Bad Aibling: Die Stadt und das Moor - eine Schau!

Nur noch Schautafeln und das brachliegende Gelände dahinter erinnern an das „Ludwigsbad“ als erste Moorbadeanstalt. Hecht

Eine Zeitreise in fünf Stationen – von 1845 bis heute: „Moor than a feeling“-Ausstellung im Rahmen des Doppeljubiläums eröffnet

von Uwe Hecht

Bad Aibling – „Moor than a feeling“ ist der Titel der Ausstellung zum Doppeljubiläum der Stadt Bad Aibling, 1275 Jahre Moorkur und 125 Jahre Heilbad. Dass es aber schon „more than a feeling“, also mehr als ein Gefühl ist, wenn man die fünf Stationen, die im Stadtgebiet verteilt sind, bewusst erlebt, davon überzeugten sich die geladenen Gäste von Stadtrat und Aufsichtsrat der Aib-Kur beim „Premieren-Rundgang“, durch den Kurdirektor Thomas Jahn führte.

Werbeprospekte von 1926

„Es ist und war ein unfassbarer Aufwand und die Ausstellung ist deutlich mehr und größer geworden, als wir uns vorgestellt hatten“, so der Jahn und stellte klar: „Im Mittelpunkt der Ausstellung steht nicht Dr. Desiderius Beck, sondern das Moor.“ Dass Dr. Beck aber an nahezu jeder Station in Erscheinung tritt, lässt sich nicht vermeiden und war auch so gewollt, mit Ausnahme der Station im Rathaus, die dem Leben und Wirken des Arztes gewidmet ist, blieb er aber dezent im Hintergrund.

Beck war zum Werbe-Pionier, wie bei der Station im Haus des Gastes deutlich wurde, die sich dem Thema „Marketing einst und jetzt“ widmet. Er verfasste selbst Werbeschriften, in denen er die Wirkung des Moors als Heilmittel anpries. Wie sich die Werbung von damals bis zum heutigen „Marketing“ entwickelte, können die Besucher an Schautafelen und Exponaten wie einem Werbeprospekt des Kurhotels Ludwigsbad von 1926 verfolgen.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

In einer der vom Bauhof gefertigten Glasvitrine, die ebenfalls über die Ausstellung verteilt sind, ist auch ein Original-Gästebucheintrag von 1936 in der Kurklinik Harthausen, die damals von der Familie Meder betrieben wurde, zu sehen. Nur noch Schautafeln deuten am „Philosophenweg“ im Kurpark auf das einstige Glanzstück der Badebetriebe „Ludwigsbad“ hin.

Gäste trinken aus Ludwigsquelle

Auf dem nun brachliegenden Gelände florierte bis Anfang 1980 der Kurbetrieb mit dem Moor. Eine große Parkanlage, die sich hinter dem Gebäude bis zur Grenze des Kurparks erstreckte und in dessen Wandelhalle sogar aus der „Ludwigsquelle“ getrunken wurde, waren neben dem Kurhotel-Gebäude prägend für Bad Aiblings erste „Moorschlamm- und Sohlen-Badeanstalt“.

Wie Moor heute aufbereitet und verwendet wird, erleben die Besucher auf Schautafeln an Ort und Stelle in der Klinik Wendelstein an der Kolbermoorer Straße.

Lesen Sie auch: 175 Jahre Moorbad – 125 Jahre Heilbad: So ausgelassen feiert Bad Aibling zum Jubiläumsauftakt

Josef Niehues, kaufmännischer Direktor der BfA-Klinik, stellte das in den 60er-Jahren erbaute Haus vor. Als eines der letzten drei Betriebe in Bad Aibling, die noch Moorbäder verabreichen – weitere sind die LVA-Klinik Unterfranken sowie das Kurmittelhaus Egger – sah sich die Klinik auch den Folgen der Gesundheitsreform ausgesetzt. „Die heilende Wirkung des Moors ist unbestritten, die Anwendung jedoch sehr kostenintensiv“, so Niehues. Er gewährte den „Premieren-Gästen“ auch einen Einblick in die Praxis, von der Anlieferung über die Aufbereitung bis hin zum Einlassen des Moors in die Edelstahlwannen.

Das könnte Sie auch interessieren: Naturmoor Bad Aibling

Mit wie viel Herzblut Lisa Prem und Irene Holzapfel von der Aib-Kur die Ausstellung gestaltet haben, wurde an der Station im ehemaligen Lichtspielhaus in der Kirchzeile sichtbar. Teile einer Moorlandschaft haben sie in den Raum „gezaubert“, Gerätschaften, wie „Grabscheid“ und „Moormessser“ sind ebenso zu sehen wie die Lore vor dem Haus, in der das Moor mittels Förderband, auf welches das Rohmaterial per Handschaufel kam, durch die Filzen transportiert wurde. Heute geschieht das durch Kettenbagger und LKW.

Dass Dr. Beck zwar ein ausgezeichneter Arzt, aber auch ein durchaus schwieriger Zeitgenosse war, können die Besucher in der Ausstellungs-Station im Rathaus erfahren. Davon, und dass seine Künste nicht zum Reichtum führten, zeugen zahlreiche Schriftstücke. Beck führte unter anderem Schriftverkehr mit dem königlichen Magistrat, darin forderte er mehrmals seine Versetzung. Deutlich wird auch: ohne den Visionär Desiderius Beck wäre Aibling nie zum ältesten Moor-Heilbad in Bayern geworden.

Kommentare