene Vergleich gewertet. Das Jugendschöffengericht folgte in seinem Urteil den Ausführungen des Staatsanwalts, blieb aber im Strafmaß darunter. Die Angeklagte habe selbst Verletzungen davongetragen. Sie sei in beiden Fällen in einer äußerst schlechten Verfassung und ihre Steuerungsfähigkeit stark beeinträchtigt gewesen. Dennoch brauche es eine spürbare Ahndung, betonte Richter Dirk Dombrowski in seiner Urteilsbegründung.

Mehr zum Thema

Kommentare