Aiblinger Stadtgeschichte: Vom Umbruch zum Aufbruch im Aiblinger Rathaus

Franz Xaver Wildbekleidete in den Jahren 1892 bis 1902 das Amt des Bürgermeisters. baumann

Die zurückliegenden Kommalwahlen und den bevorstehenden Wechsel im Bürgermeisteramt zum 1. Mai nehmen wir zum Anlass, einmal auf die Historie und die Bürgermeister von Bad Aibling zurückzublicken. Der erste Teil unserer zweiteiligen Serie umfasst die Jahre 1812 bis 1929.

Bad Aibling – – angefangen vom ersten Mann in diesem Amt, dem Lebzelter Honorat Siertl, im Jahr 1812, bis zu Stephan Schlier, der die Mangfallstadt ab dem 1. Mai für die nächsten sechs Jahre führt.

Erster Aiblinger Bürgermeister der neuen Ordnung nach der Munizipalverfassung wurde 1812 der von den Magistratsräten vorgeschlagene und staatlich berufene Lebzelter Honorat Siertl. Unterstützt wurde er durch den Marktschreiber Uttinger als Kommunal-Administrator und vier Munizipalräte. Nach Inkrafttreten der Magistratsverfassung wurde Siertl von den Magistratsräten im Amt bestätigt.

Im Oktober 1823 folgte ihm der Handelsmann Mathias Volz, der bereits einer der vier Munizipalräte gewesen war, nach. Vom 1. Dezember 1830 bis 1. Oktober 1836 war der Bindermeister Franz Xaver Hefter Bürgermeister des Marktes.

Kraftvoll: Josef Pentenrieder

Ihm folgte 1836 der Handelsmann Josef Pentenrieder, der dann immerhin bis 1860, also 24 Jahre im Amt war. Er war ein kraftvoller Bürgermeister. In seine Amtszeit fielen unter anderem die Wiedererrichtung des Landgerichts Aibling im Jahr 1838, die Begründung des Moorheilbades durch Dr. Desiderius Beck im Jahr 1845 und die unruhigen Revolutionsjahre 1848/1849. Dessen Nachfahre Otto Steffl diente der Stadt von 2008 bis 2014 als Dritter sowie bis zu seinem tragischen Tod im Juli 2016 als Zweiter Bürgermeister.

Erheblich kürzere Zeit als Pentenrieder waren die nächsten Bürgermeister des Marktes im Amt: 1. Oktober 1860 bis 1. Oktober 1866 Handelsmann Dominikus Bonin, 1. Oktober 1866 bis 31. Dezember 1869 Handelsmann Josef Pentenrieder junior, 1. Januar 1870 bis 31. Dezember 1875 Malermeister Josef Osendorfer, 1. Januar 1876 bis 31. Dezember 1881 Mühlenbesitzer Franz Xaver Oswald.

Mehr über die Geschichte der Stadt findet man auf der Seite des Historischen Vereins für Bad Aibling und Umgebung

Am 1. Januar 1882 wurde der Brauer und spätere Ökonomierath Franz Xaver Wild ins Bürgermeisteramt gewählt. Mit seinem Namen verbindet sich eine Zeit des politischen und wirtschaftlichen Aufschwungs. 1886 bis 1888 wurde der Kurpark in seiner noch heute bestehenden Form angelegt, im Jahr 1895 erfolgte die Anerkennung als Heilbad, 1900 bekam Bad Aibling sein Bezirksamt, das spätere Landratsamt. An ihn und den Bauboom der Gründerzeit erinnern noch heute stadtbildprägende Gebäude wie die Villen des Jugendstils und die Areale des einstigen Schuhbräu, damals größte Landbrauerei Oberbayerns. Wild, auch erster Vorstand der Aiblinger Feuerwehr, blieb bis 31. Dezember 1902 im Amt.

Magere Weltkriegsjahre

Von 1. Januar 1903 bis 31. Dezember 1916 war dann der Schlossermeister Friedrich Schönberger Bürgermeister des Marktes. Die letzten Jahre seiner Amtszeit fielen in die Zeit des Ersten Weltkrieges und waren bereits durch Mängel in der Versorgung der Bevölkerung gekennzeichnet.

Auch bei ihm sind Nachfahren mit der Kommunalverwaltung verbunden. Enkel Hans Schönberger war von 1953 bis 1981 Kämmerer der Stadt. Letzter Bürgermeister der alten Ordnung war der am 1. Januar 1917 ins Amt berufene Apotheker Hanns Ruf. Nachfahre Christian Schönberger wird nun ab 1. Mai im neuen Kolbermoorer Stadtrat vertreten sein.

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Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie 1918 kam es zu einem Intermezzo. Es gab ein Nebeneinander alter Verwaltungsstrukturen und revolutionärer Kräfte. 1919 wurde die alte Magistratsverfassung abgelöst durch das Gesetz über die Verfassung der Gemeinden, Bezirke und Kreise Die kommunale Selbstverwaltung übernahm ein 16 Personen umfassender ehrenamtlicher Gemeinderat, in allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlen gewählt. Erstmals hatten auch Frauen Stimmrecht.

Im Dritten Reich wurden Bürgermeister ernannt

Dem ebenfalls ehrenamtlich tätigen Bürgermeister kam nur die Funktion des Vorsitzenden zu. Er sollte auch direkt gewählt werden, diese Direktwahl gab man ab 1924 in manchen Bereichen wieder auf. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung zum 1. April 1935 endete im ganzen Deutschen Reich die demokratisch strukturierte kommunale Selbstverwaltung, die gesamte Gemeindeverwaltung oblag dem ernannten Bürgermeister, der Gemeinderat hatte nur mehr beratende Funktion.

Wechselhafte Zeiten: 1918 bis 1919

Auch in Bad Aibling bildete sich im November 1918 ein Volks- und Soldatenrat, dem auch Bürgermeister Hanns Ruf angehörte. Abgelöst wurde dieses Gremium im Februar 1919 durch einen Arbeiterrat, Magistrat und Gemeindekollegium verblieben in der alten Besetzung. Kurzzeitig amtierte ein Rechtsanwalt Georg Eller als revolutionärer Bürgermeister. Am 28. Mai 1919 wurde nochmals ein Arbeiterrat gewählt, dem jedoch keine Bedeutung mehr zukam. Am 13. Juni 1919 fand die letzte Sitzung von Magistrat und Gemeindekollegium statt.

Bei den ersten allgemeinen Wahlen am 15. Juni 1919 wurde Ruf, einziger Kandidat, im Amt als Erster Bürgermeister bestätigt, er blieb bis 1929 Bürgermeister des Marktes. Bei den Gemeindewahlen am 8. Dezember 1929 fiel Ruf durch, man rechnete ihm Verluste beim Betrieb des Ludwigsbades und beim Umbau des Elektrizitätswerkes negativ an (Bericht folgt).

Dieser Beitrag ist der erste einer zweiteiligen Serie, die Altbürgermeister Dr. Werner Keitz, ein ausgewiesener Kenner der Aiblinger Geschichte, unter Verwendungen von Materialien des Stadthistorikers Dr. Gottfried Mayr verfasst hat. Die Serie erscheint im Nachgang zur Kommunalwahl.

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