Bad Aibling: Weiterer Taxi-Bedarf für Rollstuhlfahrer?

Mit dem Taxi von A nach B: für Menschen, die ihren Rollstuhl für die Fahrt nicht verlassen können, kein ganz einfaches Unterfangen. Hier will der Inklusionsreferent der Stadt künftig genau hinschauen.
+
Mit dem Taxi von A nach B: für Menschen, die ihren Rollstuhl für die Fahrt nicht verlassen können, kein ganz einfaches Unterfangen. Hier will der Inklusionsreferent der Stadt künftig genau hinschauen.

Besteht in der Kurstadt neben dem Angebot des Senioren- und Behindertentaxis auch noch der Bedarf an einem weiteren Taxi für Rollstuhlfahrer, vor allem für jene, die ihren Rollstuhl für einen Transport nicht verlassen können, also nicht umsetzbar sind? Das soll in den kommenden Wochen und Monaten geprüft werden.

von Eva Lagler

Bad Aibling – Den Antrag auf die Einführung eines solchen Angebots hatte der Inklusionsreferent Florian Weber (Bayernpartei) gestellt. Es sei sehr wichtig, dass auch diese Personengruppe an allen Angeboten des gesellschaftlichen Lebens teilhaben kann. In der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses meinte Bürgermeister Stephan Schlier (CSU), dass diesbezüglich bislang noch keine schriftlichen Anfragen bei der Stadt eingegangen seien und man so keinen Bedarf erkennen könne.

Inklusionsreferent: Es gab Anfragen

Das bestehende Senioren- und Behindertentaxi, für das im Haushalt pro Jahr 70 000 Euro eingestellt sind, werde sehr gut angenommen. Spezielle Krankenfahrten wiederum übernähmen ohnehin die Krankenkassen. Weber hingegen berichtete von mündlichen Anfragen.

Seinen Informationen zufolge stehe in den Vereinbarungen mit dem Unternehmen, das dasSenioren- und Behindertentaxi betreibt, dass Rollstuhlfahrer mitgenommen werden, wenn sie umsetzbar sind. „Aber das scheint dem Vernehmen nach eher nur als Good-Will-Aktion zu geschehen, deshalb sollten wir festsetzen, dass sie mitgenommen werden müssen“, so Weber. Dies solle bei der Vertragsverlängerung mit dem Taxiunternehmen geschehen, meinte Schlier.

Eine Vertreterin des Unternehmens erklärte, ihr sei kein Fall bekannt, in dem ein Rollstuhlfahrer nicht befördert worden sei. Aus versicherungstechnischen Gründen müssten die Fahrgäste aber umsetzbar sein.

Modelversuch auch thematisiert

Für nicht umsetzbare Rollstuhlfahrer forderte Weber ebenfalls eine Beförderungsmöglichkeit. „Wenn kein Bedarf da ist, will ich es nicht erzwingen. Aber wir sollten uns schon Gedanken darüber machen und eventuell einen Modellversuch starten.“ Der Bürgermeister zeigte sich überzeugt, dass Rollstuhlfahrer, die hier einen Bedarf hätten, auf die Stadt zukommen würden.

Der Senioren- und Behindertenbeauftragte Dieter Bräunlich (ÜWG) bezeichnete ein derartiges Angebot als grundsätzlich sinnvoll, meinte aber: „Das Senioren- und Behindertentaxi läuft jetzt das siebte oder achte Jahr, und es ist noch keine Bitte dieser Art an mich herangetragen worden. Die betreffende Personengruppe hat ja einen Anspruch, zu Therapien oder ins Krankenhaus gefahren zu werden“, meinte er. Der ÜWG-Rat räumte aber ein, dass es eine Lücke im Freizeitbereich gebe, wenn es um die Teilnahme am sozialen Leben außerhalb des Gesundheitsbereichs gehe, etwa um Besuche bei Freunden, Lokalen oder Konzerten oder Ähnlichem.

Personenkreis und Bedarf gilt es, herauszufinden

Für Bräunlich ging es darum, herauszufinden, welcher Personenkreis in Bad Aibling diesen Bedarf habe und dann erst einmal einen befristeten Versuch zu starten. „Schließlich geht es auch um viel Geld, man benötigt ein spezielles Auto, speziell ausgebildete Fahrer.“ Um das „Erfolgsmodell Senioren- und Behindertentaxi“ nicht zu gefährden, plädierte er dafür, den Versuch von diesem abzukoppeln und mit einem anderen Unternehmen durchzuführen.

Den Vorschlag von Anita Fuchs (Grüne), hier ein interkommunales Angebot zu schaffen, schloss Schlier aus: „So etwas muss immer ein privater Anbieter machen. Das ist trotz allem günstiger, als wenn es derStaatmacht.“ Letztlich verblieb der Ausschuss einstimmig so, dass vorerst kein zweites Taxi eingesetzt wird. In der Novembersitzung soll aber über etwaige Rückmeldungen bezüglich Fahrten mit rollstuhlfahrergeeigneten Seniorentaxi berichtet werden.

So kann das Senioren- und Behindertentaxi genutzt werden

Das seit einigen Jahren im Einsatz befindliche Senioren- und Behindertentaxi können Bürger der Stadt Bad Aibling ab 70 Jahre sowie Schwerbehinderte (gegen Vorlage des Ausweises) mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50 von Hundert, mit Merkzeichen aG (außergewöhnlich gehbehindert), H (hilflos) oder B (blind) nutzen. Sie erhalten den Berechtigungsschein im Sozialamt Rathaus. Bei Fragen können sich die Bürger an die Stadtverwaltung unter Telefon 0 80 61/ 4 90 14 45 oder -446 wenden.

Anmeldung mit einem Tag Vorlauf

Bei der Taxizentrale muss der Fahrtwunsch spätestens einen Tag vorher unter Telefon 0 80 61/16 60 angemeldet werden. Auch sollte mitgeteilt werden, ob eine Hilfe beim Ein- und Aussteigen benötigt wird. Es können nur umsetzbare Rollstühle befördert werden. Die Fahrgäste müssen ihren Personalausweis, Schwerbehinderte zusätzlich ihren Behindertenausweis mitführen. Je Fahrt ist jeweils einer der Abschnitte des Berechtigungsscheines mitzuführen, beim Taxifahrer vorzulegen und bei Erreichen des jeweiligen Ziels zu unterschreiben. Start- und Zieladresse müssen vor Fahrtantritt in den entsprechenden Feldern eingetragen werden. Der Betrag von vier Euro je Fahrt und Fahrgast sollte nach Möglichkeit passend bereitgehalten werden, um Wartezeiten zu verhindern.

Kommentare