Experte von der Telekom zu Gast

5G-Ausbau im Gemeinderat: Was kommt auf Bad Feilnbach zu?

Frank-Peter Käßler, Kommunalbeauftragter der Telekom,  war dem Gemeinderat im Saal des Gasthauses Weingast per Video zugeschaltet und beantwortete die zahlreichen Fragen.
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Frank-Peter Käßler, Kommunalbeauftragter der Telekom, war dem Gemeinderat im Saal des Gasthauses Weingast per Video zugeschaltet und beantwortete die zahlreichen Fragen.
  • vonKonrad Kriechbaumer
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Informationen zum aktuellen Aus- und Umbau des Mobilfunknetzes auf 5G-Standard hatte der Bad Feilnbacher Gemeinderat im Herbst gefordert. Nun stand Frank-Peter Käßler von der Deutschen Telekom dem Gremium per Videochat Rede und Antwort.

Bad Feilnbach – Am 9. April 2021 soll eine Bürgerversammlung zu diesem Thema abgehalten werden. „Ein Mobilfunknetz gehört zur Infrastruktur wie Wasser- und Stromleitungen“, schilderte Bürgermeister Anton Wallner eingangs. „Autos werden mit SIM-Karten ausgestattet, Gäste und Urlauber erwarten einen guten Mobilfunkempfang“, betonte er die Notwendigkeit eines guten Mobilfunknetzes.

Bürgermeister wehrt sich gegen Gerüchte

Er wehrte sich auch gegen Vorwürfe und Gerüchte in den sozialen Medien, dass „der Bürgermeister im Schatten der Corona-Pandemie“ Verträge zum weiteren Mobilfunkausbau unterzeichne. „Glauben Sie mir, das liegt deutlich über meinen Kompetenzen“, wies Wallner diese Behauptungen von sich. Er erhalte Beschwerden über den schlechten Mobilfunkempfang in Bad Feilnbach, andererseits gebe es auch Kritiker und Gegner zum 5G-Ausbau.

Gemeinde setzt auf Transparenz

Wallner betonte, auf Information und Transparenz gegenüber den Bürgern und dem Gemeinderat zu setzen. Um diese Transparenz zu schaffen und Fragen auszuräumen, war der Kommunalbeauftragte der Telekom Frank-Peter Käßler dem Gremium zugeschaltet.

„In Bad Feilnbach gibt es eine gewisse Historie und interessante Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt“, schilderte dieser im Hinblick auf die einstigen Bürgerinitiativen gegen Mobilfunkstandorte in Bad Feilnbach. „Wir möchten die Kommunen in eine mobile Zukunft bringen“ betonte er. Nach Zahlen der Bundesnetzagentur besitze jeder Bundesbürger 1,6 bis 1,7 mobile Endgeräte – Tendenz steigend. Käßler prognostizierte, dass diese Zahl in fünf bis zehn Jahren auf fünf bis sechs mobile Endgeräte steigen werde. Er verglich das immer stärker geforderte Mobilfunknetz mit einem Kanalsystem, das einem zusätzlichen Bedarf gerecht werden müsse.

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Vielfältig waren die Fragen aus dem Gemeinderat an den Mobilfunk-Experten. So wollte Sieglinde Angermaier (Grüne) wissen, wie viele Mobilfunkstandorte derzeit im Gemeindegebiet vorhanden sind – laut Käßler elf – und wie viele noch geplant seien – einer in Litzldorf.

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Ihr Fraktionskollege Thomas Forster fragte nach, nach welchen Kriterien die Standorte ausgesucht werden und ob gesundheitliche Aspekte dabei eine Rolle spielen. Weiter wollte er wissen, ob es möglich sei, Schulen, Kindergärten und Altenheime auszunehmen, um eine mögliche Gesundheitsbelastung zu verhindern. Laut Käßler werden sämtliche Grenzwerte eingehalten, ein Mobilfunkstandort könne nur mit Genehmigung der Bundesnetzagentur errichtet werden. „Schulen, Kindergärten und Altenheime auszunehmen ist technisch nicht möglich. Vielmehr ist es so, dass an diesen Orten ein Mobilfunknetz besonders gefragt sind, es handelt sich um Hotspots“, erklärte Käßler.

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Sepp Rauscher (CSU) befürwortete die geplante Erhöhung der Anlage in Au: „Damit wären die Mobilfunkantennen selbst nicht mehr direkt vor dem Schlafzimmerfenster der Anwohner“, so Rauscher. Sepp Scheibl (SPD) fragte nach, ob „die Schwingungsfrequenzen so hochgefahren werden können, dass Vögel vom Himmel fallen oder Menschen manipuliert werden können“. Käßler verwies diese Frage in den Bereich der Verschwörungstheorien: „Wenn das so wäre, gäbe es den Mobilfunk nicht seit 40 Jahren.“

Peter Menhofer (ÜW) forderte, dass die Gemeinde grundsätzlich jede Beteiligungsmöglichkeit nutzen solle. Bürgermeister Wallner pflichtete ihm bei: „Wir wollen die Standorte gemeinsam finden.“

Bestehende Masten erhöhen und Standort in Litzldorf suchen

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Nach Ansicht des Kommunalbeauftragten der Telekom, Frank Käßler, gibt es für Bad Feilnbach drei Handlungsfelder in Sachen 5G. So soll der bestehende Mobilfunkmast in der Ortsmitte von Au von zehn auf 20 Meter erhöht werden. Auch der innerörtliche Standort in Bad Feilnbach soll erhöht werden. Für Litzldorf ist ein freistehender Antennenträger von 30 Metern Höhe angedacht; nach einem Standort hierfür würde in Zusammenarbeit mit der Gemeinde gerade gesucht. Eine Mobilfunk-Erschließung des Wandergebietes „Oberes Jenbachtal“, die vor allem für Rettungsdienste interessant wäre, stellte Käßler bei seinem Vortrag vor dem Gemeinderat als unwirtschaftlich dar.

Versammlungen am 8. und 9. April

Abschließend berichtete Wallner von der Bürgerinitiative „Gesundheit vor 5G“, die einen Antrag auf Abhaltung einer Bürgerversammlung eingereicht hat. Am 9. April soll in der Turnhalle eine Bürgerversammlung nach der regulären Bürgerversammlung am 8. April abgehalten werden. Einig war sich der Gemeinderat, die Beteiligungsfrist für den Mobilfunkstandort in Litzldorf bis Ende April zu verlängern.

Frequenzbereiche unter der Lupe

„5G ist ein heißes Thema, mit viel Un- und Halbwissen und vielen Ungereimtheiten“, stellte der Kommunalbeauftragte der Telekom, Frank Käßler, fest. Der geplante 5G-Standard ist ihm zufolge vergleichbar mit dem aktuellen 4G-Netz. Es würden ähnliche Frequenzen verwendet. „So können mit geringem Aufwand hohe Reichweiten erreicht werden“, erläutert er. Anhand eines Schaubildes erklärte er die drei Frequenzbereiche, um die es bei der 5G-Technologie geht. Der Bereich von 700 bis 2100 Megahertz (MHz) werde für den ländlichen Raum genutzt, da damit größere Reichweiten erzielt werden können und nicht so viele Mobilfunkantennen nötig seien.

Einsatzgebiete in der Industrie

„Der Bereich bis 3600 MHz ist vor allem für Städte interessant, da dort viele Nutzer auf engerem Raum zusammenkommen.“ Diskutiert werde vor allem über die Strahlung im Bereich über 20 000 MHz. „Diese sogenannten Millimeterwellen werden gerade in der Forschung beim Bundesamt für Strahlenschutz erforscht“, so Käßler. Interessant seien die Übertragungsraten etwa für die Industrie: „Einsatzgebiete wären selbstfahrende Gabelstapler oder Roboter, eine Operation könnte über 5G aus der Ferne durchgeführt werden, da beide Partner in Echtzeit miteinander kommunizieren können. “ Derzeit werde diese Technik aber noch nicht eingesetzt.

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