Trump versucht’s mit Charme

  • schließen
  • Weitere
    schließen
Der Kuss sitzt: US-Präsident Donald Trump begrüßt Kanzlerin Angela Merkel. Foto: epa

Viel Gesprächsstoff, wenig Zeit: Angela Merkel und Donald Trump hatten bei ihrem ersten Treffen seit neun Monaten viel Arbeit. Um einen positiven Eindruck nach außen waren beide bemüht.

Die Kanzlerin in Washington 

von Michael Donhauser und Jörg Blank

Washington – Bei der Lady aus Berlin versucht es der amerikanische Haudrauf mit Charme. Schon bevor Donald Trump die Bundeskanzlerin im Weißen Haus empfängt, tut er kund, wie sehr er sich auf die Begegnung mit Angela Merkel freut und lässt verbreiten, wie stolz er doch sei, der Enkel eines deutschen Einwanderers zu sein. Lächeln, Küsschen – und auch den Handschlag, beim ersten Besuch Merkels trotz mündlicher Ermahnung der Kanzlerin noch ausgefallen, bekommt der große Blonde diesmal unfallfrei hin.

„Es ist eine große Ehre, Kanzlerin Merkel hier zu haben“, sagte Trump. „Sie ist eine außergewöhnliche Frau“, sagt er, nachdem er die „großartige Beziehung“ zwischen beiden unterstreicht, die nie schlecht gewesen sei, was natürlich in der Öffentlichkeit missverstanden worden sei.

So richtig warm werden dürften Merkel und Trump trotzdem nicht mehr, das zeigt ihr Umgang miteinander. Merkel hatte sich vorgenommen, in den zweieinhalb Stunden mit Trump Streitthemen nicht zu umschiffen. Zwistigkeiten müssen halt auch mal ausgetragen werden.

Der Ärger des Präsidenten über sein Riesen-Handelsdefizit auch mit Deutschland, die teuren deutschen Autos auf den US-Straßen, den aus seiner Sicht viel zu geringen Beitrag Berlins zur Nato, die Nordstream-Gas-Pipeline, die er als Unterstützung für Putins Russland anprangert und die Iran-Frage: In jedem Punkt wollte Merkel ihm ihre Haltung auffächern. Lediglich ein paar symbolische Angebote bringt sie mit, etwa Erleichterungen für den Zugang kleinerer US-Unternehmen zum deutschen Markt.

Der viel zitierte Handelskrieg wird vor dem Stichtag am 1. Mai, an dem Trump über die weitere Aussetzung der Strafzölle auf Stahl und Aluminium für die EU entscheidet, zum Nervenkrieg. Der Präsident verlangt als Vorleistung Zugeständnisse, etwa ein Einfrieren der Stahlexporte. Das ist eher ein Trick, hatte ihm Handelsminister Wilbur Ross die Obergrenzen doch schon in der Ministeriumsvorlage als Alternative zu Zöllen angeboten. Die Europäer wollen das nicht mitmachen. Sie pochen darauf, dass Trump die Ausnahmen verlängert.

Doch Merkel mag als Reaktion auf Trumps Zollstrafaktionen auch noch nicht mit Sanktionen drohen – sie weiß, dass Deutschland das Verhältnis zu den USA nicht aufs Spiel setzen darf. „Die Regierungsbildung hat etwas gedauert, aber mir es ganz wichtig, dass der erste Besuch außerhalb Europas mich in die USA führt“, sagte die Kanzlerin.

Sie setzt darauf, dass ein massiver Handelskrieg mit der EU noch verhindert werden kann. Auf Trumps wilde Drohungen mit gleicher Münze zu reagieren, will die Kanzlerin vermeiden. Trumps Methoden lehnt sie ab. Auf diese Art werde nur noch mehr zerstört.

Merkel setzt da lieber auf Fakten und Überzeugung. Für Trump hat sie etwa die Information im Gepäck, dass im Jahr zwar 480 000 Personenwagen aus Deutschland in die USA exportiert werden – aber zugleich aus den USA 493 600 Autos ausgeführt, die amerikanische Arbeiter in Fabriken deutscher Autokonzerne zusammengeschraubt haben.

Ob das Trumps Zorn besänftigen kann? Wohl kaum. Zumal wichtige Zwischenwahlen vor dem Präsidenten liegen und ihm der Eindruck bei den US-Wählern wichtiger ist als deutsche Sympathie.

Dennoch will Merkel natürlich auch den Eindruck verwischen, dass der Franzose Emmanuel Macron der erste Ansprechpartner der USA in Europa ist. US-Medien überschlagen sich mit der Deutung, Merkel habe gegenüber Macron an Boden verloren, was die Führungsrolle in der EU angeht. Woran es liegt, dass eher Macron als sie einen guten Draht zu Trump findet, darüber dürfte sich die Kanzlerin keine Illusionen machen: Nachdem sie gut mit seinem Vorgänger Barack Obama ausgekommen war, gehört Merkel für den unberechenbaren US-Präsidenten einfach zu dem von ihm verhassten Vorgängersystem.

Doch dass es Merkel wirklich belastet, wenn Trump Macron den Vorzug gibt, ist kaum zu erwarten. Sie misst solche Treffen an deren Ergebnissen. Und glaubt nicht daran, dass noch so pompöse Staatsdinner wie die für Macron oder andere Demonstrationen angeblicher Nähe Trumps Kurs beeinflussen könnten. Der bleibe einfach beim „Amerika zuerst“. Für Merkel bleibt nur der Grundsatz: Miteinander zu reden ist besser, als nicht miteinander zu reden. Auch wenn es noch so schwierig ist.

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare