70 JAHRE TREUE ZUR SEKTION

Karl Stolle: Ein Leben für den Alpenverein und die Aiblinger Hütte

Hüttenwart Karl Stolle (85) aus Bad Aibling: Für 70 Jahre Mitgliedschaft erhielt er das Edelweiß-Abzeichen des DAV.
+
Hüttenwart Karl Stolle (85) aus Bad Aibling: Für 70 Jahre Mitgliedschaft erhielt er das Edelweiß-Abzeichen des DAV.
  • vonJohann Baumann
    schließen

70 Jahre im Alpenverein engagiert: Da gibt es viel zu erzählen. Und das hat der langjährige Hüttenwart Karl Stolle (85) aus Bad Aibling getan. Gemeinsam mit den OVB-Heimatzeitungen blickt er zurück und öffnet dafür auch sein Fotoalbum.

Bad Aibling – Die Aiblinger Hütte ist das Aushängeschild der Aiblinger Alpenvereins-Sektion – und engstens damit verbunden ist Karl Stolle. Er wurde vor Kurzem mit dem Ehrenzeichen (in Form eines Edelweißes) für seine 70-jährige Vereinsmitgliedschaft ausgezeichnet. Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt der 85-jährige auf sein Alpenvereins-Leben zurück.

Blick ins Fotoalbum von Karl Stolle: Mitglieder der DAV-Sektion Bad Aibling beim Schneeräumeinsatz in den 90er-Jahren vor der Aiblinger Hütte.

Der gebürtige Aiblinger erlernte nach seiner Schulzeit in der Schreinerei seines Vaters den Beruf des Schreiners. Später erwarb er den Meistertitel und übernahm den elterlichen Handwerksbetrieb. Schon mit knapp 14 Jahren kam er mit dem Jugendwart der Aiblinger Sektion des Deutschen Alpenverein (DAV), Schorsch Göppenhammer, in Kontakt und Anfang 1951 trat er als 15-jähriger in den DAV ein. Schnell erwachte seine Liebe zu den Bergen, die ihn bis heute nicht losgelassen hat.

Winter 1992: Karl Stolle auf dem Weg zur Hütte.

Lechnerköpfl und Breitenstein als Ziele

Seine ersten Bergtouren führten ihn zum Lechnerköpfl und zum Breitenstein. „Dort musste man im östlichen Teil am sogenannten Rührkübel, einem Felsturm, einen Spalt überqueren“, erläutert er. Das Wendelsteingebiet war auch Ziel weiterer Bergwanderungen. Alsbald erweiterte sich sein alpiner Aktionsradius ins Kaisergebirge, mit dem Fahrrad fuhr er dazu nach Ellmau. „Die Wochenenden waren in den 50er Jahren kurz, damals wurde noch bis Samstagmittag gearbeitet“ berichtet er.

Der Original-Mitgliedsausweis von Karl Stolle aus dem Jahr 1951.

Vom „Zehnerlhäusl“ auf die Hütte“

Hauptziel war freilich die am Schweinsberg zwischen Wendelstein und Breitenstein 1938 erbaute und auf 1311 Meter gelegene Aiblinger Hütte, das Sektionshaus. „Wir fuhren seinerzeit nach Feilnbach mit dem Radl, das wir in der Radleinstelle eingestellt haben. Weil die Einstellgebühr zehn Pfennig gekostet hat, haben wir die Einstelle ,Zehnerlhäuserl‘ genannt“, erinnert er sich.

Aktuelle Nachrichten und Artikel rund um das Thema Coronavirus in der Region finden Sie auf unserer OVB-Themenseite

1959 übernahm die Sektion die Bewirtschaftung der zu dieser Zeit fremd verpachteten Hütte wieder in Eigenregie. Um Karl Leuprecht als Initiator formierte sich ein zehnköpfiges Team von Hüttenwarten. Mit dabei waren Karl Stolle und auch seine Frau Marianne, mit der er 1960 den Bund fürs Leben schloss. Aus der Ehe gingen vier Kinder, acht Enkel und drei Urenkel hervor. 52 Jahre lang übten Karl und Marianne im Wechsel mit den Kollegen ihre ehrenamtliche Hüttenwart-Funktion aus. Hierzu ist anzumerken, dass die heutzutage nur von April bis November geöffnete Hütte 25 Jahre lang ganzjährig an den Wochenenden offen war.

Seite an Seite haben sie als Hüttenwarte viel erlebt: Karl Stolle und seine Frau Marianne.

Siebeneinhalb Stunden bis zur Aiblinger Hütte

„Der Weg auf die Hütte war im Winter oft mühsam, einmal haben wir von Feilnbach aus durch den tiefen Schnee siebeneinhalb Stunden hinauf gebraucht“, weiß er zu berichten.

Neben seiner Hüttenwart-Tätigkeit war er auch an vielen gemeinschaftlichen Arbeitseinsätzen aktiv beteiligt. So gab es mehrfach Um- und Anbauten, unter anderem wurde das Trockenklo durch ein Wasserklosett ersetzt, Duschen und ein Waschraum wurden installiert, ein Balkon gebaut und ein Wasserreservoir errichtet.

Mit den Kindern Bernhard und Ingrid 1971.

Brennholztransport via Menschenkette

Legendär waren auch die Brennholz-Beschaffungsaktionen für die Hütte. Auf Anweisung des zuständigen Försters wurden unterhalb der Hütte Bäume gefällt, in Stücke geschnitten, gespalten und gelagert und dann durch eine Menschenkette zur Hütte hinauf „durchgereicht“.

„Die Aiblinger Hütte ist dem Karl sein Herzblut“, betont der langjährige Sektionsvorsitzende Werner Weinbacher gegenüber unserer Zeitung. Das „Hüttenwart-Gen“ von Karl Stolle setzt sich in seiner Familie weiter fort, denn Tochter Ingrid engagiert sich mit ihrem Mann Markus inzwischen auch in dieser Funktion.

Das könnte Sie auch interessieren: 80 Jahre beim DAV Bad Aibling: Der Dengler Wast und seine Berge

Neben seinem Hütten-Engagement unternahm Karl Stolle, der in jungen Jahren seiner Heimatstadt auch Eishockey spielte und als Feuerwehrmann diente, mit seiner Frau auch Sektions-Bergtouren im benachbarten Ausland. So bestieg er unter anderem in der Schweiz den Piz Buin („mein erster Dreitausender“) und den Corvatsch sowie den Rosengarten in den Dolomiten“ („mein Lieblingsgipfel“). Und beim Bericht über ihre Bergwanderwoche auf der Insel La Gomera glänzen die Augen von Karl und Marianne.

Der schönste Berg ist für Karl gleichwohl der Wendelstein: „Dort den Sonnenuntergang zu erleben ist was ganz besonderes.“ So hoch hinauf geht er inzwischen altersbedingt nicht mehr, aber Wanderungen am Breitenstein, zur Schuhbräualm oder nach Schweinsteig und Schwarzlack macht er noch heute – oftmals begleitet von seinen Enkeln.

Kommentare