Bad Aibling: Die Debatte hat ein Ende – das Lichtspielhaus kann kommen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten,die Dachlandschaft des Lichtspielhaus-Komplexes zu gestalten. Wie dies letztendlich und tatsächlich aussehen wird, wird erst noch entschieden. Der Stadtrat legte jedoch schon bestimmt Vorgaben für den Bebauungsplan „Kirchzeile West“ fest. Dragomir Stadtplanung GmbH
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    vonEva Lagler
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Das Gezerre um das Projekt „Lichtspielhaus“ hat ein Ende. Mit 22:2 Stimmen gab der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung das Vorhaben an der Ecke Marienplatz/Kirchzeile auf der Grundlage des zäh errungenen Kompromisses frei.

Bad Aibling – Das heißt, dass das neue Wohn- und Geschäftshaus zum Marienplatz – wie ursprünglich geplant – vier Stockwerke plus ein zurückgesetztes fünftes Staffelgeschoss erhalten wird. Der höchste Punkt – Oberkante des fünften Geschosses – ist laut Planer Eik Kammerl (Kammerl & Kollegen Architekten) 17,1 Meter.

Zur Kirchzeile hin wird das Gebäude dreigeschossig plus Dachgeschoss. Zwischen Lichtspielhaus und Sparkasse ist nur eine Überdachung, keine Bebauung, zulässig.

Bestandsbebauung möglichst erhalten

Als eines der städtebaulichen Ziele des neu aufzustellenden Bebauungsplanes „Kirchzeile West“ nannte Ariane Rösler (Dragomir Stadtplanung) den Erhalt der ortsbildprägenden Bestandsbebauung im übrigen Bereich der Kirchzeile in ihrer bestehenden städtebaulichen Kubatur.

Zentrales Wohnen und Arbeiten

Denn im Zuge dieses Bebauungsplanes schafft die Stadt auch die planungsrechtlichen Grundlagen für eine verdichtete Bebauung der rückwärtigen Grundstücksflächen am Mühlbach. Dort sollen zentrale Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden.

Flachdächer nur in Teilbereichen

Die vorgestellten Dachlandschaften im gesamten Bebauungsplangebiet sind zum Teil recht unterschiedlich. Flachdächer sind dabei nur in Teilbereichen des Lichtspielhauses und in einem rückwärtigen Bereich des Plangebietes zulässig – oder aber Glasdächer in Atriumbereichen.

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Wenn Flachdächer errichtet werden sollten, dann müssen diese zur Verbesserung des Mikroklimas und der Regenwasserrückhaltung extensiv begrünt werden. Für das Staffelgeschoss des Lichtspielhauses würde das bedeuten, dass aufgrund des dafür erforderlichen Aufbaus 40 Zentimeter mehr Höhe hinzukäme. Ein Umstand, den Richard Lechner (SPD) kritisierte. Er wollte die Maximalhöhe von 17,1 Meter nicht überschritten sehen. „Wenn man weiter runtergeht und das Dach trotzdem begrünt, dann fehlt es im Staffelgeschoss an der Raumhöhe“, erklärte Eik Kammerl.

An Gestaltungssatzung festhalten

Florian Weber (BP) beharrte auf Einhaltung der städtischen Gestaltungssatzung, laut der – „aus gutem Grund“, so Weber – keine Flachdächer zulässig sind. Ihm ist das Vorhaben trotz des zurückgesetzten fünften Staffelgeschosses am Marienplatz zu wuchtig. Zudem entspreche es nicht dem Bürgerwillen, da der Bürgerentscheid eine komplette Dreigeschossigkeit vorgesehen hatte. Für mehr Grün – nicht nur am Dach oder an den Fassaden, sondern auch am Boden – setzte sich Irmengard Ranner-Sobihart (ÜWG) ein. Das hinterste Gebäude in der Planung werde mit Grün überfrachtet, im restliche Bereich vermisse sie es. Das räumte auch Ariane Rösler ein.

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Lechner schlug hier vor, die neuen Gebäude am Mühlbach um etwa vier Meter zurückzuversetzen, um so einen Grünstreifen zu erhalten und zugleich auch die städtebauliche Qualität zu verbessern. „Damit würde das Stadtbild aufgewertet. Die Bereiche am Mühlbach sind wirklich ein Postkartenmotiv“, schloss sich Bürgermeister Felix Schwaller in seiner letzten Sitzung an. Auch Kammerl räumte ein: „Es ist zwar zum einen ein Verlust bei der Bebauung, aber zum anderen entsteht dadurch auch wiederum mehr Qualität.“

Keine Vergnügungsstätten oder Tankstellen

Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde festgelegt, dass im Bereich des Lichtspielhauses keine Wohnnutzung im Erdgeschoss zulässig sei. Vergnügungsstätten und Tankstellen sind nicht erlaubt. Terrassengeschosse im Bebauungsplangebiet müssen einen Rücksprung mindestens um das Maß ihrer Höhe haben. Nebenanlage und fensterlose Fassaden müssen begrünt werden.

Später Entscheidung über Stellplatzablöse

Offene Stellplätze und Tiefgaragen sind im gesamten Planungsgebiet zulässig, Garagen, Carports und überdachte Tiefgaragen nur innerhalb der Baugrenzen. Der Stadtrat beschloss, dass der Stellplatzbedarf grundsätzlich über Stellplatzsatzung geregelt werden muss. Im Rahmen des Bauvollzuges kann dann geprüft werden, ob gewerblich genutzte Stellplätze gegen die dafür vorgesehenen Summen abgelöst werden können.

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