BAUGEBIET HARTHAUSEN-OST

Abholzaktion in Bad Aiblinger Biotop – Firma spricht von Missverständnis

Im Biotop auf dem ehemaligen Klinikgelände in Harthausen wurden zahlreiche große Bäume gefällt.
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Im Biotop auf dem ehemaligen Klinikgelände in Harthausen wurden zahlreiche große Bäume gefällt.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Von Empörung bis blankem Entsetzen reichen die Reaktionen auf Baumfällungen im großen Stil im Biotop auf dem ehemaligen Klinikgelände von Harthausen. Der Bauherr sagt, das beauftragte Unternehmen habe die Planskizzen falsch interpretiert.

Bad Aibling – Grünen-Rätin Katharina Dietel hatte in der jüngsten Sitzung des Stadtrates von massiven Rodungen – über 20 Bäume seien betroffen – berichtet und sich nach den Hintergründen erkundigt.

Wie der Eigentümer des künftigen Baugebietes „Harthausen Ost“ und die städtische Bauverwaltung auf Anfrage unserer Zeitung erklären, soll es sich dabei um ein Missverständnis mit einer beauftragten Firma gehandelt haben. Zum genauen Ausmaß des Schadens äußerte sich bislang keine Seite. Fest steht nach Auskunft der Stadt Bad Aibling, dass es nach Abschluss der Baumaßnahmen in jedem Fall zu gleichwertigen Ersatzpflanzungen kommen muss.

Biotop sollte nicht angetastet werden

Wie berichtet, entsteht auf dem Areal der ehemaligen Schön Klinik Harthausen ein neues Wohnquartier. Über die Grenzen des dafür aufzustellenden Bebauungsplanes wurde in Bauausschuss und Stadtrat viel diskutiert.

Baumstümpfe und Geäst sind das, was nach den Rodungen übrig blieb.

Dabei stand eines dabei von Anfang an fest: Das Biotop darf ebenso wenig angetastet werden wie die dortigen Bäume, die als erhaltenswert festgesetzt sind. Doch genau das ist nun geschehen, „noch dazu in einem Bereich, der von der Bebauung überhaupt nicht tangiert werden würde“, so Katharina Dietel.

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Laut Stadtbaumeister Andreas Krämer hatte es im Vorfeld sogar eigens eine Begehung vor Ort gegeben. Mit dabei seien Vertreter der Bauherren und der Stadtgärtnerei gewesen. Dabei sei den Beteiligten zufolge auf die zu erhaltenden Bäume auf dem gesamten Gelände eingegangen worden, sowie auf die, die gefällt werden konnten.

Wie Heinz Wittmann, Geschäftsführer des Bauträgers Chiemgau Residenzen, auf Anfrage unserer Zeitung erklärt, habe man im Zuge der vorbereitenden Arbeiten zum Abriss des Klinikgebäudes notwendige Rodungsarbeiten auf dem Gelände vergeben und auch durchgeführt. Die nicht erhaltungsfähigen Bäume seien gemäß den Festlegungen im Bebauungsplan entfernt worden.

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Jedoch: „Aufgrund einer Fehlinterpretation einer dem beauftragten Unternehmer überlassenen Planskizze wurden leider fälschlicherweise auch Rodungen im Bereich des nordöstlichen Grundstücksbereichs vorgenommen. Diese sind von uns so nie beauftragt worden, da diese Flächen weder für die Abbrucharbeiten noch für die anschließenden Neubaumaßnahmen Relevanz hatten. Dieser Bereich sollte ausdrücklich von notwendigen Rodungsarbeiten ausgenommen werden“, betont Wittmann.

Wiederherstellen und ökologisch aufwerten

Er erklärt: „Unser Unternehmen hat sich insofern der Stadt Bad Aibling gegenüber verpflichtet, nach Abschluss der Baumaßnahmen den ursprünglichen Zustand in diesem Bereich wieder herzustellen und ökologisch aufzuwerten.“

Mittlerweile ist auch die Untere Naturschutzbehörde eingeschaltet. Sie betont, dass die im Biotop gefällten Gehölze gesetzlich geschützt waren. Sie bekräftigt, dass die Fläche im Bebauungsplan und im aktuellen Beteiligungsverfahren dementsprechend benannt und als „zu erhalten“ festgesetzt sei. Die Behörde bereite aktuell eine Anhörung vor, die sich an den Verursacher richten wird. „Das Ziel ist, eine zeitnahe Wiederherstellung zu bewirken.“

Wohin sich Flora und Fauna zurückziehen

Wie berichtet, gibt es gerade in dem östlichen Bereich des Areals, zur Landschaft hin, Rückzugsmöglichkeiten für Flora und Fauna. Für den Arten- und Biotopschutz am Ortsrand übernimmt dieser Bereich wertvolle Funktionen, wurde von Anfang an betont.

So geht es auf dem ehemaligen Klinikgelände weiter

Im Osten von Harthausen entsteht ein neues Wohnquartier. Erster Schritt auf dem Weg zur Bebauung ist der Abbruch der ehemaligen Schön Klinik Harthausen. Laut Heinz Wittmann, Geschäftsführer der Chiemgau Residenzen, arbeitet das Unternehmen gerade mit Hochdruck daran, alle Voraussetzungen zu schaffen, um in Kürze mit den umfangreichen Abbrucharbeiten für das alte Klinikgebäude samt Tiefenentfernung aller Fundamente beginnen zu können. „Die labortechnischen Untersuchungen zu den doch erheblichen Schadstoffbelastungen wurden zwischenzeitlich abgeschlossen. Mit den Abbrucharbeiten soll im März/April begonnen werden“, kündigt er an .

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Die gesamten Rückbaumaßnahmen auf dem Areal selbst mit einem Volumen von weit über 100.000 Kubikmetern sollen, so Wittmann weiter, bis zum Jahresende 2021 abgeschlossen sein. Der Baubeginn für das neue Wohngebiet sei dann für das Frühjahr 2022 geplant.

Im ersten Bauabschnitt soll sodann im „Baufeld West“ vorrangig mit der Errichtung der begünstigten Wohnungen im sogenannten Aiblinger Modell, sowie dem dort geplanten Kinderhaus begonnen werden.

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