Abschiedskonzert der Bad Feilnbacher „Scheinheiligen“: „Des Liadl-Dichten gfreid nimmer“

Zahlreiche Besucher kamen zum „Abschiedsbussi“ der „Scheinheiligen“ nach Bad Feilnbach.
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Zahlreiche Besucher kamen zum „Abschiedsbussi“ der „Scheinheiligen“ nach Bad Feilnbach.

Nach 14 Jahren und 150 Liedern hören die Bad Feilnbacher „Scheinheiligen“ auf. Doch statt heimlich von der Bühne abzutreten, verpassten sie den Bad Feilnbachern noch ein „Abschiedsbussi“ in Form von zwei Freiluftkonzerten und präsentierten noch einmal ihre musikalischen Höhepunkte.

Von Konrad Kriechbaumer

Bad Feilnbach – „Des Liadl-Dichten gfreid nimmer“: Den simplen Grund ihres Aufhörens nannten sie gleich zu Beginn ihres Konzerts, natürlich musikalisch verpackt in „Mir san vier lustige Weiberleid“. Anstatt singender Weise auf die Missstände in der Gemeinde Bad Feilnbach hinzuweisen, möchten die vier Damen nun eine Partei gründen.

Jetzt wollen die Vier eine Partei gründen

Der Name lautet selbstverständlich: „Die Scheinheiligen“. Als Dank für ihre Arbeit wünschen sie sich – ganz bescheiden – einen „goldenen Stern am Walk of Fame am Rathausplatz“. Den zahlreichen Zuschauern präsentierten sie am Musikpavillon das Beste aus der „Scheinheiligen-Zeit“. Die modernen Spielekonsolen, mit denen man wunderbar Gäste vergraulen kann, den zum „Abfüllmarkt“ mutierten Bad Feilnbacher Apfelmarkt, die Ehemänner und die vielfach veranstalteten Kesselfleischessen nahmen sie in ihren ersten Liedern aufs Korn.

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Während sie sich anfangs nach eigenen Aussagen noch immer selbst irgendwo einluden und so für Auftritte sorgten, erhielten sie später – sogar freiwillig – Einladungen zu Kabarett-Abenden, Geburtstagen, Vereins- und Kirchenjubiläen. Legendär waren ihre Auftritte beim Bad Feilnbacher Theaterfasching des Edelweißvereins.

Lieder über die Eigenarten der Ortsteile

Markus Scheble führte durchs Programm, das von der „Schleißig-Musi“ musikalisch bereichert wurde. „Sie haben mit der Zeit festgestellt, was dem Publikum am meisten gefällt“, erläuterte Scheble in seinem Rückblick. „Was sie schnell gemerkt haben: Die Feilnbacher lachen am lautesten bei Liedern über die Auer und Litzldorfer.“ Daher haben sich im Laufe der Zeit auch einige Lieder über die Eigenarten der einzelnen Gemeindeteile angesammelt.

Von den Vorzügen des Sterbens in Bad Feilnbach, der „Erschaffung Litzldorfs“, dass „Gott, der Herr, an die Leitn onegschlenzt“ habe und über die verschiedenen Schwarzbauten in der Gemeinde, die arabischen Gäste in den Kurkliniken oder die angespannte Toilettensituation in Bad Feilnbach hatten sie Lieder im Gepäck.

Abschied nach 14 Jahren und 150 Liedern

Als „kreativ, musikalisch und mit guten Gespür“ bezeichnete der Sprecher Lisi Schmidt, Bärbl Kolb, Irmgard Kolb und Bärbl Müllauer, die sich 2006 zu den „Scheinheiligen“ zusammengefunden hatten. Ein Aufruf in „ihrem“ Bad Feilnbacher Kirchenchor zu einem Auftritt beim Wirtshaussingen brachte ein relativ geringes Echo: Lediglich die vier Damen kamen zur ersten Scheinheiligen-Probe: „Leider. Oder wie wir heute sagen würden: Gott sei Dank“, so Scheble.

Bekannte Melodien aus Volksliedern oder Schlagern versahen die Scheinheiligen mit ihren bissigen Texten und derbleckten damit auch Bad Feilnbacher Persönlichkeiten und Vereine. Das Gaufest in Au wurde ebenso zerlegt wie das Gründungsfest des Veteranenvereins Kematen-Dettendorf.

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Das italienische Volkslied „Tiritomba“ widmeten sie den Litzldorfer Böllerschützen. Und auch Kuramtsleiterin Ute Preibisch, Martin „Gaggä“ Kolb und Bürgermeister Anton Wallner mussten sich am letzten Abend nochmals aussingen lassen.

Töchter komponieren Abschiedslied

Den Töchtern der vier Scheinheiligen fiel der Abschied besonders schwer. Als Überraschungsauftritt inszenierten die jungen Damen eine Trauergemeinde für die Scheinheiligen – standesgemäß mit einem eigens komponierten Lied.

Ob das tatsächlich der letzte Auftritt der Scheinheiligen war, darüber kann nur spekuliert werden. Einigen Liedpassagen konnten die Zuschauer entnehmen, dass die Scheinheiligen wieder auftreten würden – sollten die Feilnbacher sich nicht anständig aufführen und nicht die Wahrheit sagen. Markus Scheble hoffte, dass es jedes Jahr eine Abschiedstournee oder in einiger Zeit ein Revival gibt.

„Mir ham a Wii“: Die „Vorzüge“ einer Spielekonsole demonstrieren Lisi Schmidt, Bärbl Kolb, Irmgard Kolb und Bärbl Müllauer (von links).

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