Pflegeheim für Demenzkranke ja, aber die Hangkante in Bad Aibling muss unangetastet bleiben

Mit dieser Ansicht erläutern die Planerdes Bauherrn Aviam Monte Baldo GmbH die Lage der geplanten Pflegeeinrichtung für Demenzkranke. Aviam Monte Baldo GmbH
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Mit dieser Ansicht erläutern die Planerdes Bauherrn Aviam Monte Baldo GmbH die Lage der geplanten Pflegeeinrichtung für Demenzkranke. Aviam Monte Baldo GmbH
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Dringend benötigt wird es, das neue Pflegeheim für Demenzkranke an der Ghersburgstraße. Doch darf durch den Bau nicht die markante Hangkante oberhalb der Stadt beeinträchtigt werden. Hier soll nach Willen des Bauausschusses der Planer noch einmal nachbessern.

Bad Aibling – Es war den Mitgliedern des Bauausschusses auch in der jüngsten Sitzung wieder deutlich anzumerken, dass zwei Herzen in ihrer Brust schlagen: Bad Aibling benötigt das neben dem Haus Novalis geplante Pflegeheim zur stationären Betreuung von Demenzkranken dringend. Doch rückt es in Augen der Kommunalpolitiker nach wie vor zu nah an die markante Hangkante heran, die die Stadt mit allen Mitteln schützen will. Deswegen muss, so der Bauausschuss, versucht werden, das Gebäude davon abzurücken.

Phantomgerüst in Corona-Zeiten

Ein Phantomgerüst war zu Zeiten der strengen Corona-Ausgangsbeschränkungen aufgestellt gewesen, so dass zwar eine gemeinsame Besichtigung nicht möglich war, sich jeder aber für sich ein Bild davon machen konnte, wie hoch das Gebäude, das über dem östlichen Ortseingangsbereich thront, werden würde. „Allerdings stand es etwas ungünstig, sodass es höher aussah, als es faktisch ist“, meinte Hubert Krabichler vom städtischen Bauamt.

Bedarf wird immer größer

Er erläuterte, dass das Haus zunächst drei- oder viergeschossig geplant gewesen sei. Um dem immer größer werdenden Bedarf jedoch zumindest vorerst auf einen Schlag zu decken, sind nun fünf Geschosse geplant. „Ansonsten müsste wohl in kürzester Zeit ein neues Gebäude errichtet werden.“

Eine Lanze für die Hangkante brach Anita Fuchs (Grüne): „Diese war uns schon immer heilig. Der Bereich dort sollte grün und unbeschädigt bleiben.“ Für das Bauvorhaben müssten in großem Umfang Bäume fallen, zudem würde sehr viel Beton und Stahlbeton verwendet. Fuchs sah auch die Sicherheit des Hangs sowie der darunterliegenden Bebauung gefährdet.

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Der Planer hielt dagegen: „Es wird kein Baum gefällt. Außerdem steht das Gebäude dort auf dem Plateau, etwa zwei bis drei Meter von der Hangkante abgerückt.“ Doch auch Martina Thalmayr (Grüne) forderte ein weiteres Wegrücken von der Kante. Sie sei erschrocken gewesen von der Sichtbarkeit des Gerüsts: „Das ist das erste Projekt, seitdem ich Stadträtin bin, bei dem ich wirklich ein Problem mit der Höhe habe.“ Sie erinnerte daran, dass das Gebiet von der Milchhäuslstraße bis zum Novalishaus an der Ghersburgstraße sozusagen als „Kurpark II“ gedacht sei.

„Entstezt über diese Empfehlung“

„Entsetzt, dass die Verwaltung uns so etwas an dieser Stelle empfiehlt“, zeigte sich Thomas Höllmüller (CSU). Die Höhe des Gebäudes könne er dort nicht mittragen, auch wenn ein Projekt wie dieses für die Gesundheitsstadt Bad Aibling grundsätzlich wichtig sei.

Johann Schweiger (CSU) hatte hingegen betonte: „Wir müssen platzsparend bauen. Ich habe kein Problem mit der Höhe, die Bäume dort sind höher als das Gebäude.“ Aber: „Bei der Bebauung an der Hangkante werde ich nicht mitgehen. Unterhalb ist schließlich alles bebaut. Entweder man bemüht sich, auf der Nordseite noch vier bis fünf Meter dazuzukaufen oder man muss das Gebäude an der fraglichen Ecke brechen.“

Der Planer erklärte, man könne zu Lasten der Außenanlagen noch nach Norden und Osten rücken. Um das zu bewerkstelligen, sollte man den Planern noch Zeit geben und deshalb den Beschluss noch zurückstellen, meinte Höllmüller.

Bei Stellplätzplatznachweis noch nachlegen

„Ich will den Eindruck vermeiden, mich gegen eine Einrichtung zu sträuben, die wir dringend brauchen“, betonte Richard Lechner (SPD). „Aber Sie haben hier eine sehr sensible Stelle erwischt. Sie verweisen beim Stellplatznachweis auf das Novalishaus. Das sehe ich als sehr zweifelhaft, da dort die Stellplätze ohnehin schon knapp sind.“ Vor diesem Hintergrund bat Lechner den Bauherrn, den eigenen Stellplatzbedarf anzumelden.

Klare Absage in Sachen Möschlweiher

Zu der vom Ausschuss zuletzt geforderten Reaktivierung des Möschlweihers zum oberirdischen Regenwasserrückhalt teilte Krabichler mit, dass das Wasserwirtschaftsamt dies vor allem bei Starkregenereignissen kritisch sehe und aufeiner unterirdischen Leitung bestehe. Gelöst sei hingegen die Frage der Feuerwehrzufahrt, teilte Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) mit: Bauträger und Grundeigentümer hätten sich auf einen entsprechenden Grunderwerb verständigt, um die erforderliche Breite herstellen zu können.

Letztlich reichte der Bauausschuss das Vorhaben mit 11:0 Stimmen an den Stadtrat weiter, ohne diesem eine Empfehlung für einen Beschluss zu geben.

Bestehende Abteilung überfüllt

Die Abteilung für Demenzkranke in der bestehenden Abteilung im Seniorenheim Novalis an der Ghersburgstraße ist nach dessen Angaben bereits überfüllt. Nun ist angedacht, diese Abteilung in das neu zu errichtende Pflegeheim auszulagern. Dieses soll Platz für 44 bis 48 Betten bieten. Die frei werdenden Räume im bestehenden Gebäude sollen für Bedienstete umgebaut werden. Durch die Nähe zum Haupthaus entstehen dadurch Synergieeffekte. Beispielsweise ist angedacht, von der Küche des Haupthauses auch das Pflegeheim zu versorgen.

Lesen Sie auch: Pflegeplätze für Demenzkranke: Bad Aibling bekommt neue Einrichtung in Ghersburgstraße

Informationen des Bayerischen Staatsministeriums für Pflege und Gesundheit

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