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Wo christlicher Glaube noch echt gelebt wird

Wie zeitgemäß ist der 152-jährige Katholische Männerverein Tuntenhausen?

Gespräche am Rande der Herbstwallfahrt des Katholischen Männervereins Tuntenhausen im Herbst 2020: Vereinsvorsitzender und Landtagsabgeordneter Dr. Marcel Huber (Mitte), Dr. Erich Prinz von Lobkowicz (links) und der Tuntenhausener Bürgermeister Georg Weigl (rechts).
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Gespräche am Rande der Herbstwallfahrt des Katholischen Männervereins Tuntenhausen im Herbst 2020: Vereinsvorsitzender und Landtagsabgeordneter Dr. Marcel Huber (Mitte), Dr. Erich Prinz von Lobkowicz (links) und der Tuntenhausener Bürgermeister Georg Weigl (rechts).
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Vor 152 Jahren fand die katholische Landbevölkerung in Bayern im Bauern- und Männerverein von Tuntenhausen ihre politische Stimme. Wie zeitgemäß der Katholische Männerverein Tuntenhausen (KMVT) im Jahr 2021 ist, haben die OVB-Heimatzeitungen im Gespräch mit Mitgliedern und Sympathisanten erfragt. Der Vorsitzende Dr. Marcel Huber erklärt, wie sich der Verein heute für die Menschen in der Region starkmacht.

Der Verein wurde gegründet, um die Rechte der Landbevölkerung zu vertreten. Ist das heute noch erforderlich?

Dr. Marcel Huber: Die Bevölkerung Bayerns hatte vor 152 Jahren eine ganz andere Struktur als die von heute. Die Art, Politik zu gestalten, und die politische Information und Meinungsbildung unter Zuhilfenahme der digitalen Medien heute sind mit der Zeit des Königreichs Bayern nicht vergleichbar. Was aber geblieben ist, ist eine Diskrepanz in der Lebensweise und der Sicht auf die Welt der städtischen Bevölkerung in den Metropolen und der Lebenswirklichkeit der Bevölkerung auf dem Lande. In den politischen Kundgebungen im Rahmen der Wallfahrten des Katholischen Männervereins Tuntenhausen im Frühjahr und Herbst kommen in der Regel politische Persönlichkeiten zu Wort, denen der Blickwinkel der Menschen im ländlichen Raum noch bekannt ist und denen bewusst ist, welche Bedeutung ein christlich-konservativer Wertekanon für die Bevölkerung auch heute noch hat.

Welchen politischen Einfluss hat der Katholische Männerverein Tuntenhausen?

Dr. Marcel Huber: Die heutige Rolle des Vereins in einer immer globaler, säkularer und beliebiger werdenden Welt ist nicht vergleichbar mit der Rolle des Vereins im Kulturkampf des vorletzten Jahrhunderts. Dennoch ist es für die vielen hochrangigen Landes-, Bundes- und Europapolitiker, die regelmäßig in Tuntenhausen sprechen, ein eindrückliches Erlebnis, von dem bodenständigen und geerdeten Publikum das Feedback zu bekommen: In der überwiegend katholischen Landbevölkerung werden der christliche Glaube und die konservativen Grundwerte noch echt gelebt und sind keineswegs überholt. Ich bin sicher, diese Erfahrungen und Botschaften finden den Weg in die Ausrichtung der politischen Linie der konservativen Politiker auf allen politischen Ebenen.

Was konkret bewirkt der Verein heute?

Dr. Marcel Huber: Es ist nicht Aufgabe eines gesellschaftlich-politischen Vereines, in die konkrete Politik exekutiv einzugreifen. Daher fehlt eine Auflistung konkreter Beispiele. Ich bin mir aber sicher, dass das politische Memento, das aus dem Tuntenhausener Verein regelmäßig kommt, seinen Einfluss auf die konkreten Entscheidungen im politischen Alltagsgeschäft findet, insbesondere, wenn das Thema ethische Komponenten hat.

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Im Verein zeigen Männer ihren katholischen Glauben. Aufgrund der Missbrauchsfälle ist das Vertrauen in die katholische Kirche aber zutiefst erschüttert. Was hält der KMVT dem entgegen?

Dr. Marcel Huber: Die Geschehnisse in der Kirche, und vor allem der Umgang der Verantwortlichen damit, nachdem die erschütternden Fälle bekannt wurden, hat bei vielen Menschen das Vertrauen in die Institution massiv erschüttert. Die Kirche muss nun konsequent die Ereignisse aufarbeiten, die Betroffenen entschädigen und alles tun, um solche Dinge in Zukunft sicher zu vermeiden.

Der Verein kann hierzu nicht viel beitragen, außer deutlich zu machen, dass es sich um die Verfehlungen einzelner Menschen handelt, was unabhängig davon zu sehen ist, dass der christliche Glaube seit zwei Jahrtausenden den Menschen Hoffnung, Trost und Hilfe bietet. Gerade am Gnadenort der Virgo Potens in der Päpstlichen Basilika in Tuntenhausen, an dem schon so vielen Menschen geholfen wurde und noch immer wird, ist diese Erfahrung besonders deutlich greifbar.

Welche Bedeutung hat der Verein für die Region?

Dr. Marcel Huber: 152 Jahre Vereinsveranstaltungen in Tuntenhausen – da kann man sicher von einer Tradition sprechen. Für die Menschen in der Region gehören die Wallfahrten des Katholischen Männervereins Tuntenhausen zum festen Element im Jahreskalender. Die Erwartung, regelmäßig – außer im Corona-Lockdown – einen hochrangigen Politiker zum Frühschoppen als Redner im heimischen Dorfwirtshaus hören zu können, ist für viele eine liebgewonnene Gewohnheit geworden.

In seinen Anfangsjahren hat der Verein die Menschen unterstützt, wenn sie sich beispielsweise gegen staatliche Bevormundung widersetzen wollten. Ist das 152 Jahre später noch ein Thema?

Dr. Marcel Huber: Es gibt wenige Länder auf der Welt, in denen die Menschen so frei, so sicher und so selbstbestimmt leben dürfen, wie in Bayern, wie im Deutschland des 21. Jahrhunderts. Wenn jedoch mit „staatlicher Bevormundung“ der eine oder andere Ärger über politische Vorgaben oder Entscheidungen der Verwaltung gemeint ist, so möchte ich darauf verweisen, dass bei den Veranstaltungen immer auch zahlreiche Mandatsträger auf Gemeinde-, Kreis-, Bezirks- und Landesebene zugegen sind. An diese können die Teilnehmer am Rande der Veranstaltung das eine oder andere Anliegen herantragen, was in der Regel auch gerne in Anspruch genommen wird.

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Ist der Katholische Männerverein reine Männersache?

Dr. Marcel Huber: Die Tatsache, dass der KMVT als „Männerverein“ firmiert, ist historisch gewachsen. Vor 152 Jahren war das Rollenverständnis von Mann und Frau noch ein völlig anderes. Wenn der Verein heute gegründet würde, käme niemand auf die Idee, Frauen bei unseren Themen außen vor zu lassen.

Im Gegenteil: Ich bin der Meinung, dass Frauen einen großen Anteil daran haben, dass in den Familien die christlichen Werte gelebt und weitergegeben werden. Auch spielen die Frauen heute in der Meinungsbildung und bei Entscheidungen in den Familien eine ebenbürtige Rolle, weshalb auch die Teilnahme an den Wallfahrten mit den nachfolgenden Kundgebungen für Frauen wie für Männer gleichermaßen von Interesse ist und auch zunehmend von Besucherinnen wahrgenommen wird.

Vielleicht können in Zukunft auch Frauen Vereinsmitglieder werden – dies zu ändern, fällt den Vereinsoberen aber genauso schwer, wie es einer Frauengemeinschaft mit 152-jähriger Geschichte schwerfallen würde, plötzlich Männer aufzunehmen. Auf jeden Fall freuen wir uns über jede Frau, die an unseren Veranstaltungen teilnimmt. Und wir hatten natürlich auch schon Frauen als Rednerinnen.

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