Bad Aibling: Krisenmanagement für heimische Betriebe

Auch wenn es derzeit vielerorts menschenleer ist:„Jetzt schon die Weichen für den Neustart in den heimischen Unternehmen stellen“ lautet das aktuelle Motto bei der Aib-Kur und dem Wirtschafts-Forum Mangfalltal. dpa

Der Tag X wird kommen, an dem das öffentliche Leben „nach Corona“ langsam wieder Fahrt auf nimmt. An Hilfsmöglichkeiten für die heimischen Betriebe während und nach der Krise arbeiten die Verantwortlichen der Aib-Kur und des Wirtschafts-Forums Mangfalltal derzeit mit Hochdruck.

Von Eva Lagler

Bad Aibling– Keine Branche, kein Berufszweig, der nicht in irgendeiner Weise von Corona betroffen ist. Auch für die heimischen Gastgeber spitzt sich die Lage täglich immer mehr zu. „Wir sind für als Dienstleister für unsere Betriebe da“, sagt Kurdirektor Thomas Jahn, der mit seinem Team für die Kur- und Touristinformation die Stellung hält, auch wenn sich fast alle mittlerweile im Homeoffice befinden oder Urlaub beziehungsweise Überstunden abbauen. Kurzarbeit sei allerdings auch hier bereits beantragt.

Unzählige Fragen stehen im Raum

Was die Dienstleistung der Aib-Kur angeht, sehe man sich aktuell vor allem als Krisenmanager. „Wir versuchen, den Hotels und Gastronomen überall dort zu helfen, wo sie Hilfe brauchen“, so Jahn. Da gehe es um Fragen wie: Wann darf wer/wie stornieren? Wie gehen wir mit Kurzarbeit um? Wie sieht es mit dem Soforthilfeprogramm aus, mit Zahlungsaussätzen und Stundungen, wo gibt es welche Fördermittel und wie kann man diese beantragen?

Auf sehr große Resonanz stoße die Plattform „Bad Aibling hält zusammen“, auf der die lokalen Betriebe ihre Angebote und Informationen während der Schließung beschreiben. „Wir sind sehr positiv überrascht über die unglaubliche Kreativität der Betriebe“, so Jahn.

Lesen Sie auch: Aktion „Bad Aibling hält zusammen“: Wo gibt es was und wer liefert wohin?

Als nächsten großen Meilenstein beschreibt er nach der Verlängerung der Schließung von Hotels, Gastronomiebetriebe und Ladengeschäfte den 19. April. Bis dahin sind zunächst auch Veranstaltungen, Versammlungen sowie der Betrieb sämtlicher Einrichtungen untersagt, die nicht notwendigen Verrichtungen des täglichen Lebens, sondern der Freizeitgestaltung dienen.

Im Moment habe man auf alle Fälle noch die Hoffnung, „im Mai wieder langsam – mit Betonung auf langsam – wieder anfahren zu können“. Zunächst gelte es, die Zeit der Schließungen und Einschränkungen zu überstehen. „Doch wir führen bereits jetzt viele Gespräche, wie nach dieser Zeit der Neustart wieder gelingen kann. Und zwar sowohl für den Bereich, der mit der Stadt und der Region zu tun hat, also Dienstleister, Einzelhandel und kulturelle Veranstaltungen als auch auf dem Sektor Tourismus, Urlaub, Gesundheitsangebote.

Auch die Vorstandschaft des Wirtschafts-Forums Mangfalltal hat sich in dieser Woche per Telefonkonferenz über gangbare Wege beraten, damit „möglichst viele unserer Mitglieder von einer Unterstützung profitieren können“, wie der Vorsitzende Roland Bräger erklärt. Im Fokus stünden dabei die maximal betroffenen Betriebe, bei denen der gesamte Umsatz weggebrochen ist und die nicht wissen, ob sie nach der Lockerung der aktuellen Bestimmungen noch weiter machen können.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

„Wir befragen aktuell unsere rund 60 Mitglieder, wie schwer sie wirtschaftlich und persönlich betroffen sind. Darunter sind ja auch Betriebe, die zwischen 100 und 1000 Mitarbeiter beschäftigen“, so Bräger. Als nächsten Schritt gelte es, individuell auf die Betriebe zugeschnittene Maßnahmenpakete zu schnüren: „Wir hantieren hier ja mit den Geldern unserer Mitglieder, deswegen müssen ihnen auch alle unterstützenden Maßnahmen zugute kommen.“

Gewerbeschau für das Mangfalltal?

Verworfen habe man indes, finanzielle Unterstützung an die maximal Betroffenen zu bezahlen: „Das wäre letztlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.“ Vielmehr denke man für die Zeit nach der Krise zusammen mit BDS und Gewerbeverband an Ideen wie einer Mangfalltal-Gewerbeschau – „um der Bevölkerung im westlichen Landkreis zu zeigen, welch tolle Betriebe wir hier haben“, so Bräger.

Was die gesamte aktuelle Situation erschwere, sei der „bürokratische Wahnsinn“, den man erlebe, wenn es um Förderanträge, Überbrückungsdarlehen et cetera gehe. Hier sei die Politik gefragt, diese Prozesse zu vereinfachen.

Vollbremsung im Jubiläumsjahr

Der enge telefonische und digitale Austausch mit den Betrieben ist das eine Schwerpunktthema in der Kur- und Touristinfo in Bad Aibling. Das Thema Jubiläumsjahr 2020 das andere. „Wir sind – wie so viele – in voller Fahrt ausgebremst worden“, sagt Kurdirektor Thomas Jahn. Die Arbeitszeiten im Team habe man „dramatisch“ reduziert: „Wir waren ja im Vollgasmodus in Sachen Moorbad- und Heilbad-Jubiläum unterwegs. Dazu kommen Vorbereitungen wie für das Bayerisches Oldtimerfestival, das Bürger- und Parkfest. Da gibt es zum Teil die Verträge seit Langem. Hier sind wir in Gesprächen mit unseren Partner und Ausstellern. Wenn wir canceln, kostet uns das heute genauso Geld wie morgen. Aber darüber hinaus tun wir alles, was wir tun können, ohne in weitere vertragliche Verpflichtungen einzusteigen.“ Definitiv investiere man im Moment nicht in irgendeiner Art und Weise in Marketing- oder Werbemaßnahmen für diese Bereiche.

Lesen Sie hier unseren Liveblog zur Coronavirus-Lage

Kommentare