Bad Aibling: Grüne als klare Wahlsieger bei Stadtratswahl 2020

  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
    schließen

Sie sind der klare Sieger bei den Stadtratswahlen: Die Aiblinger Grünen verdoppelten ihre Sitze auf sechs. CSU und SPD verloren jeweils einen Sitz, die ÜWG zwei. Neu im Kommunalparlament ist die AfD. Für sie sitzt künftig Andreas Winhart im Gremium.

Bad Aibling – Für manche war es bis zum Schluss der Auszählung der Stimmen eine Zitterpartie. Am Schluss stand fest: Die CSU holt 61 980 Stimmen (2014 61 444) beziehunsgweise 33,7 Prozent (2014: 40,2) und kommt auf nur noch neun statt zehn Sitze. Neu in ihren Reihen ist der Ortsvorsitzende Dr. Thomas Geppert.

Stephan Schlier erhielt die meisten Stimmen

Die meisten Stimmen entfielen auf Stefan Schlier 5752. Würde er in zwei Wochen zum Bürgermeister gewählt werden, rückt Dr. Ralf Freiberger wieder nach.

Die Grünen ziehen mit gleich vier neuen Gesichtern ein und lösen die ÜWG als zweitstärkste Kraft ab. Irene Durukan, Sebastian Uhl, Richard Lindl und Anita Fuchs, die bis 2014 schon einmal im Gremium vertreten war, verstärken die Mannschaft um die Stadträtinnen Martina Thalmayr und Katharina Dietel. Sie holten insgesamt 45 790 (19 776) der Wählerstimmen, das sind 24,9 Prozent (12,97). Wenn Bürgermeisterkandidatin Martina Thalmayr (auf sie entfielen am Sonntag 5713 Stimmen) die Stichwahl gewinnt, kommt Gerlinde Deininger hinzu.

Lesen Sie auch: Bad Aibling: Stichwahl zwischen Schlier (CSU) und Thalmayr (Grüne) ++ das ist der Stadtrat

Mit dem Verlust von zwei Sitzen geht die ÜWG in die nächste Amtszeit. Sie war vor zwei Jahren noch auf 34276 Stimmen (22,42 Prozent) gekommen. Dieses Mal waren es 25 425 Stimmen (13,8 Prozent). Auf Bürgermeisterkandidat Rudi Gebhart entfielen 4255 Stimmen.

Die SPD muss nach dem Verlust zweier Mandate 2014 nun einen weiteren Sitz abgeben. Sie kam auf 23 209 (25 840) Stimmen, das sind 12,6 Prozent (16,9 Prozent). Mit Abstand die meisten Stimmen holte hier ebenfalls Bürgermeisterkandidatin Petra Keitz-Dimpflmeier (4028).

Für die Bayernpartei, die auf vier Prozent (3,84) und 7421 Stimmen (5867) kam, schaffte Florian Weber mit 1801 (1003) Stimmen den Wiedereinzug. Für den Bürgermeisterkandidaten Christian Hilz – er kam auf 1597 Stimmen – reichte es nicht.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Die ÖDP holte 3,3 (3,7) Prozent beziehungsweise 6153 (5652) Stimmen. Sie wird von Anna Maria Kirsch 1025 Stimmen im Stadtrat vertreten. Erstmals zieht mit Andreas Winhart ein Vertreter der AfD in den Stadtrat ein. Der Landtagsabgeordnete holte 1865 Stimmen und lag damit noch vor dem Bürgermeisterkandidaten seiner Partei, Rainer Vieregg. Dieser verpasste mit 1671 Stimmen ein Mandat im Gremium.

FDP und Linke bleiben außen vor

Die FDP (3512 Stimmen, 1,9 Prozent) und die Linke/mut (1985 Stimmen, 1,1 Prozent) schafften den Einzug in den Stadtrat nicht.

Von 14 755 Stimmberechtigten hatten 8654 Bürger, als 58,7 Prozent, ihre Wahlunterlagen abgegeben. Damit lag die Wahlbeteiligung um 7,65 Prozent höher als bei den Stadtratswahlen vor sechs Jahren. Die Wahlleitung verzeichnete 183 973 gültige Stimmen. 209 waren ungültig.

Das sagen die Grünen

„Ein tolles Ergebnis“, freute sich Martina Thalmayr von den Grünen über das Abschneiden ihrer Partei bei den Stadtratswahlen. Die Messlatte habe man auf „5 plus 1“ gelegt, sechs Sitze sind es geworden, drei mehr als bislang. „Und das steht uns gut zu Gesicht“, findet die Grünen-Politikerin. Es könnte noch ein Sitz hinzukommen – wenn sie selbst die Stichwahl in zwei Wochen gewinnt.

Kein „Weiter so“ für die Grünen

Dass ein Teil des Erfolges auf die bundespolitische Großwetterlage zurückzuführen sei, räumt sie ein, doch komme das gute Aiblinger Ergebnis auch „nicht aus dem luftleeren Raum“. „Wir haben viel getan. Viele Bürger sind unzufrieden, beispielsweise mit der Art und Weise, wie gebaut wird, wie Flächen versiegelt werden und vieles mehr. Für uns ist klar: Ein ,Weiter so‘ kann es nicht geben.“ Hier wolle man sich mit voller Kraft einsetzen, über Parteigrenzen hinweg.

Das sagt die CSU

Trotz des Verlusts eines der bisherigen zehn Mandate zeigt sich auch CSU-Ortsvorsitzender Thomas Geppert zufrieden mit dem Ergebnis seiner Partei. „Entgegen allen Trends im Lande sind wir trotzdem die stärkste Kraft. Und das angesichts dieser noch nie dagewesenen Situation mit sieben Bürgermeisterkandidaten und neun Stadtratslisten.“ Mit der Stärke der Grünen habe man in der CSU gerechnet.

Das sagt die ÜWG

Katerstimmung herrscht bei der ÜWG: „Viel mehr als mein Ergebnis bei der Bürgermeisterwahl schmerzt mich der Verlust der beiden Sitze. Das ist wirklich bitter. Vor allem auch, dass es Irmi Ranner-Sobihart nicht mehr geschafft hat, die wertvolle Arbeit nicht nur als Jugendreferentin geleistet hat“, gibt Fraktionssprecher Rudi Gebhart unumwunden zu. Es sei schwer zu sagen, woran es gelegen hat. Man habe eigentlich gehofft, ein sechstes Mandat hinzuzugewinnen.

Stimmen der SPD

Enttäuschung über den Verlust ihres vierten Mandats ist auch das vorherrschende Gefühl bei der SPD. „Der Ausgang der Wahl und das Ergebnis der SPD im Stadtrat war realistisch zu erwarten, der Verlust eines Sitzes für Sepp Glaser, stellvertretender Vorsitzender, ist ganz sicher nicht schlechter Arbeit von ihm geschuldet. Leider scheint die Stammwählerschaft verloren zu gehen und auch die kommunalpolitische Ausrichtung vor Ort nicht gezogen zu haben“, so Ortsvorsitzende Petra Keitz Dimpflmeier.

„Ich glaube, dass die Fraktion eine gute Arbeit gemacht hat“, sagt auch Fraktionssprecher Richard Lechner. „Eigentlich hatten wir auf einen Sitz mehr gehofft.“ Durch die neue Zusammensetzung im Stadtrat müsse man sich wohl in den ersten ein bis zwei Jahren auf einige Überraschungen gefasst machen.

Stimmen der AfD

Lange stand am Wahlabend nicht fest, ob die AfD mit einem oder zwei Vertretern in den Stadtrat einziehen würde. Letztlich hat es dann nur für Andreas Winhart gereicht. Und das kam für diesen, wie er bekundet, „durchaus überraschend. Ich habe schon gedacht, dass unser Bürgermeisterkandidat Rainer Vieregg es schafft. Gegen mich wurde in der Vergangenheit geradde auch hier in Bad Aibling ja doch immer recht intensiv gefeuert. Von daher hat mich mein Ergebnis sehr gefreut“.

Mit ein bis zwei Sitzen habe auch er gerechnet, sagt Vieregg. „Bei dem Arbeitsaufwand im Wahlkampf hatte ich schon gehofft, dass ich dabei bin und meine Ideen mit einbringen kann, gerade was beispielsweise das ,Haus der Vereine‘ im Bahnhof angeht. Ernüchternd war schon, zu sehen, dass Ereignisse wie in Hanau oder die Thüringer Landtagswahl abfärben, obwohl das mit unserer Arbeit hier gar nichts zu tun hat.“

Bayernpartei verbessert Ergebnis

Über sein im Vergleich zu 2014 verbessertes Ergebnis freut sich BP-Stadtrat Florian Weber. „Natürlich hätten wir gerne zwei Sitze gehabt, unser Bürgermeisterkandidat Christian Hilz, der sich gut verkauft hat, und ich. Aber unterm Strich bin ich zufrieden.“ Wie schon in der vergangenen Legislaturperiode strebe er im Stadtrat eine Ausschussgemeinschaft mit der ÖDP an, die ebenfalls mit einem Sitz vertreten ist.

ÖDP erobert sich Sitz zurück

Das kann sich auch ÖDP-Rätin Anna Maria Kirsch grundsätzlich vorstellen. Eine Ausschussgemeinschaft mit der AfD schließt sie von vornherein kategorisch aus. In der ÖDP freut man sich, wieder im Stadtrat vertreten zu sein, nachdem der frühere ÖDP-Rat Wilhelm Bothar ja während der Amtszeit die Partei verlassen hatte (wir berichteten).

Von der Liste der FDP, angeführt von deren Bürgermeisterkandidat Heinz Benninghoven, und der Linken/mut, mit Spitzenkandidat Klaus Rosellen schaffte es kein Kandidat in den Stadtrat.

Kommentare