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AUS DEM SCHÖFFENGERICHT

35-Jähriger Bad Aiblinger prügelt seine Frau: Nach Haftstrafe geht‘s zurück nach Bulgarien

Über Jahre hat der Bulgare im Suff seine Partnerin verprügelt. Er schreckte auch nicht davor zurück, wenn sie den gemeinsamen Sohn auf dem Arm hatte.
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Über Jahre hat der Bulgare im Suff seine Partnerin verprügelt. Er schreckte auch nicht davor zurück, wenn sie den gemeinsamen Sohn auf dem Arm hatte.
  • VonTheo Auer
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Immer wenn er betrunken war, attackierte er seine Lebensgefährtin. Das Schöffengericht Rosenheim ordnete für den Bad Aiblinger Frauenprügler jetzt einen Maßregelvollzug im Inn-Salzach-Klinikum an. Danach wird er nach Bulgarien abgeschoben.

Bad Aibling – Immer wieder wurde die Polizei wegen häuslicher Gewalt in die Straße am östlichen Ortsrand von Bad Aibling. Über Jahre. Zwar ist der bulgarische Staplerfahrer nach Aussage seiner ehemaligen Lebensgefährtin ein vernünftiger Mensch und liebevoller Vater des gemeinsamen zweijährigen Kindes.

Jedoch sei dieser Zustand in den letzten beiden Jahren immer seltener geworden. 2018 war sie gezwungen, mit dem dreimonatigen Säugling in ein Frauenhaus zu flüchten. Wegen der Prügel, die sie damals bezogen hatte, wurde der 35-Jährige bereits zu acht Monaten Haft verurteilt, die man zur Bewährung aussetzte.

Keine Basis für Partnerschaft

Weil der Mann der Vater des gemeinsamen Kindes und im nüchternen Zustand reuig und umgänglich ist, hat die 28-Jährige immer wieder versucht, eine gemeinsame Basis zu finden. Doch im vergangenen Jahr wurde es dann unerträglich: Am 9. April schlug er mit Fäusten auf sie ein, weil sie den den Betrunkenen aus dem Hause gewiesen hatte. Kaum war die Polizeistreife eingetroffen, kam er sturzbetrunken auf einem Fahrrad schlingernd zurück. Als die Beamten ihn wegen der Trunkenheit im Verkehr und der häuslichen Gewalt zur Rede stellten, rastete er völlig aus und musste gefesselt zum Polizeirevier gebracht werden.

Im Mai versuchte er, über den Balkon in die Wohnung der Frau einzudringen. An der Haustür schlug er erneut auf sie ein, ließ sich dann aber von den Polizisten problemlos abführen.

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Seine Attacke am 2. November brachte das Fass zum überlaufen. Wieder war er total betrunken. Deshalb verweis ihn die 28-Jährige nun endgültig aus der Wohnung. Als es am Abend klingelte, dachte sie, es sei die Nachbarin. Doch vor ihr stand der volltrunkene Angeklagte. Er griff sich den Regenschirm, der neben der Türe stand, und prügelte auf die Frau ein, obwohl sie den eineinhalbjährigen Buben auf dem Arm hielt

Mit Platzwunden am Kopf und Striemen auf dem Rücken flüchtete sie schließlich zur Nachbarin, die die Polizei rief. Dieses Mal aber kam der Bulgare direkt vor den Haftrichter, der ihn in Untersuchungshaft steckte.

Alkoholkranker will sich nicht erinnern

Vor dem Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Melanie Bartschat machte der Mann nun Erinnerungslücken geltend, denn er sei ja jedes Mal betrunken gewesen. Im Übrigen habe er die Frau höchstens von sich gestoßen oder sie abgewehrt. Auch wären die Polizeibeamten mit ihm viel zu grob umgesprungen.

Die Aussage der inzwischen von ihm getrennten Frau ließen Bedauern und Mitleid erkennen, doch an den brutalen Fakten änderte das nichts.

Auch die Polizeibeamten bestätigten im Zeugenstand die Umstände, unter denen sie immer wieder mit dem Angeklagten konfrontiert worden waren. Hinzu kam, dass der Mann – obschon EU-Bürger – von der Ausländerbehörde seit Juli 2020 vollziehbar des Landes verwiesen worden war.

Eine Flasche Wodka und Bier an jedem Abend

Der psychiatrisch forensische Gutachter Oberarzt Rainer Gerth stellte fest, dass der Angeklagte ganz fraglos alkoholabhängig sei. Bei allen Taten habe sein Blutalkoholgehalt über drei Promille gelegen, was einen Menschen ohne Alkoholgewöhnung ins Koma bringen könnte. Eine Flasche Wodka plus Bier am Abend seien sein ganz normales Quantum gewesen.

Er habe sich bereits dreimal körperlichen Entziehungskuren im Inn-Salzach-Klinikum unterzogen, die aber ohne die notwendige psychiatrische Therapie letztlich erfolglos bleiben mussten. Sicher sei er bei den hier vorgeworfenen Taten wegen seiner Alkoholisierung wohl nur vermindert schuldfähig gewesen.

Jedoch habe ein therapeutischer Maßregelvollzug kaum Aussicht auf Erfolg. Der Proband hatte bei der psychiatrischen Untersuchung geäußert, dass das für ihn nicht in Frage komme. Dem widersprach der Bulgare deutlich. Nun während der Haftzeit sei er in sich gegangen und habe inzwischen erkannt, dass ihm nur eine solche Langzeittherapie ihm helfen könne.

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Der Staatsanwalt betonte, dass er angesichts der einschlägigen Vorstrafen und der offenen Bewährung aus dem 2019er-Urteil er nicht einen einzigen Umstand erkennen könne, der für den Angeklagten spreche. Er sei in allen Anklagepunkten schuldig zu sprechen. Die Trunkenheit könne auch nicht als strafmindernd gelten, denn der Angeklagte wisse seit Jahren, dass er unter Alkohol zur Gewalttätigkeit neigt. Daher bezweifle er auch die Ehrlichkeit seiner Therapiemotivation. Darüber hinaus war er vor der letzten groben Straftat vollziehbar ausreisepflichtig. Der Staatsanwal beantragte drei Jahre und drei Monate Gefängnis.

Urteil: Haft und Therapie

Verteidiger Hans Sachse legte das Strafmaß ins Ermessen des Gerichtes, bat für seinen Mandanten aber um die Chance eine Therapie im Maßregelvollzug.

Das Schöffengericht hielt eine Strafe von zwei Jahren und neun Monaten für angemessen. Auch eine Therapie wolle man ihm nicht verweigern. Nach Abschluss aller Maßnahmen – der Widerruf der Bewährung aus der Vorstrafe und damit acht Monate kommen noch obendrauf – wird der Mann umgehend nach Bulgarien abgeschoben.

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