Unverhältnismäßig

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„Depperltest“ bundesweit ab 1,1 Promille? Nach Bundesländern variierende Grenzen für die „Medizinisch-Psychologische Untersuchung“ (MPU), kurz „Depperltest“, sind ein Unding, weil sie zu Führerscheintourismus führen.

Der Verkehrsgerichtstag hat also grundsätzlich Recht, wenn er eine Vereinheitlichung fordert. Die ultimative Waffe gegen notorische Verkehrssünder künftig schon bei einem Promillewert von 1,1 (bisher meist 1,6) scharfzustellen, grenzt aber an einen Schildbürgerstreich.

Als Hauptkriterium für die Anordnung einer MPU gilt bislang ein hohes Risiko für Wiederholungstaten. Das heißt, der Promillesünder sticht durch eine entsprechende Biographie, ein Sündenregister oder ein Persönlichkeitsprofil hervor, das diese Erwartung nahelegt. Davon kann aber bei einem unbescholtenen Verkehrsteilnehmer, der das erste Mal mit 1,1 Promille auffällig wird, ebenso wenig die Rede sein, wie er als notorischer Trinker zu gelten hat.

Es wäre geradezu absurd, die aufwendige und kostspielige MPU-Prozedur massenhaft abzuspulen, obwohl klar ist, dass sie in den allermeisten Fällen auf eine sinnlose Verschwendung von Nerven, Zeit und Geld hinausläuft und nur den damit befassten Medizinern, Psychologen und Fahrlehrern die Taschen füllt. Die Politik sollte sich gegen die 1,1-Promille-Regel wehren. Es sei denn, sie will eine sündhaft teure bürokratische Abschreckungsmaßnahme.

Lorenz von Stackelberg

Sie erreichen den Autor unter

Lorenz.Stackelberg@ovb.net

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