Abschied in Bad Aibling: Anna Jacob stand jahrelang für den Frieden ein

Nach zehn Jahren verabschiedete sich Anna Jacob von dem von ihr initiierten Friedensgebet.
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Nach zehn Jahren verabschiedete sich Anna Jacob von dem von ihr initiierten Friedensgebet.
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Zehn Jahre lang lud Anna Jacob jeden ersten Donnerstag im Monat zum Friedensgebt in die evangelische Kirche in Bad Aibling ein. Jetzt fand das letzte statt.

Von Johann Baumann

Bad Aibling – Im Oktober 2010 hat Anna Jacob zum ersten Mal zum Friedensgebet in die evangelische Christus-Kirche eingeladen – es fand seither fast an jedem ersten Donnerstag im Monat statt. „Wir waren damals die Ersten in der Region“, erklärt sie im Gespräch mit unserer Zeitung und ergänzt: „In all den Jahren ist es nur drei Mal ausgefallen, davon zweimal coronabedingt.“ Nach zehn Jahren hat sich die inzwischen 81-jährige Initiatorin nun entschlossen, sich aus der Gebetsreihe zurückzuziehen.

Von Frauen ins Leben gerufen und getragen

„Die Zeit des Friedensgebetes geht heute zu Ende“ – mit diesen Worten eröffnete sie den letzten Gebetsabend und führte weiter aus: „Dieses Friedensgebet wurde von Frauen ins Leben gerufen und seitdem von Frauen getragen.“ Entstanden ist bei Anna Jacob die Idee nach einem erschütternden Bericht eines Militärseelsorgers über ausländische Einsätze.

„Zusammen mit Susanne Ewert habe ich mit Hilfe des evangelischen Gesangsbuches ein Ablaufkonzept entwickelt“, berichtet die ehemalige Versicherungs- und Verwaltungsangestellte. Zudem brachte sie Erfahrungen durch ihre musikalische Gottesdienstbegleitung im Novalis-Haus mit.

Stets aktuelle Themen im Fokus

Einen Höhepunkt in der zehnjährigen Gebets-Ära bildete Anna Jacob zufolge die Teilnahme von Konfirmanden und deren Eltern. Neben Standard-Gebeten und wechselnden Bibel-Lesungen stellte die Ideengeberin stetsThemen aus dem aktuellen Zeitgeschehen in den Mittelpunkt der Veranstaltung.

So erinnerte sie beim Abschiedsabend nicht nur an die gewaltsame Niederschlagung der Studentendemonstrationen auf dem Tiananmen-Platz in Peking und an die Ermordung von Muslimen im bosnischen Srebrenica, sondern sprach auch aktuelle Themen wie die Proteste in Belarus oder das Flüchtlingsschicksal in Moria an.

Zum früheren Themenkreis zählten unter anderem Gedanken über Situationen in Kriegsgebieten, gegen das schnelle Vergessen, Waffenhandel, Hunger und Gewalt, aber auch über Menschenwürde, Kultur und Religion. Einen wichtigen Platz beim Friedensgebet nahmen zudem zeitbezogene Fürbitten ein. „Christen, die beten, sind wie Säulen, die das Dach der Welt tragen“ – dieses Zitat von Martin Luther stellte sie an den Anfang der letzten Fürbitten und beschloss sie mit dem Appell: „Lass uns nicht nachlassen in unserem eigenen Bemühungen um Frieden.“

Für Frieden einstehen kann Knochenarbeit sein

Pfarrer Markus Merz würdigte das Engagement der scheidenden „Vorbeterin“: „Für den Frieden einstehen kann Knochenarbeit sein.“ Anna Jacob habe diese über viele Jahre aufrechterhalten und in der evangelischen Kirchengemeinde und für die Stadt Bad Aibling ein Zeichen gesetzt.

Für den Frieden beten bedeute: immer wieder erinnern und einladen und immer wieder an den Auftrag anknüpfen, dass der Friede ein Teil unseres Betens ist, so der Geistliche. „Ob im Nahen oder Fernen: Der Friede beginnt bei uns und in unserem Beten und daran hat Anna erinnert“, betonte er abschließend, verbunden mit einem herzlichen „Danke.“ Anna Jacob dankte am Ende „allen, die gekommen sind“ und bat, das Gebet für den Frieden nicht zu vernachlässigen, „auch wenn es diesen Termin nicht mehr gibt“.

Suche nach Nachfolge blieb ohne Erfolg

Anna Jacob hatte zwar versucht, eine Nachfolge zu finden. „Aber es hat sich niemand bereit erklärt.“ Es gebe mittlerweile auch andere Angebote in der Gemeinde, etwa den Gebetskreis. Mit den Bibelworten, die sie an den Anfang ihrer letzten Lesung gestellt hatte, schloss sich für sie und ihr Friedensgebet der Kreis: „Alles hat seine Zeit – und das trifft jetzt auch auf mich zu.“ Wie Pfarrer Merz gegenüber unserer Zeitung erklärte, bedeute der Abschied Anna Jacobs nicht grundsätzlich das Ende der Friedensgebete. Es gebe Gespräche darüber, wie eine neue Form aussehen könne und davon lass man sich überraschen.

Die Besucher bedachten ihr Wirken mit einem anhaltend-kräftigen Schlussapplaus.

Musikalisch umrahmt wurde der Abschlussabend vom Gesangsquartett Petra Maier, Friedhelm Kupke, Gertrud Funk und Dekanatskantor Andreas Hellfritsch mit „Das Gebet des Herrn“ von Franz Schubert sowie „Verleih uns Frieden gnädiglich“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy, das sich Anna Jacob zu ihrem Abschied gewünscht hatte.

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