Bad Aibling: Spannende Wahlkämpfe schon anno dazumal

Josef Riedl war von 1974 bis 1986 Bürgermeister von Bad Aibling. Baumann

Der Wahlkrimi um das Bürgermeisteramt vom 29. März liegt erst wenige Wochen zurück. Doch ein Blick in die Historie zeigt: Auch in früheren Jahrzehnten kam es schon zu hochspannenden Entscheidungen.

Bad Aibling – Den Wechsel im Bürgermeisteramt zum 1. Mai nehmen wir zum Anlass, einmal auf die Historie und die Bürgermeister von Bad Aibling zurückzublicken – angefangen vom ersten Mann in diesem Amt, dem Lebzelter Honorat Siertl (wir berichteten), im Jahr 1812, bis zu Stephan Schlier, der die Mangfallstadt ab dem 1. Mai für die nächsten sechs Jahre führt.

Der zweite Teil unseres Rückblicks beginnt am 12. Dezember 1929. An diesem Tag entschied der Marktgemeinderat, das Amt des Bürgermeisters hauptamtlich zu besetzen. Es gingen nach Stellenausschreibung 66 Bewerbungen ein, darunter 17 Juristen und 39 Verwaltungsbeamte.

Dr. Joseph Noll kam aus Regensburg

Die Entscheidung fiel in der Sitzung vom 12. Februar 1930. Mit 11:5 Stimmen entschied sich das Gremium für den Berufsvormund Dr. Joseph Noll aus Regensburg. Mit Noll hatte Aibling seinen ersten rechtskundigen und berufsmäßigen Bürgermeister. Über Noll ist 1931 von einem Dr. Scholtz im Rundfunk nahezu euphorisch berichtet worden (siehe unten).

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Stadterhebung im Jahr 1933

In seine Amtszeit fiel die Stadterhebung im Jahr 1933. Er konnte sich seines Amtes allerdings nicht lange erfreuen, geriet mit einer starken Fraktion der Nationalsozialisten in Streit und wurde am 8. Oktober 1936 vom Bezirksamt „im Benehmen mit dem Beauftragten der NSDAP“ seines Dienstes vorläufig enthoben. Endgültig wurde Dr. Noll dann nach einem juristischen Tauziehen am 30. September 1937 durch Reichsstatthalter von Epp in den Ruhestand versetzt.

Ihm folgte 1. Januar 1938 August Bastianelli, Sparkassenoberinspektor, Ortsgruppenleiter der NSDAP und Obersturmführer der SA, nach, der das Amt bereits seit Nolls Dienstenthebung vorläufig geführt hatte. Er amtierte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges.

Mehr über die Geschichte der Stadt findet man auf der Seite des Historischen Vereins für Bad Aibling und Umgebung

In der Zeit der amerikanischen Besatzung gab es eine Reihe von Kurzzeitbürgermeistern, zunächst berufen von der Besatzungsmacht. Es waren dies vom 2. Mai 1945 bis 31. Juli 1945 der Baumeister Martin Gärtner (Freiheitliche Aktion Bayern), später Landtagsabgeordneter der Bayernpartei, vom 1. August 1945 bis 31. August 1945 der parteilose Dolmetscher Karl Heinz Ossenbach, vom 1. September 1945 an der Staatsbank-Inspektor Josef Spachtholz (CSU).

Von der Militärregierung verhaftet

Nach den ersten Gemeindewahlen vom 27. Januar 1946 wird Spachtholz vom ersten Nachkriegsstadtrat im Amt bestätigt. Er wird im Mai 1946 auf Anordnung der Militärregierung verhaftet und verliert das Amt.

Für die Zeit vom 29. September 1946 bis 19. Dezember 1946 wird der Schulleiter Georg Bichler (SPD) vom Stadtrat gewählt, auch er scheidet unrühmlich aus dem Amt. Der Stadtrat wählt nunmehr den Hotelier Wunibald Sedlmeier (CSU), der vom 20. Dezember 1946 bis 9. März 1947 kommissarisch im Amt ist. Er wird bei den ersten freien Wahlen durch die Bürgerschaft im Amt bestätigt und übte es ehrenamtlich bis 30. April 1952 aus.

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Die Bürgermeisterwahl des Jahres 1952 endet mit einer Überraschung. Der Verwaltungsangestellte Josef Matheis (CSU) tritt gegen Sedlmeier (CSU) für eine eigens gegründete Unabhängig-soziale Gemeinschaft Bad Aibling an und gewinnt mit deutlicher Mehrheit. Er ist vom 1. Mai 1952 bis 30. April 1956 im Amt. Er tat sich allerdings schwer mit dem Stadtrat und gab 1956 auf.

Nach einem wiederum spannenden Wahlkampf wird der Raupenführer Max Falter (SPD) vom 1. Mai 1956 bis 4. Juni 1968 zunächst ehren- und dann hauptamtlich Erster Bürgermeister.

Tragisches Ende einer Amtszeit

Seine Amtszeit endete tragisch. Er verstarb beim Volksfest. Nachfolger wurde mit einem hauchdünnen Vorsprung von nur 50 Stimmen vor Josef Riedl (CSU) sein Neffe, der städtische Amtsinspektor Hans Falter (SPD). Er war vom 28. August 1968 bis 30. August 1974 im Amt. In seine Zeit fiel die Landkreisgebietsreform, Ellmosen kam nach Bad Aibling. Aus der Familie Falter kam auch Max Falter junior, Stadtrat, Kreisrat und Landtagsabgeordneter der SPD.

Beim zweiten Mal siegte Josef Riedl

Bei den Bürgermeisterwahlen 1974 traten Hans Falter und Josef Riedl wieder gegeneinander an. Diesmal siegte der Kreiskämmerer Josef Riedl und blieb bis 30. August 1986 im Amt. In dieser Zeit kamen Mietraching und Willing zur Stadt. Vom 1. September 1986 bis 30. April 2002 war der Amtsrichter Dr. Werner Keitz (SPD) Bürgermeister der Stadt. Er war der zweite rechtskundige Amtsträger. Mit dem Bau der Südumgehung konnte ein seit Jahrzehnten geplantes Projekt verwirklicht werden.

Sein langjähriger Stellvertreter, der Steuerberater Felix Schwaller, amtiert nunmehr seit 1. Mai 2002. In seiner Zeit wurde die Therme gebaut. Für ihn hieß es vergangene Woche, Abschied aus dem Amt zu nehmen, das er dann immerhin 18 Jahre innehatte. Mit Stephan Schlier (CSU) wird nunmehr in schwieriger Zeit „a neis Kapitel“ aufgeschlagen in der Geschichte der Bürgermeister unserer Stadt.

In unserem ersten Teil zur Historie ist es zu einer fehlerhaften Ortsangabe und Zuordnung gekommen, die nicht aus der Feder des Verfassers Dr. Werner Keitz stammt. Christian Schönberger, Nachkomme von Bürgermeister Friedrich Schönberger (Amtszeit 1903 bis 1916) und dessen Enkel Kämmerer Hans Schönberger, wird natürlich nicht in den Kolbermoorer, sondern in den Bad Aiblinger Stadtrat einziehen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Ein „vortrefflicher und rühriger junger Mann“

So euphorisch berichtete im Jahr 1931 ein Dr. Scholz im Rundfunk einst über ersten rechtskundigen und berufsmäßigen Bürgermeister von Aibling, Dr. Joseph Noll: „Ich lernte auch den Bürgermeister kennen und habe von ihm viel über die Verwaltung und die kleinen und grossen verborgenen Kämpfe, die eine Bürgerschaft von 5000 Seelen zu bestehen hat, gehört. Der vortreffliche und rührige junge Mann wirkt wie einst ein kleiner Regent in allen Lebenskreisen seiner Mitbürger mit. Aibling hat Selbstverwaltungsrecht.

„Sein Platz ist wahrlich keine Idylle“

Er ist ….alles in allem der Träger des Geistes, in dem die Stadt sich heute entfaltet. Er erzählte von der Anlage der Wege, die nach allen schönen Plätzen der Gegend geführt sind und von der Erneuerung der Bauten, bei der ganz besonders auf die Malereien Bedacht genommen wird, mit denen von alters her die Häuser geziert worden sind. Er lässt auch ein Gebäude für die alten Funde und historischen Merkwürdigkeiten herrichten, um den jungen Menschen das Gefühl für die Vergangenheit ihrer Heimat zu erhalten. Es ist ein starker gebildeter Sinn und ein Stilgefühl in dem, was der Mann unternimmt.

Als wir durch den Park gingen … war ein knabenhafter Stolz in seinen Augen, als er auf die Schwäne wies, die den See im Park bewohnen …Dabei ist der Bürgermeister kein beschaulicher Mann und sein Platz ist wahrlich keine Idylle. Er kämpft mit kleinen und grossen Gewalten um das Wohl seiner Gemeinde. Und schrittweise erreicht er etwas…“

Ein Beitrag von Altbürgermeister Dr. Werner Keitz unter Verwendungen von Materialien des Stadthistorikers Dr. Gottfried Mayr zur Kommunalwahl

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