Aiblinger Jugendzentrum: Es war ein schwerer Start - BRK als neuer Träger mit offenen Worten

Nach dem langen Lockdown: Das Jugendzentrum an der Westendstraße öffnet am kommenden Samstag wieder.
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Nach dem langen Lockdown: Das Jugendzentrum an der Westendstraße öffnet am kommenden Samstag wieder.

„Es war ein schwerer Start.“ Mit ehrlichen Worten schilderte Amelie Guggenberger dem Sozialausschuss die Anfänge des BRK-Kreisverbandes Rosenheim als neuer Träger des Jugendzentrums an der Westendstraße.

Bad Aibling – Guggenberger ist beim BRK Teamleiterin Kinder, Jugend und Familie und seit Anfang des Jahres zuständig für die Bad Aiblinger Einrichtung.

Eines der Probleme trägt natürlich den Namen Corona. Nach wenigen Wochen Betrieb – im Schnitt mit 15 bis 20 Besuchern täglich – mussten die Türen wieder geschlossen werden. Gerade als man auf dem Weg gewesen sei, die Jugendlichen vor allem in die konzeptionelle Gestaltung intensiver einzubinden.

Vielen Emotionen begegnet

Denn man sei als neuer Träger, wie Guggenberger einräumt, auf sehr viele Emotionen gestoßen, die von der Vergangenheit her rührten. Diese war zuletzt, wie berichtet, von einem Zerwürfnis zwischen dem langjährigen Träger, demFokus-Familiennetzwerk, und der Leitung der Einrichtung geprägt gewesen. Nachdem auch nach Einschätzung des zur Beratung hinzugezogenen Kreisjugendamtes die Gräben so tief waren, dass ein Konsens kaum noch möglich schien, hatte sich der Stadtrat dazu entschlossen, den Vertrag mit Fokus zu kündigen und einen neuen Träger zu suchen.

Viele Einzelgespräche geführt

„Von daher rühren offenbar bei einigen Jugendlichen noch tiefe Verletzungen. Sie brachten Themen aus der Vergangenheit mit, die gelöst werden müssen. Wir haben viele Einzelgespräche geführt“, berichtete Guggenberger. Es habe aber auch eine Gruppe gegeben, mit der oft kein sachliches Gespräch möglich gewesen sei und die sehr persönlich gegen Mitarbeiter gegangen sei. Diese Jugendlichen kämen zwar nach wie vor, da sie sehr an der Einrichtung hingen – „aber es kommen immer die gleichen Themen, bei denen es nicht möglich ist, von den Emotionen herunter zu kommen.“

Jugendliche mehr beteiligen

Um die Jugendlichen aber genreell mehr einzubinden, habe man die digitale Beteiligungsplattform „#createyourjuz“ („gestalte dein Jugendzentrum“) ins Leben gerufen: „Es gibt rund 2100 junge Menschen in Bad Aibling. Wir wollen einen Weg für möglichst alle finden.“ Im Rahmen der Online-Plattform soll im Übrigen auch über den künftigen Namen der Einrichtung abgestimmt werden, die bislang als „Mosaik“ bekannt war.

Allerdings: Gerade als Mitte März die Plattform vorgestellt werden sollte, kam der Lockdown und es waren keine Angebote vor Ort mehr möglich. Sie wurden ersetzt durch den schnellstens eingerichteten digitalen Jugendtreff. „So konnten wir Projekte wenigstens in abgespeckter Form anbieten, etwa die ,digitalen Kleinkunsttage‘ – und parallel dazu unser ,Jump an Run‘.“ Es habe viele gute Ideen gegeben, trotz Corona an den Jugendlichen dranzubleiben. „Wir sind einfach mehr zu ihnen hingegangen, haben viele Gespräche geführt.“

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Trotz allem sei es das erklärte Ziel, wieder vor Ort präsent zu sein. Man erprobe nun ein Hygienekonzept und wolle am 8. Juli wieder öffnen – vorerst mit spezifischen Angeboten für Kleinstgruppen und weiterhin digitalem Angebot.

Ab August seien dann auch Anmeldungen von Gruppen möglich. Ob man dann auch, wie von CSU-Rat Christian Schönberger angefragt, ein Betreuungsangebot für Schüler umsetzen könne, um Eltern zu unterstützen, die während der Corona-Krise ihren Urlaub aufgebraucht hätten, hänge von dem Umfang ab, indem man dies angesichts des erforderlichen Aufwands leisten könne.

Anita Fuchs (Grüne) erkundigte sich, ob sich für den neuen Träger bereits für Bad Aibling spezifische Themen herauskristallisiert hätten. Das verneinte Guggenberger. Viele Jugendliche seien in Corona-Zeiten laut ihren Schulen jedoch „abgetaucht“, hätten auch am digitalen Unterricht nicht teilgenommen.

Für viele gebe es gerade jetzt große Fragezeichen, sie hätten Absagen von Ausbildunsgbetrieben erhalten und litten darunter, dass es momentan für sie kaum Angebote gebe.

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Auch Konflikte in Familien, die sich während des Lockdowns verschärften, dürfe man nicht unterschätzen, meinte Guggenberger auf die Frage von Irene Durukan (Grüne). Hier müsse man weiterhin genau hinschauen und habe dies auch bereits getan, indem man zu den Orten hingegangen sei, wo sich die Jugendlichen aufhalten. Viele täten sich schwer, sich zu Gesprächen anzumelden und Kontaktdaten zu hinterlassen, in Zeiten, in denen klassische offene Jugendarbeit nicht möglich sei. „Es wird einen große Herausforderung, wieder zu niedrigschwelligeren Angeboten überzugehen.“

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