Bad Aibling: So ist die Hochwasserlage im Mangfalltal

Hochwasser Mangfalltal
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Auf diesem Anwesen im Bad Aiblinger Ortsteil Mietraching herrschte am Dienstagmittag Land unter - die Feuerwehr sicherte die Kellerschächte und pumpte das Wasser ab.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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  • Kathrin Gerlach
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Hochwasser-Alarm heißt es stellenweise im Mangfalltal. Hier ist ein Überblick über die aktuelle Lage.

So sind die Einsatzkräfte in Alarmbereitschaft: 

Zwei Einsatzleiter Wasserrettung der Kreiswasserwacht Rosenheim, sowie zwei Vertreter der Rettungsdienst-Einsatzleiter sind im landkreisweiten Abstimmungsgremium zur aktuellen Lage tätig. Alle Schnelleinsatzgruppen der Wasserwacht sind in Alarmbereitschaft, die Wasserwacht Bad Aibling ist in der Nähe von Bad Feilnbach im Einsatz, die Wasserwacht Wasserburg rückt mit ihren Hochwasserbooten zur Bereitstellung nach Rosenheim aus. Koordinierend sind 3 Einsatzleiter Wasserrettung im Mangfalltal bzw. Inntal unterwegs. Mitglieder desBRK-Einsatzstabes führen die aktuelle Lageübersicht und koordinieren eingehende Anfragen. Parallel dazu wickeln wir nach wie vor den großen Einsatz an der Covid-Teststation A93 Kiefersfelden federführend ab.

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Jenbachtal: Kinder und Jugendliche aus Feriencamp evakuiert

Für die Kinder fühlte es sich wie ein Abenteuer an: die Evakuierung im Jenbachtal

Einsatz der Bergwacht im Jenbachtal: Zwölf Kinder im Alter von 12 bis 15 Jahren waren in Begleitung von drei Betreuern bei einem Wildniscamp. Um 3 Uhr nachts alarmierten die besorgten Betreuer die Bergwacht, da der Wasserstand bedenklich anstieg. Die richtige Entscheidung in dem Moment, so Bereitschaftsleiter Matthias Eggersberger. Etwa zwölf Bergwachtkräfte rückten aus, um die Camper über den Malerwinkelsteig zu evakuieren.

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Die Kinder wurden im Bergwachthaus in Bad Feilnbach untergebracht. "Für die Kinder war es eher ein Abenteuer, keiner hatte Angst", so Eggersberger. Um 5 Uhr gab es beim Bäcker frische Brezen für die Abenteurer. Die Betreuer sind nicht mehr erreichbar, Eggersberger versucht Kontakt zu den Eltern herzustellen.

Chaos in Adlfurt/Bad Aibling: "Hochwasser 2013 dagegen harmlos"

Besonders schlimm erwischt hat das Hochwasser am Dienstagmorgen die Bewohner vom Bad Aiblinger Ortsteil Adlfurt: „Gegen das hier war das Hochwasser von 2013 fast noch harmlos“, sagt Andrea Witt. Ihre Nachbarin Renate Pröcke kann sich nicht erinnern, dass in den vergangenen 53 Jahren jemals solche Wassermassen über die Ansiedlung im Westen der Kurstadt hereingebrochen sind. Noch rechtzeitig konnte sie Elektrogeräte im Keller und Rasenmäher im Gartenhäuschen sichern. 

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Sah es trotz andauernder Regenfälle am Montagabend noch nicht so tragisch aus, konnten die Adlfurter am frühen Dienstagmorgen direkt zusehen, wie das Wasser aus dem übergehenden Moosbach stieg – und zunächst ihre Gärten überflutete und dann in die Keller lief. Überall Schläuche, aus denen das abgepumpte Wasser auf die Straße läuft. Sandsäcke sollen das Schlimmste verhindern.

Geliefert haben sie die Feuerwehren von Bad Aibling und Mietraching. „Die waren wirklich auf Zack, sind sofort gekommen und haben geholfen“, lobt Uwe Stegmaier. Er wohnt im Wasserhäusl, in dem Strom erzeugt wird. Der Turbinenraum steht auch unter Wasser. Nur noch wenige Zentimeter fehlen, dann wäre der Wohnbereich betroffen.

„Aber es soll ja im Lauf des Tages aufhören zu regnen, dann wären wir mit einem blauen Auge davon gekommen. Und zum Glück ist es bis jetzt nur Wasser, kein Schlamm.“ Schlimmer hat es den Nachbarn erwischt, der gerade vorbei kommt. Acht Pumpen hat er im Keller, um der Fluten Herr zu werden. 

„Bei uns drückt es das Wasser bei den Steckdosen raus“, erzählt ein anderer. Etwas oberhalb steht ein Neubau. „Die Familie ist gerade erst eingezogen, jetzt steht das Wasser im Keller“, fühlen die Adlfurter mit ihren Nachbarn mit. 

Der Moosbach ist generell das Sorgenkind in Sachen Hochwasserschutz für Bad Aibling, doch so richtig voran geht dort nichts – obwohl immer wieder der Ruf nach Schutzmaßnahmen laut wird. So war ab Mittag auch die Dorfstraße in Mietraching gesperrt. Um zu ihren Häusern zu gelangen, mussten so manche Bürger ihr Auto an sichereren Orten parken. 

So auch Rosa Bräunlich. „Ich komme gerade von der Arbeit nach Hause. Das Auto musste ich vorne beim Wirt stehen lassen.“ Zuhause dann die Sorge um den Keller; ihr Mann Dieter und Kräfte der Feuerwehr versuchen, das Eindringen des Wassers zu verhindern. 

Auch die Glonn macht den Einsatzkräften im Stadtgebiet von Bad Aibling zu schaffen: „Die ist heute das größere Problem als die Mangfall“, so der stellvertretende Kommandant der Bad Aiblinger, Feuerwehr Christian Staudhammer.

Da könnte man fast neidisch werden beim Blick in den Landkreis Mühldorf am Inn. Dort sind die Bürger vom Hochwasser nahezu verschont geblieben.

Feldkirchen-Westerham: Fünf Feuerwehren im Einsatz

Eine vom Hochwasser eingeschlossene Ferienwohnung in Feldkirchen-Westerham

Die starken und ergiebigen Regenfälle haben die Aktiven der der fünf Feuerwehren im Gemeindebereich von Feldkirchen-Westerham schon am Dienstag in aller Frühe aus den Betten geholt. Überflutete Straßen mussten gesperrt, umgestürzte Bäume beseitigt und vollgelaufene Keller leergepumpt werden. 

Besonders betroffen waren die Kreisstraßen zwischen Percha und Unterlaus und weiter in Richtung Großhöherain. „Wir sind mit zehn Mann schon kurz nach 4 Uhr ausgerückt“, berichtet Kommandant Anton Kiesl: „Unser Schwerpunkt war es, die umgestürzten Bäume zu beseitigen.“ 

Auch Sven Gericke, Frontmann der Feldkirchen-Westerhamer Feuerwehr, war mit seinen Männern im Einsatz. „Zusammen mit den Ortswehren Feldolling, Höhenrain und Vagen sind wir noch immer unterwegs, um die angespannte Lage in den Griff zu bekommen“, sagt der Kommandant um 13 Uhr. Seine Einsatzkräfte haben zusätzlich noch Nachbarschaftshilfe geleistet: „Wir haben den Kirchdorfer Kollegen zum Zurückhalten des Regenwassers 800 bereits vorab gefüllte Sandsäcke gebracht“, berichtete Gericke.

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