Bad Aibling: Radschnellweg ja, aber nicht durch den Kurpark

Diese vier Trassenvarianten für einen Radschnellweg sieht die Machbarkeitsstudie im Bereich von Bad Aibling vor. Doch die Streckenführung durch den Kurpark (grün) kommt für die Stadt nicht in Frage. PGV-Alrutz GbR.

Durch sechs Kommunen soll er gehen, der Radschnellweg, den die Arbeitsgemeinschaft Stadt- und Umlandbereich Rosenheim (SUR) plant. Bad Aibling ist mit von der Partie, allerdings unter einer Bedingung: Der Kurpark muss unangetastet bleiben.

Bad Aibling – Die Bürgermeister der Arbeitsgemeinschaft SUR haben sich im Juni einstimmig für die Umsetzung der Idee eines Radschnellweges ausgesprochen: Allein auf der Ost-West-Verbindung Stephanskirchen – Rosenheim Kolbermoor – Bad Aibling werden 2000 Fahrradbewegungen pro Tag verzeichnet. In der weiteren Verbindung von Bad Aibling über Bruckmühl nach Feldkirchen-Westerham sieht die SUR ebenfalls Potential für das Projekt.

Alle sechs Kommunen müssen mitmachen

Eine Untersuchung verschiedener Varianten für die Trassenführung hat zwischenzeitlich ergeben, dass der Bau eines Radschnellweges von Stephanskirchen bis Feldkirchen-Westerham technisch auch machbar ist. Der Bau und eine entsprechend Förderung dieser Verkehrsverbindung sind allerdings nur dann möglich, wenn alle sechs SUR-Kommunen dem Vorhaben zustimmen. Dies hat der Aiblinger Stadtrat nun getan – allerdings erst nach eingehender Diskussion.

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Bereits eingangs hatte Bürgermeister Felix Schwaller eingeräumt, dass die Gesamtkosten von 25 Millionen Euro „erschreckend hoch“ seien. Allerdings gebe es auch einen „enormen Förderanteil“ seitens des Freistaates Bayern, sodass der Anteil für die Stadt Bad Aibling letzten Endes bei rund 851.000 Euro läge.

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Zunächst würden nun einmal alle der vorliegenden Varianten untersucht. „Der Weg würde wohl am ehesten an bestehenden Straßen gebaut und nicht beispielsweise entlang der Mangfall, allein schon wegen der Versiegelung“, meinte Schwaller. Doch gerade diese Variante sollte auch untersucht werden, beantragte Stephan Schlier für die CSU-Fraktion: „Wir halten sie für sehr sinnvoll.“ Ganz im Gegensatz zu Heidi Benda (GOL): „Ich bin absolut gegen die Verlegung an die Mangfall.

Dort sind sehr viele Fußgänger unterwegs und es gibt jetzt schon ein gewisses Spannungsverhältnis zwischen ihnen und den Radfahrern. Der Mangfalldamm ist ein Naherholungsgebiet in der Natur und die denkbar ungünstigste Stelle für einen Radschnellweg.“ Schwaller merkte zwar an, dass der Weg dann auf der weniger frequentierten Südseite verlaufen würde, sah aber die Versiegelung durch den Teer kritisch.

„Eine Trasse durch die Stadt ist nicht möglich“

„Dann muss man eben einen wasserdurchlässigen Belag nehmen“, hielt Markus Stigloher (CSU) dagegen. In seinen Augen ist der Radschnellweg nur entlang der Mangfall oder entlang der Bahn möglich: „Durch die Stadt geht es nicht.“

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Rosemarie Matheis (ÜWG) hielt es zwar für richtig, den Radverkehr auf diesen Schnellweg zu bringen, sprach aber von einer „grundsätzlichen Skepsis“, die sie bezüglich der Trassen hege: Auf keinen Fall dürfe der Weg durch den Kurpark führen. „Das wird er auch nicht“, versicherte Schwaller.

Irritiert über „Vorzugsvariante“

Dieter Bräunlich (ÜWG) äußerte sein Unverständnis darüber, dass bei den vier für Bad Aibling genannten Trassen ausgerechnet die durch den Kurpark als „Vorzugsvariante“ bezeichnet wird. Letztlich befürwortete der Stadtrat einstimmig die Planungen zum Bau eines Radschnellweges, betonte aber, dass der Kurpark dafür nicht zur Verfügung stehe.

Die SUR und der Radschnellweg

Die SUR ist ein Zusammenschluss von 13 Kommunen, die sich zum Ziel gesetzt haben, eine langfristige, nachhaltige und zielorientierte Entwicklung der Region rund um die Stadt Rosenheim zu koordinieren. Die Mitglieder sind: die Städte Bad Aibling, Kolbermoor und Rosenheim, die Marktgemeinden Bruckmühl und Neubeuern sowie die Gemeinden Bad Feilnbach, Brannenburg, Feldkirchen-Westerham, Großkarolinenfeld, Raubling, Rohrdorf, Schechen und Stephanskirchen – vertreten durch ihre Bürgermeister.

Mit der Etablierung von Radschnellwegen will die SUR den Radverkehr zwischen den Kommunen fördern und ihn zugleich sicherer machen.

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Unter anderem erhofft man sich dadurch auch die Verlagerung vom Autoverkehr auf das Rad in einem Entfernungsbereich bis etwa 20 Kilometern. Damit soll zudem ein Beitrag zum Erreichen der Klimaziele geleistet werden. Eine einheitliche Definition für Radschnellwege gibt es in Deutschland zwar nicht, doch handelt es sich dabei in der Regel um vom Auto- und Fußgängerverkehr baulich getrennte und breit angelegte Radwege. Die Strecken sind asphaltiert, möglichst gerade und ohne Kreuzungen konzipiert und ermöglichen hohe Fahrgeschwindigkeiten. Generell sollen Radschnellwege das Fahrrad als Verkehrsmittel für Pendler attraktiver machen.

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