DIE NEUEN RESSORTCHEFS DER CDU IM ÜBERBLICK – ÜBERRASCHUNG IM BILDUNGSRESSORT

Zwei Minister fürs Münsterland

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Julia Klöckner (45): Die rheinland-pfälzische Landes- und Fraktionschefin ist seit mehreren Jahren eine Hoffnungsträgerin der CDU.

Sie ist seit 2012 stellvertretende Bundesvorsitzende. In der Partei genießt sie Respekt unter Kollegen, ihr Wort hat Gewicht. Nun übernimmt sie das Agrarressort. In der Landwirtschaft kennt sie sich aus – nicht nur, weil sie von 2009 bis 2011 Parlamentarische Staatssekretärin unter Ilse Aigner (CSU) war. Bei den Jamaika-Sondierungen und den Koalitionsverhandlungen mit der SPD verhandelte sie federführend für die CDU in diesem Bereich. Zur Landtagswahl 2011 wechselte Klöckner von Berlin nach Mainz. Ihr Ziel, in die Staatskanzlei einzuziehen, verfehlte sie 2011 und auch 2016. Im Wahlkampf warb Klöckner für Aufnahme- und Entscheidungszentren an deutschen Grenzen und war damit der CSU näher als Merkel.

Helge Braun (45): Die Kanzlerin hält große Stücke auf den Arzt aus Hessen, der von sich sagt, dass er eigentlich immer gut gelaunt ist. Braun war schon mehrfach als Krisenmanager im Hintergrund gefragt. 2002 zog er erstmals in den Bundestag ein, 2005 scheiterte er. Bei der Wahl 2009 eroberte er das Mandat zurück – und wurde gleich Staatssekretär im Bildungsministerium. In der vergangenen Wahlperiode war er im Kanzleramt zuständig für die Bund-Länder-Beziehungen, zudem koordinierte er für Merkel die Bewältigung der Flüchtlingskrise. Jetzt übernimmt er das Kanzleramt – ein stiller Posten mit großer Wirkung. Braun kommt das entgegen: Er gilt nicht als politischer Lautsprecher, der Anästhesist zieht eher im Stillen die Strippen. Wegen dieser besonnenen Art wird er auch in der SPD geschätzt.

Jens Spahn (37): Er ist noch immer sehr jung, scheint aber schon ewig dabei zu sein. 2002 zog er erstmals in den Bundestag ein, war lange gesundheitspolitischer Sprecher. Nun übernimmt er das passende Ministerium – eine fachlich durchaus schlüssige Wahl. In den vergangenen Jahren hatte sich Spahn als Kritiker Merkels und konservativer Politiker profiliert. Zuletzt war er Staatssekretär des einflussreichen Finanzministers Wolfgang Schäuble, der ihn gewähren ließ. Spahn blickt gerne über den fachpolitischen Tellerrand hinaus. Das wurde deutlich, etwa, als er vor rund einem Jahr ein Islamgesetz forderte oder jüngst beim Wiener Opernball die Nähe zu Österreichs jungkonservativem Kanzler Sebastian Kurz suchte, der für einen harten Flüchtlingskurs steht. Verwurzelt ist Spahn im Münsterland.

Anja Karliczek (46): Und noch eine Münsterländerin im Kabinett. Anja Karliczek war bisher eine der fünf Parlamentarischen Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag. Mit Bildung und Forschung hat sie eigentlich nie viel zu tun gehabt – aber das ist ja auch keine zwingende Voraussetzung für die Managementaufgabe Bundesministerin. Stattdessen hatte sie sich eher mit Finanzthemen befasst: Reform der Lebensversicherungen, betriebliche Altersvorsorge, Bund-Länder-Finanzausgleich. Einer breiten Öffentlichkeit ist sie weitgehend unbekannt. Ob sie dem Amt mehr Glanz verleiht?

Annette Widmann-Mauz (51): Die Baden-Württembergerin ist seit 2009 parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, nun wird sie Staatsministerin für Integration im Kanzleramt. Sie studierte an der Universität Tübingen Politik- und Rechtswissenschaften, machte aber keinen Abschluss. Bei der Bundestagswahl 2017 gewann sie mit 35,7 Prozent der Erststimmen zum fünften Mal das Direktmandat im Wahlkreis Tübingen-Hechingen. Mit ihrer forschen und fordernden Art gilt als durchsetzungsstark, eckt aber auch an.

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