Bad Aibling: Kultkneipe „Savanne“ schließt - Anne Eisner sagt servus!

Sie war eine Institution in Bad Aibling: die Savanne von Anne Eisner. Doch nach dem Motto „In der Ruhe liegt die Kraft“ steht die Gesundheit für Michael Heine und Anne Eisner nun an erster Stelle. Die Kultkneipe schließt nach 25 Jahren.
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Sie war eine Institution in Bad Aibling: die Savanne von Anne Eisner. Doch nach dem Motto „In der Ruhe liegt die Kraft“ steht die Gesundheit für Michael Heine und Anne Eisner nun an erster Stelle. Die Kultkneipe schließt nach 25 Jahren.
  • vonThorsten Neuwirth
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Wirtin Anne Eisner hört nach 25 Jahren auf – Ein Stück Stadtgeschichte endet damit. Mit uns blickt sie zurück, während sie die Tür für immer hinter sich zuzieht. 

Bad Aibling – „Es is jetzt, wias is und es is guad so, es war einfach schee“, bei diesen Worten schwingt bei Anne Eisner (60) eine große Portion Wehmut mit. Danach drückt sie alle Lichtschalter, geht vor die Tür und dreht zum letzten Mal den Schlüssel im Türschloss ihres Pils-Pubs „Savanne“ um. Draußen wartet Michael Heine (51) auf sie, nimmt sie in den Arm und mit einem „jetzt wern ma zerscht amoi gsund, und dann schau ma amoi, was kimmt“ gehen sie ihre Zukunft an.

Stammgästen geht das Aus an die Nieren

Auch den Stammgästen geht das Ende der „Wirts-Karriere“ an die Nieren. Ein Post in den Sozialen Netzwerken von Steffi Baumann bringt die Gefühlslage der Fangemeinschaft auf den Punkt: „Ihr ward meine Jugend, mein liebster Nebenjob und der beste Rahmen für die Abschlussfeier von meinem Buam, es war einfach nur schee, vielen Dank für die unvergessliche Zeit.“

Genau 25 Jahre, elf Monate und acht Tage war Anne Eisner als Wirtin eine Institution in Bad Aibling. Von Beginn stand, bis auf eine kleine Auszeit, Michael Heine als starker Mann an ihrer Seite. Seit zwei Jahren ist sie mit „Häma-Man“, so sein Spitzname, verheiratet. Ihre beiden Pils-Pubs „Piccolo“ in der Münchner Straße 10 und der „Savanne“ in der Münchner Straße 6 waren fast 30 Jahre der „ultimative Treffpunkt“ für die junge Generation. „Der Mix aus einer coolen Location, mit familiärem Flair in ungezwungener Atmosphäre und guter Musik war vielleicht unser entscheidendes Erfolgsgeheimnis.“

Letzter Halt vor dem Schlafengehen

Für viele wurden die beiden kleinen, aber feinen Lokale zum zweiten Wohnzimmer. Hier fühlte man sich wohl, ja sogar heimisch. Freundschaften wurden geschlossen, die manchmal bis in den „Hafen der Ehe“ führten. Wie innig und vertrauensvoll das Verhältnis zwischen der Wirtin mit dem „umwerfenden Lächeln“ und ihre Gäste war, beweist auch der Umstand, dass Eisner das ein oder andere Liebespaar in „offizieller Mission“ bis zum Standesamt begleitete.

Auch wussten die Eltern ihre Mädels und Burschen bei ihr in besten Händen. Der gute und vor allem enge „Draht zu den Jugendlichen und Eltern“ war auch dafür ausschlaggebend, dass viele Schulabschlussfeiern nach dem offiziellen Teil in der Savanne „ihr gefeiertes Finale fanden“, und zwar mit Eltern und Lehrern im Schlepptau. Sportvereine zählten zu den Stammgästen. Wenn „Not am Mann“ war, wurde schon einmal ein Gast von Anne Eisner und ihrem Team nach Hause gefahren.

Wenn dann doch mal die Stimmung zu turbulent und die Musik zu heftig wurde, gab es ein probates Mittel. Musik aus, Licht an und ein kräftiger Pfiff mit der Schiedsrichterpfeife. Dann noch die klare Ansage, „wenn jetz ned a Ruah is, sperr i zoa, und die Sache war erledigt“.

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An Ideenreichtum mangelte es ihr nicht. So wurde zu Fußball-Highlights das Pils-Pub samt Tresen fast komplett mit Rollrasen ausgelegt. Legendär waren neben den „Piccolo-Partys“ auf dem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen ihrer Eltern und den Weißwurstessen am Heiligabend in den Pubs auch die internen Personal-Weihnachtsfeiern im Juli. „Wir hatten in den Wintermonaten keine Zeit dafür.“ Den Grundstein zu der „Wirtinnen-Karriere“ legte die gelernte Konditorin mit ihrer Bistro-Tätigkeit ab 1991 in der damaligen Bruckmühler Diskothek „Audimax“. Dort lernet sie auch ihren Michael kennen, der für die Durchführung der Zugangskontrollen verantwortlich war.

Drei Jahre später bot sich die Gelegenheit für die Selbstständigkeit. Für das Pils-Pub/Bistro „Pils Alm“ in Bad Aibling wurde eine Pächterin gesucht. „Da habe ich nicht lange überlegt und den Sprung ins kalte Wasser gewagt, durchaus mit einer gehörigen Portion Bauchkribbeln.“ Nachdem am 22. August 1994 um 17.45 Uhr der letzte Bauschutt aus dem Bistro geräumt war, wurde um Punkt 18 Uhr die Pub-Tür an der Münchner Straße 10 geöffnet. „Dabei lag der Puls gefühlt bei knapp unter 200.“ Die Bedenken waren schnell beiseite: Der Andrang war derart groß, dass die Getränke von mehreren Gästen vom Tresen bis zum Besteller weiter gereicht werden mussten. „Es war der pure Wahnsinn“, freut sich die Wirtin noch heute über die „enorme Resonanz“, die auch in den Folgejahren anhielt. Damit war eine Sechs-Tage-Woche mit bis zu 80 Arbeitsstunden verbunden.

2006 folgte dann der Wechsel zur Hausnummer Münchner Straße 6. Hier suchte eine Brauerei für den „Pils-Krug“ einen neuen Betreiber. Nach der Devise, mal was Neues in einer neuen Location mit neuem Ambiente und neuem Konzept, nahm die Vollblut-Wirtin auch diese Herausforderung mit vollem Tatendrang und großem Engagement an. Dieser Ort- und Szenewechsel war von Erfolg gekrönt.

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In den letzten Jahren kam dann die zweite Generation von den Stammgästen in das zur „Savanne“ umbenannte Szene-Lokal. Mitte März folgte mit der Covid-19 Pandemie die geschäftliche Vollbremsung. Doch damit nicht genug. Am 12. Juni folgte für die Vollblut-Gastronomin der nächste harte Nackenschlag. Von einer Sekunde auf die andere wurde ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt. Nach einem schweren Verkehrsunfall, bei dem sie als Radfahrerin von einem Lkw erfasst wurde, fand sie sich mit mehreren Rippen-, Becken-, Kreuzbein- und Schlüsselbeinbrüchen im Krankenhaus wieder. „Irgendwann in der ersten Genesungszeit stellst du dir die Frage, ob das alles in deinem Leben gewesen sein soll“, blickt sie zurück. Anfang Juli fiel dann der Entschluss, das Gastronomieleben aufzugeben und sich um die eigene Gesundheit zu kümmern. „Wenn nicht jetzt, wann dann“, erklärt sie, die mit ihrem Ehemann nach etlichen schlaflosen Nächten getroffene Entscheidung, „die auch jetzt im Nachhinein noch echt weh tut“. Eines ist sicher, mit Anne Eisner und ihrem „Häma-Man“ verliert Bad Aibling ein Stück Wirtshaus-Geschichte und -Kultur.

Treffpunkt für Generationen samt bewegter Geschichte

Die Savanne war jahrzehntelang fester Bestandteil des Gastronomie-Lebens in Bad Aibling. So manch einer nutzte das Lokal an der Münchner Straße/Schmiedgasse als letzte Station für einen Absacker vor dem heimischen Bett. Insbesondere zu „Jahreszeiten“ wie Fasching und Volksfest bildete ein Besuch in der Savanne den Abschluss für „Feierwütige“. Die Geschichten und Erzählungen über die illustren Feiern haben in der Kurstadt Kultfaktor.

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Haben auch Sie besondere Erlebnisse, die Sie mit der Savanne verbinden? Dann senden Sie uns diese gerne kurz zusammengeschrieben per E-Mail an redaktion@mangfall-bote.de.

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Wobei Anne Eisner aber betont, dass stets das Credo gegolten hätte: „Was in der Savanne passiert, bleibt in der Savanne“. Dabei gab es nicht nur positive Ereignisse: 2013 und 2014 haben Wildbiesler und Co. fast zur Schließung der Savanne und umliegender Kneipen geführt. Wie berichtet, gab es viele Gesprächsrunden zum Thema Lärmbelästigung und Vandalismus mit Stadt, Polizei und den Lokalbetreibern. Letztlich konnten diese Störfelder per Verwarn- und Bußgeldkatalog, Sicherheitswacht sowie dem engagierten Einsatz der Lokalchefs gemindert werden.

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