Hinter der Spüle

Schlange lebt seit Monaten in Wohnung einer Bad Aiblingerin und lässt sich nicht fangen

Wenn selbst der Schlangenexperte der Feuerwehr ratlos ist: Andreas Paukert empfiehlt hier gerade Angelika Güngerich, die ohnehin schon ausgeräumte Einbauküche abmontieren zu lassen, um an das Versteck der Schlange zu kommen. Lagler/Paukert
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Wenn selbst der Schlangenexperte der Feuerwehr ratlos ist: Andreas Paukert empfiehlt hier gerade Angelika Güngerich, die ohnehin schon ausgeräumte Einbauküche abmontieren zu lassen, um an das Versteck der Schlange zu kommen.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Auf diese Mitbewohnerin würde Angelika Güngerich aus Bad Aibling liebend gern verzichten. Doch egal, was sie unternimmt, sie wird seit Herbst eine Schlange im Haus einfach nicht los.

Bad Aibling – Bereits seit dem Herbst lebt die 75-Jährige unfreiwillig in einer Wohngemeinschaft mit einer Schlange. Und die denkt nicht daran, ihr warmes Domizil in diesem kalten Winter zu verlassen. Selbst Andreas Paukert, als Schlangenexperte der Feuerwehren im Landkreis hinzugezogen, ist ratlos: „So lange habe ich noch nie nach einer Schlange gesucht.“

Wer da im September heimlich bei ihr eingezogen war, wusste Angelika Güngerich zunächst nicht einmal. „Nachts hörte ich es im Schlafzimmer plötzlich rascheln und dachte, das werden doch keine Mäuse sein.“

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Mitbewohnerin lebt hinter der Spüle

Bis sie eines Tages auf der Lehne der Eckbank eine etwa einen Meter lange Schlange entdeckte. „Sie ließ sich auf den Boden fallen und war urplötzlich verschwunden.“ Fortan waren die Geräusche sporadisch aus der Küche zu hören, vornehmlich wenn die Seniorin abends im Wohnzimmer vor dem Fernseher saß.

„Die Schlafzimmertür halte ich seitdem strikt geschlossen. Da kommt sie mir nicht mehr hinein“, ist sie fest entschlossen.“ Allerdings scheint sich die ungeliebte Wohngenossin schon an sie gewöhnt zu haben. „Jetzt höre ich sie immer wieder, wenn ich in der Küche zugange bin. Die Geräusche kommen aus dem Schrank unter der Spüle.“

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„Klar, weil es da warm ist“, sagt Paukert. Der Kolbermoorer ist Güngerichs letzte Hoffnung: „Ich habe mich schon an so viele Stellen gewendet, doch niemand konnte mir wirklich einen Rat geben.“ Ein Helfer habe ihr einen Plastikkasten mit einem toten kleinen Fisch und etwas Wasser gebracht. Über einen Trichter im Deckel sollte die Schlange hineinkriechen. „Völlig unbrauchbar“, sagt Paukert. „Der Trichter ist viel zu klein und mit einem toten Fisch lockt man keine Schlange.“

Empört ist er auch von Tipps, Rattenfallen aufzustellen: „Eine unglaubliche Tierquälerei. Wenn sich die Schlange darin verfängt, geht sie elendig zugrunde. Ebenso beim Benutzen eines Bretts mit doppelseitigen Klebeband.“ Eine Suche mit Hund? „Dazu bräuchte ich erst mal eine andere Ringelnatter, damit er Witterung aufnehmen kann.“

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Pro Jahr fängt der Feuerwehrler circa 100 Schlangen in Gärten, Schuppen und Wohnungen – meist schnell und effizient. Doch nach Bad Aibling ist er nun schon mehr als zehnmal gefahren, in die freigeräumten Hohlräume gekrochen, bis nur noch die Füße zu sehen waren. Ein Handwerker montierte schließlich die Einbauküche komplett ab. Ernüchterung: Es verblieb immer noch ein schmaler Spalt von wenigen Zentimetern. „Das reicht dem Tier. Wenn es sich bis ins hinterste Eck verkriecht, haben wir kaum eine Chance“, so Paukert.

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Anhand der Beschreibung von Güngerich und des kurzen Blicks, den er auf das flüchtende Reptil im Küchenunterschrank werfen konnte, ist sich Paukert sehr sicher, dass es sich um eine Ringelnatter handelt, die eigentlich jetzt draußen in einem Versteck den Winter verschlafen sollte. „Ein halbes Jahr kann sie es schon aushalten ohne Futter wie Frösche, Kaulquappen, Fische, Schnecken oder Mäuse. Aber wir wissen ja nicht, wie lange sie tatsächlich schon in der Wohnung ist.“

Davon hänge auch ab, ob sie bis zum Frühjahr überlebt und eventuell wieder den Weg über die Terrassentür nach draußen findet. Fatal, wenn nicht: Nur anhand des Verwesungsgeruchs könne man dann ihr Versteck ausmachen. Dabei ist Angelika Güngerich in Sachen Gestank zur Genüge bedient. „Ich glaube, sie hat hinterm Kühlschrank mal einen elektrischen Schlag bekommen. Gestunken hat das, das kann man sich nicht vorstellen.“ Paukert hat das bislang zweimal erlebt: „Wenn sie große Angst haben, dann bieseln sie.“ Und das, bestätigt er, „riecht unerträglich“.

„Andere hätten längst die Nerven verloren“

Um zu helfen, legt er sich mächtig ins Zeug. „Mir tut die Frau leid, das ist alles kein Spaß für sie. Andere hätten da längst die Nerven verloren.“ Andererseits möchte der Tierfreund, der mit Schlangen zu Anschauungszwecken auch ein gern gesehener Gast in Kindergärten ist, das Tier unbedingt lebend fangen.

Dazu hat er eine selbstgebaute Falle mit Wippverschluss aufgestellt, mit drei Pfund Mehl Bahnen gelegt und nun sogar eine Wildtierkamera installiert – in der Hoffnung, dem Tier bei seinen nächtlichen Touren durch die Küche auf die Spur zu kommen. Und doch schaffte sie es unbemerkt, eine für sie aufgestellte Schüssel mit Milch zu leeren. Das sichert ihr möglicherweise das Überleben, bis wärmere Temperaturen sie wieder nach draußen locken.

Dass sie solange wohl oder übel mit ihrer Untermieterin aushalten muss, damit hat sich Angelika Güngerich mittlerweile abgefunden.

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