Bad Aibling: Prügelnder Ehemann muss hinter Gitter

Keine Einsicht und keine Reue vor Gericht zeigte ein 32-jähriger Mann, der seine Ehefrau wiederholt schwer misshandelt hatte. Für seine Taten muss er nun für ein Jahr und sechs Monate ins Gefängnis.

Von Theo Auer

Bad Aibling – Seit acht Jahren ist der 32-jährige Monteur aus Homs in Syrien verheiratet und hat mit seiner Ehefrau vier Kinder. 2015 sind die beiden nach Deutschland gekommen. Zwar hat der Mann inzwischen eine Reihe von Lehrgängen besucht, aber seine deutschen Sprachkenntnisse sind nach wie vor sehr gering, weshalb er noch immer keine Arbeit hat.

Geständnis vor Gericht

Nachdem sein Verteidiger ihm mit Hilfe der Dolmetscherin deutlich gemacht hatte, dass ihn in seiner Situation nur ein umfassendes Geständnis vor dem Gefängnis bewahren würde, war dieser einverstanden, dass Rechtsanwalt Hans Sachse in einer Verteidigererklärung namens seines Mandanten ein solches Geständnis erklärte.

Ehemann muss Gerichtssaal während ihrer Aussage verlassen

Nicht nur der Vorsitzende Richter des Schöffengerichts Rosenheim, Christian Merkel, war bass erstaunt, dass der Angeklagte anschließend erklärte, er habe sich lediglich gegen die Angriffe seiner Frau zur Wehr gesetzt. Er liebe seine Frau und seine Kinder. Irgendjemand habe sie gegen ihn aufgehetzt, sonst hätte es nie eine Anzeige gegen ihn gegeben.

Sie spricht von seinem Alkoholkonsum

Damit seine Frau als Zeugin unbefangen aussagen könne, so argumentierte ihr Anwalt Dominik Brunkow als Nebenklage-Vertreter, sei es notwendig, den Angeklagten solange aus dem Gerichtssaal zu entfernen. Das Gericht entsprach dem Antrag. Vor zwei Jahren – so berichtete die Frau – begann der Ehemann Alkohol zu trinken und Haschisch zu rauchen. Vielfach habe sie ihn darum gebeten dies zu lassen, zumal das die ohnehin arg schmale Haushaltskasse zusätzlich belastete.

ER bedroht sie mit dem Tod

„Als er eines Tages nach Hause kam und die von mir mühsam besorgten Lebensmittel für seine Trinkkumpane mitnehmen wollte, stellte ich mich dagegen. Schließlich hatte ich unsere vier Kinder zu ernähren. Da schlug er mich bewusstlos. Im Krankenhaus stellte sich heraus, dass ich zwei Rippen gebrochen hatte.“ Weiter berichtete sie: „Dort bedrohte er mich, ich müsse sagen, dass ich die Treppe hinunter gestürzt sei. Sonst würde er mich umbringen.“+++

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Weit mehr aber bedrückte die 28-Jährige, dass er ihre persönliche Ehre verletzt habe, indem er in ihrer Familie hier und in Syrien verbreitet habe, sie sei untreu, was im arabischen Kulturkreis einen unglaublichen Ehrverlust darstelle. Bei allen Beleidigungen, Bedrohungen und Schlägen war dies ihre größte Sorge.

Kontaktverbot ignoriert

Entgegen einem gerichtlichen Kontaktverbot drang der Angeklagte in der Folge durch Außen- und Kellerfenster immer wieder in die Wohnung ein und wurde dort von der Polizei wieder entfernt oder floh vorher. Der Mann unterstellte seiner Ehefrau per Whatsapp, sie würde einen männlichen Besucher bei sich haben, worauf sie ihm – um das Gegenteil zu beweisen –, trotz Abstandsgebots wieder erlaubte, die Wohnung zu betreten.

Professor Michael Soyka erklärte als forensisch psychiatrischer Gutachter, dass es sich bei dem Angeklagten um einen Mann ohne echte Drogen- oder Alkoholabhängigkeit handle. Es sei dies im Wesentlichen ein Eifersuchts- und Beziehungsproblem. Keinesfalls könne man bei ihm eine teilweise oder gar völlige Schuldunfähigkeit erkennen.

Gutachter sieht Schuldfähigkeit

Auch sei eine Drogentherapie als Maßregelvollzug nicht angemessen. Allenfalls eine Paarbeziehungs- oder Gewalttherapie sei hier angemessen – aber wegen der Sprachprobleme wohl aussichtslos.

Staatsanwalt Dr. Oliver Mößner erklärte, bei dem Angeklagten sei jedwede Hilfestellung wohl aussichtslos. Eine solche setze eine Einsicht in ein eigenes Fehlverhalten voraus. Dies sei bei dem Angeklagten jedoch nicht zu erkennen. Er beantragte eine Haftstrafe von zwei Jahren, die man nicht zur Bewährung aussetzen könne.

Der Vertreter der Nebenklage stimmte den Ausführungen der Staatsanwaltschaft uneingeschränkt zu. „Wenn dieser Mann hier mit einer Bewährungsstrafe frei nach Hause geht, so wird sich das Martyrium der Frau unvermittelt fortsetzen.“

Das sagt der Angeklagte in seinem Schlusswort

Der Verteidiger gab zu bedenken, dass man das Annäherungsverbot, auf ein Jahr ausgeweitet, problemlos als Bewährungsauflage weiter verhängen könne. Die Ehefrau würde den Mann – wie sie vor Gericht erklärte – bei einer Verhaltensänderung – wieder bei sich aufnehmen.

Der Verteidiger stellte keinen eigenen Strafantrag, empfahl aber unter dieser Prämisse eine Bewährungsstrafe. Der Angeklagte erklärte in seinem Schlusswort, wie sehr er es bedauere, dem Gericht und dem deutschen Staat, dessen Gast er sei, Unannehmlichkeiten bereitet zu haben.

Einlenken nicht erkennbar

Richter Merkel wies den Angeklagten in seiner Urteilsbegründung als erstes auf sein „größtes Defizit“ hin: „In ihrem Schlusswort haben Sie selbst es verhindert, dass dieses Gericht ihnen eine Bewährungszeit zugestehen konnte. Sie haben sich bei mir, beim Staat und bei Gott und der Welt entschuldigt. Aber dort wo es wahrlich nötig gewesen wäre und ein Einlenken ihrerseits erkennbar gewesen wäre, dort haben sie es nicht getan. Bei ihrer Frau haben sie sich nicht entschuldigt.“

Der Richter verurteilte den Mann letztlich zu einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten.

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