Bad Aiblinger Therme sitzt komplett auf dem Trockenen – wegen Corona

Auch die 2017von der damaligen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner getaufte Hausbootsauna „Kiebitz“ ist verwaist – Stadtwerkeleiter Fritz Walter Keilhauer betrachtet sie mit Wehmut. Baumann

Schwer zu kämpfen mit der Corona-Krise hat auch die Aiblinger Therme. Im Gegensatz zu fast allen anderen Bereichen der Wirtschaft gibt es derzeit keinerlei Zeitpläne für eine Lockerung beziehungsweise Wiederaufnahme des Betriebes.

Von Johann Baumann

Bad Aibling – „Alle Heilbäder leiden momentan schwer unter der Krise und manche von ihnen sind bereits in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten“, erklärt Stadtwerke-Chef Fritz Walter Keilhauer unserer Zeitung. Die Aiblinger Therme ist Mitglied der EWA (European Waterpark Association), ein Zusammenschluss höherwertiger Bäder in Europa. Die Vereinigung hat einen Zwei-Stufen-Plan ausgearbeitet, der aus Vorschlägen für die notwendigen Hygienemaßnahmen und einem sowohl zeitlich als auch Besucherzahl-mäßig gestaffelten Hochfahren der Thermeanlagen besteht.

„Man fühlt sich allein gelassen“

Die EWA-Informationen sagen unter anderem auch aus, dass in Bädern mit Badewasseraufbereitung weder Coronaviren noch andere Viren über das Badewasser verbreitet werden. Der Zwei-Punkte-Plan wurde der bayerischen Staatsregierung vorgelegt, doch gab es von dort bisher keinerlei Reaktionen. „Man fühlt sich da schon allein gelassen“, bekennt der Stadtwerke-Leiter.

Seit dem 16. März komplett stillgelegt

Die Aiblinger Therme ist seit dem 16. März geschlossen und augenblicklich in allen Teilen komplett stillgelegt. Die Lüftungs- und Filteranlagen sind abgeschaltet und alle Becken geleert. Das Personal war Keilhauer zufolge seit der Schließung mit Wartungs- und Revisionsarbeiten beschäftigt, die teilweise vorgezogen wurden. So wurden unter anderem Becken neu verfugt, Malerarbeiten durchgeführt und die Blockhaussauna außen abgeschliffen und mit einem neuen Schutzanstrich versehen –alles vom eigenen Personal. Zudem hat die Belegschaft Urlaubsguthaben abgebaut.

„In den nächsten Tagen müssen wir jedoch für unsere Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden“, berichtet Keilhauer. „Unser großes Problem ist, dass wir momentan total im Unklaren sind“, beklagt er. „Wir haben im Gegensatz zu anderen Branchen überhaupt keine Perspektiven.“

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Völlig ungewiss ist augenblicklich auch, ob Therme und Freibad gleichzeitig oder zeitlich verschoben geöffnet werden. „Die Therme wäre im Hinblick auf die Hygienemaßnahmen leichter steuerbar, was im Freibad schwieriger ist“, stellt Keilhauer fest. Den Modus der Öffnung vorauszusagen bedeute „im Kaffeesatz zu lesen“. Für die Wiederöffnung veranschlagt er eine Vorlaufzeit von zwei Wochen.

Erhebliche Konsequenzen

Die Schließung hat natürlich erhebliche Konsequenzen für die Therme, die jährlich von rund 300 000 Besuchern frequentiert wird. „Der Umsatzverlust seit dem Lockdown beträgt bis zum 30. April rund 520 000 Euro und er wirkt sich natürlich auch erheblich auf die Gesamtbilanz der Stadtwerke aus, die dadurch Ende 2020 rote Zahlen schreiben werden“, prognostiziert der städtische Manager.

Geplante Investitionen müssen warten

Aus diesem Grund werden unter anderem geplante Investitionen wie beispielsweise für den Wasserleitungsbau sowie „alles, was nicht zwingend notwendig ist“, zurückgestellt. Keilhauer tritt in wenigen Monaten seinen Ruhestand an – der negative Jahresabschluss ist quasi ein „roter Wermutstropfen“ am Ende seiner so positiven Tätigkeit für die Stadt Bad Aibling.

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