Ein echtes Urgestein

80 Jahre beim DAV Bad Aibling: Der Dengler Wast und seine Berge

Ein Leben für die Berge – und davon 80 Jahre im Deutschen Alpenverein. Auch wenn es Sebastian Dengler (94) heute etwas ruhiger angehen lässt: Ohne Bewegung geht bei ihm gar nichts. DAV-Vorsitzende Sylvia Klimesch überbrachte ihm das Ehrenzeichen persönlich.
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Ein Leben für die Berge – und davon 80 Jahre im Deutschen Alpenverein. Auch wenn es Sebastian Dengler (94) heute etwas ruhiger angehen lässt: Ohne Bewegung geht bei ihm gar nichts. DAV-Vorsitzende Sylvia Klimesch überbrachte ihm das Ehrenzeichen persönlich.

Wenn das Wort Urgestein für ein langjähriges Mitglied eines Vereins zutrifft, dann definitiv auf Sebastian Dengler aus Bad Aibling. Seit sage und schreibe 80 Jahren ist der Dengler Wast, wie er genannt wird, beim Deutschen Alpenverein (DAV).

Bad Aibling – Zwar blieb ihm die öffentliche Ehrung im Rahmen der Weihnachtsfeier der DAV-Sektion Bad Aibling, die coronabedingt ausfiel, verwehrt, doch ließ es sich die Vorsitzende Sylvia Klimesch nicht nehmen, dem ganz besonderen Jubilar persönlich das Ehrenzeichen zu überreichen. Bei der Übergabe erzählte er aus seinem Leben: „Ich war viel extrem und weit unterwegs.“

Schallplatten als Skiwachs aufgebügelt

Mit sieben Jahren bekam Dengler die ersten Ski vom Christkindl. Sein Vater hatte sie in Miesbach von einem Wagner anfertigen lassen. Als „Skiwachs“ wurden Schallplatten aufgebügelt. Stahlkanten gab es natürlich noch nicht. Die ersten Fahrversuche machte er am Thürhamer- und Milchhäuselberg in Bad Aibling. Später ging es dann mit dem Zug nach Bad Feilnbach auf den Schwarzenberg.

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Zum Alpenverein kam er mit 14 Jahren. Um damals im Verein aufgenommen zu werden, brauchte man zwei Bürgen. Für Wast bürgten sein Lehrherr, Julius Muggli, mit dem er auch viel in die Berge ging, und Karl Eisenhofer. Als die Aiblinger Hütte erbaut wurde, war er der „Laufbursche“ für Versorgungsdienste. Dann kam der Krieg. Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft war die Grenze zu Österreich gesperrt. „Da haben wir dann unsere Berge abgegrast.“

In der Kufsteiner Festung bei Dunkelheit eingesperrt

Eines Tages wollte er aber doch unbedingt auf den Kaiser, was zur Folge hatte, dass er verhaftet und in Kufstein in der Festung im Dunkeln eingesperrt wurde. „Irgendwann haben sie mich ausgelassen, an die Grenze hingestellt. ,Da habt’s ihn wieder‘, waren die Worte“, erinnert er sich. Nach der Grenzöffnung begann dann wieder die „Bergsteigerei“. Sebastian Dengler reiste nach Mexiko, Peru, Bolivien, Nepal und Ecuador.

„Anapurna-Runde war eine harte Sache“

„Die Annapurna-Runde in Nepal war eine harte Sache. Der höchste Berg, auf dem ich war, war der Huascarán mit 6768 Metern in Peru. Die Höhe ist das Härteste“, sagt Dengler. Den Illimani in Bolivien mit 6439 Metern hingegen „bin ich so leicht gegangen wir auf den Breitenstein, do war i guad beinand“.

Mit 90 Jahren den Gleitschirm an den Nagel gehängt

Nach seiner Pensionierung fing er mit dem Gleitschirmfliegen an – „weil da muss ich nicht mehr runtergehen“, schmunzelt der 94-Jährige. Bis zum Startplatz sind es oft nur ein paar Schritte und „das geht auch im Alter“. Nach 1500 Flügen hat er aber dann mit 90 Jahren doch mit dem Fliegen aufgehört. Jetzt fährt er viel mit dem Fahrrad. Mit 92 Jahren legte er einfach mal die Strecke vom Maloja-Pass nach Innsbruck zurück.

Schönste Erinnerung: Ein Standerl am Gipfel

Seine schönste Erinnerung an die Berge: Auf dem Liskammgrat zum Breithorn kam ihm ein Bergführer entgegen, der nicht mehr in der Lage war, seine beiden Gäste zum Gipfel zu führen. Wast übernahm die zwei Schweizer und führte sie hinauf. Um 12.15 sagte er dort oben iw nebenbei: „Vor 57 Jahren bin ich auf die Welt gekommen. “ Daraufhin gab es ein Geburtstagsstanderl auf der Dufourspitze in 4634 Metern Höhe.

2910 Jahre Mitgliedschaft mit Ehrenzeichen gewürdigt

Normalerweise werden die langjährigen Mitglieder der Sektion Bad Aibling des Deutschen Alpenvereins in einer vorweihnachtlichen Feier geehrt. Im vergangenen Jahr musste das Ehrenedelweiß den Mitgliedern allerdings per Post zugesandt werden, da die Feier konnte aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnte. Dabei galt es, insgesamt 2910 Jahre Mitgliedschaft besonders zu ehren.

30 Mitglieder sind seit 40 Jahren beim DAV, 18 Männer und Frauen bereits seit einem halben Jahrhundert und elf seit 60 Jahren. „Darunter sind auch sehr viele Personen, die beim Alpenverein sehr engagiert sind oder waren“, betont die Vorsitzende Sylvia Klimesch. Eine weitere besondere Ehrung wurde Karl Stolle zuteil. Er ist seit 70 Jahren beim DAV, davon 52 Jahre als Hüttenwart auf der Aiblinger Hütte.

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Herbert Vollmayer erhielt das Ehrenzeichen für 60 Jahre Vereinszugehörigkeit. Er kümmert sich seit 44 Jahren um die Aiblinger Hütte als Hüttenreferent und ist seit 47 Jahren Hüttenwart. Auf 60 Jahre DAV-Zugehörigkeit blickt auch Bertl Weinhart zurück. Er kümmert sich in der Sektion um den Erhalt der Wege und ist seit 33 Jahren Hüttenwart. Seit 50 Jahren hält Helmut Hoch der Sektion die Treue. Mit seiner Mitterberger Musi sorgt er normalerweise auch immer für den feierlichen musikalischen Rahmen der Weihnachtsfeier. Einer der Jubilare, die für „40 Jahre DAV“ ausgezeichnet wurden, ist Ricardo Erckert. Er führt Klettertouren für die Mitglieder durch – und alle hoffen, dass dies bald wieder der Fall sein kann. Bis dahin können im Übrigen der DAV-Kalender und das Jahresbuch „Berg 2021“ nach Absprache erworben werden.

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