ABSTIMMUNG IM GEMEINDERAT

Aldi darf sich nicht in Tuntenhausen ansiedeln

Noch viel Entwicklungspotenzial bietet das Gelände der Eder GmbH in Tuntenhausen: Hier sollte ein Standort entwickelt werden, der die Wünsche der Tuntenhausener nach Discounter und Drogeriemarkt abdeckt. Das ist nun Geschichte.
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Noch viel Entwicklungspotenzial bietet das Gelände der Eder GmbH in Tuntenhausen: Hier sollte ein Standort entwickelt werden, der die Wünsche der Tuntenhausener nach Discounter und Drogeriemarkt abdeckt. Das ist nun Geschichte.
  • Kathrin Gerlach
    vonKathrin Gerlach
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Es war eine knappe Entscheidung: Mit 11:10 Stimmen lehnte es der Gemeinderat ab, sich für den Ausbau des Nahversorgungszentrums Tuntenhausen zu engagieren. Zwar plädierten alle für die Erweiterung des Edeka-Marktes. Die Mehrheit war aber der Meinung, dass Tuntenhausen keinen Discounter brauche.

Tuntenhausen – Aldi Süd war daran interessiert, in Tuntenhausen einen Markt mit rund 1.200 Quadratmetern Fläche zu eröffnen. Die Eder Familien Holding, die 2017 bereits den Edeka-Markt gebaut hat, wollte dafür auch noch einmal investieren. Da für das „Unterzentrum“ Tuntenhausen aber Obergrenzen für Einzelhandelsflächen gelten, war bislang weder die Erweiterung des Edeka-Marktes noch der Bau eines Discounters möglich.

Bürgermeister Georg Weigl (CSU/FWG) stellte das Thema nun noch einmal zur Diskussion. Die grundsätzliche Frage war, ob der Gemeinderat den Einkaufsstandort Tuntenhausen stärken will und dem Bürgermeister das Mandat gibt, sich bei der Regierung Oberbayerns und im Wirtschaftsministerium für eine „Grenzöffnung“ der Einzelhandelsfläche in der Gemeinde stark zu machen. Er hat es nicht bekommen.

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Mehrere Argumente hätten für ein erweitertes Angebot gesprochen: Einerseits könnten die rege Bautätigkeit eine Markterweiterung begründen. Andererseits zeigt das Nahversorgungskonzept der Gemeinde ungenutztes Potenzial und Versorgungslücken.

„55 Prozent der Kaufkraft fließen aus unserer Gemeinde ab. 70 Prozent unserer Bürger wünschen sich einen Drogeriemarkt, den wir aber nur in Kombination mit einem Discounter bekommen“, führte Weigl an. Sein wichtigste Argument: „Wir könnten damit künftig auch den Menschen ein Angebot machen, die nur über einen kleinen Geldbeutel verfügen.“

Wünsche der Bürger beachten

Johann Stürzer (CSU/FWG) plädierte dafür: „Für mich ist das Wort der Bürger entscheidend. Wenn ihnen ein Discounter und ein Drogeriemarkt fehlen, sollten wir uns bemühen, diesen Bedarf zu bedienen.“

Ganz anderer Meinung war Marcus Straßer (Die Liste 83104): „Einen Discounter braucht es hier nicht. Wir sollten lieber den Bürgerladen Ostermünchen größer aufziehen und die Kleinerzeuger stärken.“ Bürgermeister Weigl betonte, dass der Dorfladen auf jeden Fall komme und durch den Discounter weder ersetzt noch gefährdet werden würde.

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Entscheidend waren letztlich vor allem die Argumente der Landwirte. Josef Bodmaier (WG Hohenthann) – zugleich Kreisobmann des Bauernverbandes – machte klar: „Der Edeka-Erweiterung stimme ich zu, aber mit einem Discounter habe ich Probleme. Ich verstehe, dass wir ein Angebot für einkommensschwache Familien brauchen, aber das kann nicht auf dem Rücken der Erzeuger ausgetragen werden.“ Er erinnerte an die Milchpreisverhandlungen im vergangenen Jahr. Johannes Lechner (CSU/FWG) und Dionys Schweiger (FWG Beyharting) pflichteten ihm bei.

Dr. Anna Fernández Diarte (UWO) betonte, dass man zumindest auf Gemeindeebene gegensteuern müsse. Zudem widersprächen sich eine von bäuerlichen Strukturen geprägte Region und ein Discounter. Christian Birmoser (ULT) erinnerte an die Bürgerbefragung zum Dorfladen Ostermünchen.

Kaufkraft in der Gemeinde halten

„Mehr als 280 Bürger geben an, dass sie zu Discountern nach Aßling und Bad Aibling fahren. Für mich macht deshalb ein rundes Konzept aus hochwertigem Lebensmittelmarkt, Discounter und Drogeriemarkt Sinn. Damit stärken wir die Kaufkraft in unserer Gemeinde.“

Theresia Englhart (Frauenliste) lehnte das Projekt aufgrund der Flächenversiegelung ab.

Der Standort für einen potenziellen Aldi-Markt ist auf dem Bild blau eingezeichnet. Auch genügend Parkflächen wären vorhanden gewesen.

Maria Breuer (UW Ostermünchen) sprach sich dagegen aus, das Projekt zu verhindern, „weil es bei uns viele Menschen gibt, die beim Einkauf auf jeden Cent schauen müssen.“

Letzlich wurde demokratisch abgestimmt. Mit einer Stimme Mehrheit wurde eine Aldi-Ansiedlung abgelehnt.

„Es war eine Chance für Tuntenhausen“

„Es ist schade für den Standort“, bedauert Gregor Ries, Geschäftsführer der Eder GmbH, die Entscheidung. „Ich glaube, es wäre eine große Chance für Tuntenhausen mit einer nachhaltigen Sicherung und Schaffung von krisenresistenten Arbeitsplätzen vor Ort gewesen.“ Ohne den Discounter werde es derzeit leider auch nicht gelingen, einen Drogeriemarkt nach Tuntenhausen zu holen. „Wir sind in Gesprächen und haben das klare Signal bekommen, dass er nur kommt, wenn Aldi da ist.“

Mit Eröffnung des Edeka-Marktes in Tuntenhausen war die enorme Kaufkraft in der Gemeinde zutage getreten. Ries vermutet, dass Discounter auch weiterhin versuchen werden, diese abzuschöpfen. „Es wird sich ein anderer Standort in der Region finden. Im Zweifel wird der Gemeinde dann die Kaufkraft abgezogen.“

Das Konzept des „One-Stop-Shoppings“ – also ein breites Angebot an einem Standort zu haben – werde letztlich vom Verbraucher eingefordert. „Dies würde sich hier am Standort – in unseren Planungen übrigens auch mit einem neuen Angebot an E-Ladesäulen – ideal und umweltverträglich umsetzen lassen. Sogar für eine Holzbauweise gab es zustimmende Signale seitens Aldi.“

Der Discounter Aldi selbst äußert sich nicht. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir die Entscheidung des Gemeinderats nicht kommentieren möchten“, so Tobias Neuhaus von der Unternehmensgruppe Aldi Süd.

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