50 Jahre Rupert-Egenbeger-Schule Bad Aibling: Wo die Kinder individuell gefördert werden

Der Grundschulunterricht ist im neuen Schuljahr 2020/1 angelaufen - hier für die Klasse 1a, eine Diagnose-Förderklasse im „gebundenen Ganztag“ (im Hintergrund Klassenleiterin Katrin Schauer, links, und Rektorin Angelika Held).
+
Der Grundschulunterricht ist im neuen Schuljahr 2020/1 angelaufen - hier für die Klasse 1a, eine Diagnose-Förderklasse im „gebundenen Ganztag“ (im Hintergrund Klassenleiterin Katrin Schauer, links, und Rektorin Angelika Held).

Die Rupert-Egenberger-Schule, das „Sonderpädagogische Förderzentrum“ (SFZ) in Bad Aibling, besteht heuer seit 50 Jahren. Doch die Corona-Pandemie machte bisher allen geplanten Feier-Terminen den Garaus.

Von Johann Baumann

Bad Aibling – Ungeachtet möglicher Auflagen oder steigender Fallzahlen in den nächsten Monaten wurde entschieden, den Jubiläums-Festakt auf den 23. Juli 2021 zu schieben. „Durch eine Feier in diesem Herbst wäre auch gleich der Start ins neue Schuljahr beeinträchtigt gewesen“, erklärte Rektorin Angelika Held gegenüber unserer Zeitung.

Bemerkenswerte Entwicklung

Seit ihrer Gründung als landkreiseigene „Sonderschule für Lernbehinderte“ zu Beginn des Schuljahres 1970/71 für den damaligen Landkreis Bad Aibling hat die Einrichtung eine bemerkenswerte Entwicklung vollzogen – sowohl in punkto Schülerzahlen als auch hinsichtlich des Lehrkonzeptes.

Im ersten Schuljahr wurden 90 Schüler aus den Gemeinden des Altlandkreises in drei Klassen von einem kommissarischen Schulleiter und drei Lehrkräften unterrichtet. Im abgelaufenen Schuljahr 2019/20 zählte das SFZ an seinen beiden Standorten rund 200 Schüler in 14 Klassen sowie knapp 50 Lehrkräfte.

Zwei Standorte für 200 Kinder

An der Krankenhausstraße („Haus der Kleinen“) sind drei „Schulvorbereitende Einrichtungen“ (Vorschüler zwischen fünf undsieben Jahren) und sechs „Diagnose-Förderklassen“ bis zum zweiten Grundschuljahrgang untergebracht. An der Kellerstraße („Haus der Großen“) findet in acht Klassen der Unterricht für die Jahrgangsstufen 3 bis 9 statt.

Auch die pädagogisch-inhaltliche Ausrichtung erlebte in den 50 Schuljahren gravierende Entwicklungen. 1970 erfolgte die Einschulung durch Zuweisung des Schulamtes aufgrund von Testergebnissen und Klassenlehrerdokumentationen, Defizite standen im Vordergrund. Widerspruch der Eltern war nicht möglich, es gab keinen Schulabschluss. Eine Rückführung kam nur in Frage, wenn Leistungsanforderungen der Regelschule entsprochen wurde.

Lesen Sie auch:

„Lernen mit Kopf, Herz und Hand“: an Rupert-Egenberger-Schule

Das Sonderschulwesen entwickelte sich für Kinder mit massiven Lernschwierigkeiten von der defizitorientierten Sonderschule für Lernbehinderte zu einer Schule zur individuellen Lernförderung. Heute werden Einschulung, Überweisung und/oder Rückführung nach Beratung und Diagnostik ausschließlich nach dem Elternwillen vorgenommen.

Das SFZ bietet drei mögliche Abschlüsse: den „Erfolgreichen Mittelschulabschluss“, den „Erfolgreichen Abschluss des Förderschwerpunktes Lernen“ und (ohne abgelegte Prüfung) den einfachen „Abschluss des Förderschwerpunktes Lernen“.

Das könnte Sie auch interessieren:

„Uhren & Schmuck Regensburger“ schließt, doch Tradition geht weiter

Die Rupert-Egenberger-Schule deckt mit mittlerweile fünf offenen und drei gebundenen Ganztagesklassen/-gruppen auch im sonderpädagogischen Bereich den Bedarf einer durch gesellschaftliche Veränderungen notwendig gewordenen Ganztagesbetreuung ab.

Für die Jugendlichen der Sonderpädagogischen Diagnose- und Werkstattklassen (SDW-Klassen) 7 bis 9 wurde mit dem Schuljahr 2012/13 die Möglichkeit einer ehrenamtlichen Berufspatenbetreuung durch die „junge arbeit rosenheim“ geschaffen.

Begleitung beim Einstieg ins Berufsleben

Seit dem Schuljahr 2016/17 steht die Berufseinstiegsbegleitung durch Betreuungspersonal der Arbeitsagentur zur Verfügung. „Der Wechsel an die Regelschule ist jederzeit möglich, das bayrische Schulsystem ermöglicht auch aus der Förderschule heraus sehr viele Möglichkeiten“, schildert Rektorin Angelika Held.

Sie belegt dies anhand einiger Beispiele von Absolventen. So ist ein ehemaliger Schüler mit dem „Abschluss Lernen“ heute Schulbusfahrer. Einige Schüler mit Mittelschulabschluss durchliefen erfolgreich eine kaufmännische Ausbildung. Auch werden handwerkliche und hauswirtschaftliche Ausbildungen oft erfolgreich bestanden.

Auch Wechsel aufs Gymnasium möglich

„Ein temporärer SFZ-Besuch ist sehr häufig“, erläutert die Schulleiterin und führt dazu ein weiteres Beispiel an: Ein Schüler besuchte die „Schulvorbereitende Einrichtung“ und wurde dann in die Diagnose- und Förderklasse eingeschult. Später wechselte er in die Grund- und danach in eine weiterführende Schule, absolvierte ein Studium „Lehramt Gymnasium“ und wechselte schließlich in den Studiengang „Sonderpädagogik“.

„Während früher auf den ,Abschluss Förderschule‘ meist nur Hilfsarbeiterjobs folgten, machen viele unserer Schüler heute eine theoriereduzierte Ausbildung zu einem Fachpraktiker-Beruf, wobei man währenddessen oder danach auch in die Vollausbildung wechseln kann.“

Kommentare