Abgesagt! – Bad Feilnbacher Apfelmarkt soll nicht zum Corona-Hotspot werden

Beliebt und daher voll: Ein Foto vom Apfelmarkt 2015. 
  • vonKathrin Gerlach
    schließen

Der Bad Feilnbacher Apfelmarkt soll nicht zum Corona-Hotspot werden. Deshalb wurde er jetzt abgesagt, auch wenn damit Umsatzeinbußen von mindestens zwei Millionen Euro verbunden sind. Veranstalter und Obstbauern sind trotzdem zuversichtlich.

Bad Feilnbach – In diesem Jahr ist alles anders – vor allem in der Gemeinde Bad Feilnbach. Keine Feste und Feiern, dafür Schlagzeilen: Als Corona-Hotspot der Region und RKI-Studienort zur Erforschung der Corona-Pandemie. Mit 159 Infizierten lag die 6500-Seelen-Gemeinde bundesweit mit an der Spitze. Jetzt geht es nicht nur um die Frage, weshalb die Zahlen ausgerechnet hier so hoch waren. Es es geht vor allem um die Vermeidung neuer Infektionen.

Gutes Image muss geschützt werden

„Ganz ehrlich: Wir trauen uns nicht, den Apfelmarkt durchzuführen“, gibt Veranstalter Manfred Kirner zu. Bis zu 50 000 Menschen strömen alljährlich am zweiten Oktoberwochenende zur Großveranstaltung ins Apfeldorf. „Zwar haben wir schon ein Hygiene- und Sicherheitskonzept erstellt, aber die Umsetzung ist einfach zu schwierig“, sagt Kirner.

Viele Aussteller hätten sich zwar schon darauf gefreut, im Herbst endlich wieder eine Veranstaltung zu haben. „Doch wenn sich beim Apfelmarkt auch nur einer infiziert, dann ist das Image beschmutzt. Nein. Der Name soll nicht leiden“, begründet Kirner seine Entscheidung.

Umsätze von weit mehr als zwei Millionen Euro werden den Obstbauern und anderen Ausstellern damit fehlen. „Wenn nicht sogar noch mehr“, bestätigt der Wiechser, der den Apfelmarkt schon seit mehr als 30 Jahren gemeinsam mit dem Obst- und Gartenbauverein Bad Feilnbach organisiert.

Lesen Sie auch: Besucherrekord beim Feilnbacher Apfelmarkt: Ökologische Produkte ziehen fast 50.000 Gäste an

Auch er leidet in diesem Jahr unter Umsatzeinbußen: Kein Starkbierfest in Raubling, kein Volksfest in Rosenheim. „Das ist hart, aber die Gesundheit geht vor“, betont Kirner. Genau so sehen es auch die Obstbauern, die auf dem Apfelmarkt einen Großteil ihrer Ernte verkaufen. „Es ist richtig so“, sagt Christian Eder. „Da müssen wir jetzt einfach mal durch und hoffen, dass wir nächsten Jahr wieder einen Apfelmarkt veranstalten können.“

Auch Gertraud Seebacher, die Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Bad Feilnbach, begrüßt die Entscheidung: „Wir Obstbauern haben unser Obst schon immer auch ab Hof verkauft. Dafür müssen wir in diesem Jahr einfach stärker werben.“

Das Apfeldorf Bad Feilnbach muss im Corona-Jahr auf seinen Apfelmarkt verzichten. Gesundes Obst gibt es trotzdem – direkt ab Hof oder auf den Wochenmärkten am Rathaus.

Doch die Leute wüssten schon, wo es die guten Obstbrände und das frische Obst aus der Region gebe. „Sie kommen auf die Höfe, das haben wir auch nach der Absage des Tags der offenen Höfe schon gemerkt.“ Traditionell findet am Pfingstsonntag die Veranstaltung „Bad Feilnbach brennt“ statt, an der Obstbauern ihre Höfe öffnen, um naturnahen Obstanbau und traditionelle Brennerkunst zu präsentieren. Auch diese wurde abgesagt.

Jetzt beginnt in den Obstgärten die Ernte der Klaräpfel. Zwetschgen, Äpfel und Birnen sind die Renner auf dem Apfelmarkt. „Wir werden unser Obst schon weiterbringen“, ist Eder zuversichtlich. Nicht nur ab Hof, sondern auch auf den Wochenmärkten in Bad Feilnbach. „Vielleicht könnten wir die in der Erntesaison ja auch zweimal im Monat veranstalten“, so die Idee von Gertraud Seebacher.

Statt Apfel- ein Wochenmarkt

Bei Kur- und Tourismuschefin Ute Preibisch trifft sie damit auf fruchtbaren Boden: „Wir haben den 10. Oktober jetzt schon für einen Regionalmarkt als kleine Alternative zum Apfelmarkt reserviert.“ Gemeinsam mit den Obstbauern solle zudem beraten werden, ob zusätzliche Märkte gewünscht sind.

„Ich liebe unseren Apfelmarkt, bin jedes Jahr an allen drei Tage da draußen“, schwärmt Bürgermeister Anton Wallner. Er bedauert es sehr, dass Corona seine Gemeinde in diesem Jahr so arg beutelt. Doch gerade deshalb begrüßt auch er diese Entscheidung. Dass sie Einbußen nach sich zieht, sei nicht zu vermeiden. Nicht nur bei den Obstbauern. „Auch die Zahl unserer Gäste und Übernachtungen wird sich minimieren, denn der Apelmarkt ist weit über die Grenzen unserer Gemeinde hinaus bekannt“, befürchtet der Bürgermeister.

Bleibt Apfelkönigin nun länger im Amt?

Und was wird aus der Apfelkönigin und ihren Prinzessinnen? „Ich hoffe, dass Regina I. ihre Amtszeit verlängert, denn sie kann unsere Gemeinde in diesem Jahr ja gar nicht repräsentieren“, sagt die Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins.

Das ist auch interessant: Bad Feilnbach: Was macht eine Apfelkönigin eigentlich im Winter? Ein Gespräch mit Regina Vogt

Apfelkönigin Regina Vogt verbringt ihren Urlaub gerade auf der Alm: „Es ist schade, dass ich in diesem Jahr als Apfelkönigin für meine schöne Heimat nicht werben kann. Aber die Sicherheit geht vor.“ Ob sie ihre Amtszeit verlängern würde? „Wenn das wirklich gewünscht ist, natürlich gern. Da würden sich meine Apfelprinzessinnen sicher auch sehr freuen.“ Aber, so schränkt sie ein: „Das werden wir sehen, wenn es soweit ist. Zuerst einmal müssen wir das im Verein besprechen.“

Kommentare