In Bad Aibling: Pärchen läuft über Gleise: Notbremsung wegen Leichtsinnigkeit

Die Schranke war geschlossen, der Zug nahte heran. Um ihn noch zu erwischen, lief ein junges Paar über die Gleise. Das hatte Konsequenzen – die beiden landeten vor Gericht. dpa

Für einen Schreckensmoment sorgte ein Pärchen, das in Bad Aibling bei geschlossener Schranke über die Gleise lief und für eine Notbremsung eines Zuges sorgte. Das Verfahren gegen die beiden wurde zwar jetzt eingestellt. Das Gericht erlegte ihnen jedoch eine Hausaufgabe auf.

Von Theo Auer

Bad Aibling – Ein Pärchen hatte es Ende Januar eilig, am Abend von Bad Aibling mit der Bahn nach Rosenheim zu kommen, man war ohnehin zu spät dran. Die Schranke am Bahnübergang Rosenheimer Straße war bereits geschlossen und die beiden nahmen den Zug, der in die Haltestelle Kurpark einfuhr, wahr. Um ihn noch zu erreichen, liefen sie an den geschlossenen Schranken vorbei über die Geleise.

Fahrgäste durchgeschüttelt und erschreckt

Der Zugführer stellte bei der Einfahrt zur Haltestelle Personen auf den Geleisen fest und leitete eine sofortige Notbremsung ein. Die Fahrgäste wurden entsprechend durchgeschüttelt und erschreckt. Als die Leichtsinnigen dann an der Haltestelle einsteigen wollten, hatte der Lokführer bereits die Polizei verständigt, welche die zwei fest- und einvernahm.

„Gefährdung war gar nicht so groß“

Wegen „gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr“ stand das befreundete Pärchen nun vor dem Jugendgericht unter dem Vorsitz von Richterin Verena Köstner. Gleich zu Beginn erklärten die Verteidiger der beiden Angeklagten, die Rechtsanwälte Harald Baumgärtl und Dr. Markus Frank, dass ihre Mandanten ihr Fehlverhalten zwar selbstverständlich einräumten und diese Gedankenlosigkeit im Nachhinein sehr bedauerten, dass aber andererseits die Gefährdung nicht sehr groß gewesen sein konnte.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Die Geschwindigkeit von 80 bis 90 Kilometer pro Stunde, wie von dem Lokführer angegeben, könne aus rein rechnerischen und technischen Gründen nicht möglich sein. Immerhin habe die Éntfernung von der Haltestation bis zum Bahnübergang kaum 60 Meter betragen. Darüber hinaus sei der Zug an die Haltestation „Kurpark“ ohnehin zum Anhalten herangefahren. Eine solche Geschwindigkeit sei unter diesen Umständen für den Zug unmöglich gewesen.

Ernsthafte Reue an den Tag gelegt

Dessen ungeachtet erklärten die jungen Leute, beide Abiturienten, die derzeit auf ihre Prüfungen warten, sich ihres Fehlers wohl bewusst zu sein und diesen ernsthaft zu bereuen. Da es sich bei ihnen ansonsten um unbescholtene Heranwachsende (beide 19 Jahre) handelte, stellte die Richterin mit Einverständnis der Staatsanwaltschaft das Verfahren ein. Allerdings nicht, ohne den beiden eine Hausaufgabe mitzugeben. Die zwei müssen je einen dreiseitigen Aufsatz über den Sinn von und Umgang mit den Gefahren-Zeichen des Straßenverkehrs anfertigen. Eine zusätzliche Aufgabe zur Reifeprüfung.

Kommentare