Bad Aibling sagt „Servus Mr. Stadtwerke“ – Fritz Walter Keilhauer geht in Ruhestand

Die letzte Akte ist abgelegt: Ab dem 1. Juli ist Fritz Walter Keilhauer – über drei Jahrzehnte Leiter der Stadtwerke Bad Aibling – offiziell im Ruhestand.
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Die letzte Akte ist abgelegt: Ab dem 1. Juli ist Fritz Walter Keilhauer – über drei Jahrzehnte Leiter der Stadtwerke Bad Aibling – offiziell im Ruhestand.

Er war der Vater von AIB-mini/-medi/-maxi, der Chef der Therme und stand mit unternehmerischem Geschick, Weitblick und Kreativität 30 Jahre an der Spitze der Stadtwerke Bad Aibling. Am 1. Juli geht‘s für Fritz Walter Keilhauer als Ruheständler wieder „heem“ in die Pfalz.

Von Eva Lagler

Bad Aibling – Er hat wahrlich eine Ära in der Stadt Bad Aibling geprägt. Nach über 30 Jahren geht Stadtwerkeleiter Fritz Walter Keilhauer nun in den Ruhestand – und „wieder heem in die Pfalz“. Doch nicht, ohne mit den OVB-Heimatzeitungen auf die zurückliegenden drei Jahrzehnte in der Kurstadt zu blicken, die ihm und seiner Frau zur zweiten Heimat geworden ist.

Von den Anfängen im Herbst 1989, als die Stadtwerke noch im Obergeschoss des alten Rathauses untergebracht waren und alles „ziemlich beamtenmäßig lief“, führte Keilhauer das Unternehmen, das heute neben der Freizeitanlage an der Lindenstraße beheimatet ist, in eine moderne Zukunft.

Harte Nüsse und Erfolgsgeschichten

Der Weg war von Meilensteinen geprägt, unter denen der Bau der Therme beileibe nicht der einzige war. Ein wichtiger Punkt war 1997/98 die Gründung der Gas-Wärme-GmbH Bad Aibling (GWBA), „denn auch diese Sparten gehören meiner Meinung nach neben dem Strom in die Hände der Stadt“.

Zahl der Anschlüsse stark angestiegen

Bis zu diesem Zeitpunkt war die Energie Südbayern GmbH (ESB) alleinige Betreiberin des hiesigen Gasnetzes, heute ist sie zu 50 Prozent an der GWBA beteiligt. Und die macht zu Keilhauers Stolz von Anfang an Gewinn. Die Zahl der Hausanschlüsse hat sich seither von 700 auf 1700 entwickelt.

Eine der „härtesten Nüsse“ in seiner Amtszeit war für Keilhauer die Liberalisierung des Strommarktes ab den 90er-Jahren. Hier galt es vor allem, gegenüber dem Anbieter Yello – Slogan: „gelb – gut – günstig“– zu bestehen. „Damals haben wir uns sozusagen über Nacht ein neues Preissystem einfallen lassen“, erinnert sich der Stadtwerke-Chef zurück. Das war die Geburtsstunde der Tarife „AIB-mini/-medi/maxi“. „Das hat sich bis heute bewährt. Unsere Kunden wissen, wir sind keine Billigheimer, sondern ein solider Anbieter.“

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Auch sonst zeichneten Keilhauer in vielen Dingen seine Kreativität und sein oft etwas anderer Blick auf die Dinge aus, wie ihm bei seiner Verabschiedung im Aiblinger Rathaus seine Wegbegleiter – unter anderem der langjährige frühere Bürgermeister Felix Schwaller, sein Stellvertreter und Nachfolger Stefan Barber und Stadtbaumeister Andreas Krämer – bescheinigten.

Gemeinsam haben sie das Projekt „Therme Bad Aibling“ gestemmt, für das 2001 die Aib-Therm GmbH gegründet wurde. Als man im Zuge der Bohrungen nach Thermalwasser 2002 in 2300 Metern Tiefe fündig wurde, stand schnell fest, dass eine Therme neben der Moorkur das zweite Standbein für Bad Aibling werden sollte. Es folgte der Architektenwettbewerb, bei dem Keilhauer eigentlich einen anderen Entwurf als den schließlich verwirklichten favorisiert hätte, wie er einräumt.

Was haben „Spaceballs 2“ mit Bad Aibling zu tun?

„Die Optik mit den Kuppeln war anfangs nicht so mein Fall. Ich dachte, die Architekten waren draußen auf dem US-Gelände und haben sich an den dortigen Antennenkuppeln orientiert. ,Spaceballs 2‘, kam mir da in den Sinn“, so Keilhauer. „Doch je weiter ich dann eingestiegen bin, umso mehr habe ich die Schönheit und den Sinn dahinter gesehen“, ist er heute stolz auf die preisgekrönte Anlage. Architekt Robert Hösle (Behnisch Architekten) überreichte ihm gestern ein Modell der Therme aus dem 3-D-Drucker.

Erfolgsgeschichte mit 300 000 Besuchern pro Jahr

30 Millionen Euro kostete der Thermenbau einschließlich Parkdeck. Kredite in Höhe von 22 Millionen Euro mussten aufgenommen werden. Doch seit der Inbetriebnahme im September 2007 schreibt die Therme eine Erfolgsgeschichte mit im Schnitt 300 000 Besuchern pro Jahr. Dass ihm nun Lockdown in Folge der Corona-Pandemie diese Bilanz verhagelt, ist für ihn kein schönes Abschiedsgeschenk – doch „es waren 30 ansonsten gute Jahre, in denen ich mit insgesamt drei Bürgermeistern und einem wirklich hervorragenden Team zusammengearbeitet habe. Ohne diese Truppe um Robert Karl, Stefan Barber und Ingrid Pöllner wäre das alles nicht möglich gewesen“.

Wirtschaftlich immer unabhängig

Besonders geschätzt habe er die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Stadtwerke und den Umstand, politisch in der Arbeit nie eingeschränkt worden zu sein. So konnten unter anderem die Eislaufhalle saniert, der Horizontalbrunnen zur Trinkwassergewinnung Niklasreuth errichtet und die uralten Trinkwasserversorgungsleitungen erneuert werden.

Überhaupt das Trinkwasser – das liegt Keilhauer sehr am Herzen: „Ich hoffe, dass die Wasserversorgung nie liberalisiert wird. Hier ist die Politik gefragt, dieses Pfund nicht aus der Hand zu geben.“ Zugleich war der Streit um die Trinkwasserschutzgebiete in der Willinger Au und in Niklasreuth der – geprägt von vielen Widerständen und immer neuen Forderungen – der längste Kampf in seiner Amtszeit. Ein Thema, das seinen Nachfolger Stefan Barber und auch den neuen Bürgermeister Stephan Schlier weiter beschäftigen wird.

Für immer ein Pfälzer Patriot

Keilhauer hingegen nimmt nun seinen Umzug in Angriff: Es geht zurück nach Landstuhl. „Ich bin halt ein Pfälzer Patriot“, lacht er. „Meine Truppe bei den Stadtwerken werde ich schon ein bisschen vermissen, und die Therme werde ich mir öfter mal über die Webcam angucken“, meint der exzellente Weinkenner.

Ab an die Uni und ins Flugzeugcockpit

Daneben hält ihn die sechsjährige Hundedame Minou – auch „Madame 1000 Volt“ genannt – auf Trab. Neben Reisen nach Frankreich und in die Niederlande liebäugelt der 67-Jährige mit einem Seniorenstudium in Geschichte und Philosophie sowie mit dem Segelflugschein. Dass er und seien Frau aber auch mit dem Wohnmobil wieder einmal in Bad Aibling vorbeischauen, das hat er seinen hiesigen Weggefährten bereits versprochen.

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