Bad Aibling bekommt eine Mutmach-Tafel – und viele schreiben mit

Wie diese Tafel aus der Aktion 2013 soll auch die Mutmach-Tafel aussehen. Sie wird aus mehreren Holzmodulen geschaffen, mit Tafelfarbe überzogen und mit Schriftschablonen gestaltet. Kreide wird in regengeschützten Kästchen zur Verfügung gestellt.
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Wie diese Tafel aus der Aktion 2013 soll auch die Mutmach-Tafel aussehen. Sie wird aus mehreren Holzmodulen geschaffen, mit Tafelfarbe überzogen und mit Schriftschablonen gestaltet. Kreide wird in regengeschützten Kästchen zur Verfügung gestellt.

Überlegen Sie auch manchmal,, wo Sie im Leben gerne mutiger wären? Welche Ängste Sie überwinden möchten? Ein Kunstprojekt lädt ab 17. Juli in Bad Aibling dazu ein, sich kreativ mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Was hinter der Aktion Mutmach-Tafel steckt, erklärt Initiatorin Irene Durukan.

Von Eva Lagler

Bad Aibling – Wo wollen die Menschen in ihrem Leben generell, aber auch gerade in Zeiten wie diesen gerne mutiger sein? Welche Ängste wollen sie überwinden? Diesen Fragen geht der Aiblinger Verein „Mut & Courage“ mit einem Kunstprojekt öffentlich nach: Von Freitag, 17. Juli, bis Freitag, 25. September, wird eine 7,5 Meter breite und 2,5 Meter hohe Tafel vor der Fachklinik Alpenland an der Rosenheimer Straße 61 aufgestellt. Die Initiatoren – Projektleiter ist Karl Heinz Uhlmaier – nennen sie „Mutmach-Tafel“, denn jeder, der mitmachen möchte, kann mit bunter Kreide seine Antworten darauf niederschreiben.

Die Aktion greift eine Idee auf, die der Verein im Jahr 2013 in der Kurstadt umgesetzt hatte – ein Kunstprojekt der New Yorkerin Candy Chang, bei dem die Bürger den auf der Tafel stehenden Halbsatz „Bevor ich sterbe, möchte ich ...“ beantworten konnten.

Wir sprachen mit der Vorsitzenden des Vereins „Mut & Courage“ und Initiatorin der Bad Aiblinger Aktion, Irene Durukan.

Frau Durukan, wie entstand die Idee zu der Mutmach-Tafel-Aktion?

Irene Durukan: Die Idee dazu hatten wir schon länger. Nachdem die Aktion von 2013 so erfolgreich war, wollten wir einmal wieder etwas in der Art machen, aber diesmal eben mit einem eigenen Thema. Mit Kreide können diesmal anonym Antworten aufgeschrieben werden auf die Fragen: „Welche Ängste würde ich gerne überwinden? Wo möchte ich mutiger sein?“ Gerade in Zeiten von Covid-19 haben sich für Menschen unterschiedliche und zum Teil sehr ähnliche Fragen gestellt. Eine davon ist: „Was und wer ist wirklich wichtig, in meinem Leben?“

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Und das teilen sie nun öffentlich auf der Tafel?

Durukan: Zum einen geht es darum, einen Impuls zum Nachdenken zu setzen. Bei der Aktion 2013 haben wir von Menschen gehört, die ihre Antwort auf die Frage, was sie tun möchten bevor sie sterben niedergeschrieben haben – und sich dann plötzlich sagten: „Wieso mache ich es dann eigentlich nicht einfach?“ Und zum anderen erhoffen wir uns, dass die Menschen vor der Tafel auch miteinander ins Gespräch kommen. Denn jetzt ist die Zeit, die Menschen regional vor Ort durch Gespräche zu stärken, aufeinander zu achten und füreinander da zu sein. Jetzt ist die Zeit, um zusammenzustehen. Dankbar zu sein für Gesundheit, Familie und Freunde. Vielleicht ist ja weniger tatsächlich mehr?

Und was bedeutet Mut in diesem Zusammenhang?

Durukan: Auch in diesen Zeiten geht es darum, mutig zu sein und nach Lösungen zu suchen, vielleicht neue Wege zu gehen und bereit zu sein zu helfen oder Hilfe anzunehmen.

Also auch so etwas wie Aufbruchstimmung?

Durukan: In der Krise hat sich doch auch die Wichtigkeit der lokalen Betriebe, der Gastwirtschaften, des Einzelhandels, der Kunst und Kultur sowie weiterer Unternehmen gezeigt. Diese können wir weiterhin durch bewusstes Einkaufen und Aufsuchen stärken. Ganz besonders jetzt.

Die Aktion ist eine Kooperation von „Mut & Courage“ und den Patienten und Therapeuten der Fachklinik Alpenland Bad Aibling. Wie kam das zustande?

Durukan:Die Tafel steht wie schon 2013 vor der Klinik und die Kooperation hat sich damals bereits gut bewährt. Zudem gibt es bei dem Thema Mut durchaus Verknüpfungen mit dem Thema Sucht. Doch egal ob Patient, Besucher oder Einheimischer – sie alle können sich hier mit der Frage auseinandersetzen, wo ihre Ängste liegen. Oft sind es nur kleine Schritte, die man geht, und die zu Klarheit und Ehrlichkeit führen.

Und was geschieht mit den Antworten, die die Menschen auf die Tafel schreiben?

Durukan: Wenn die Tafel voll ist, werden die Beiträge abgewischt, um Platz für neue zu schaffen. Die Antworten werden aber täglich fotografiert. Die Bilder teilt unser Verein „Mut & Courage“ dann auf seiner Homepage unter www.muttutgut.org sowie in den sozialen Medien. Vielleicht wird auch ein Bildband daraus entstehen.

Was im Leben zählt – Rückblick auf die erste Kunstaktion

Das Kunstprojekt 2013 hat unzählige Menschen dazu gebracht, ihre Antworten auf die Frage „Bevor ich sterbe, möchte ich...“ auf die große Tafel an der Rosenheimer Straße zu schreiben. „Eine Frau von auswärts hat erzählt, sie habe die Tafel im Vorbeifahren gesehen und ganz spontan ihr Auto geparkt, weil sie an der Aktion mitmachen wollte“, berichtet Irene Durukan. Auch damals wurden die Antworten auf Fotos festgehalten. „Da war die ganze Palette an Gefühlen drin, von witzig bis zornig, von originell bis hin zu echten Schicksalen. Überwiegend aber sehr nachdenklich“, erinnert sie sich. Hier ein paar der Antworten auf den Halbsatz „Bevor ich sterbe, möchte ich...:

... einen Sohn oder eine Tochter großziehen

... alle Gefühle mindestens einmal gehabt haben

... Gott um Verzeihung bitten

... das perfekte Rezept für Kartoffelsalat

...sagen können, ich habe gelebt!

... ein cleanes Leben führen

... alle Träume gelebt haben

... die Handynummer von Jesus

... noch miterleben, wenn meine Tochter ihre eigene Familie gründet

... ein Lied schreiben

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