Was von Pegida bleibt

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Eine „bürgerliche Apo“ fordert die Union heraus. Ist der Pegida-Spuk vorbei?

Ist Dresden, wie SPD-Chef Gabriel frohlockt, also „erlöst“? Richtig ist: So kometenhaft der Aufstieg der Protestbewegung war, so katastrophal verläuft nun auch ihr Abstieg, besser gesagt: ihre Implosion. Wie bei einem untergehenden Stern, dessen letztes helles Aufleuchten das Ende seiner Lebenszeit ankündigt. Auf Migranten gemünzte Begrifflichkeiten wie „Viehzeuch“ und „Gelumpe“ und unappetitliche Hitler-Posen dürften zuletzt auch Gutgläubigen die Augen geöffnet haben, die, ob als Demonstranten oder Sympathisanten, lange an die Lauterkeit der Pegida-Macher und ihrer Motive glaubten.

Pegida also ist vorbei. Doch es bleibt eine Erkenntnis: Relevante Teile der Gesellschaft bis tief hinein in die bürgerliche Mitte trauen den etablierten Parteien und den Medien nicht mehr. Sie lasten ihnen an, unbestreitbar vorhandene Probleme der weitgehend ungesteuert verlaufenden Zuwanderung und der Eurorettung zu tabuisieren, und darin liegt ja auch ein Stück Wahrheit. Das gilt auch für die Gefahren einer scheiternden Integration: Was ist das Zurückziehen eines Kölner Karnevals-Motivwagens, der einen islamistischen Terroristen zeigt, denn anderes als ein Zurückweichen vor muslimischen Glaubenswächtern? Darüber nachzudenken lohnt mehr als billige Genugtuung über das Schicksal von Pegida. Angela Merkel hat auf ihrem langen Marsch nach Mitte-links viele Wähler zurückgelassen. Die darin liegende Gefahr bedroht keine Partei mehr als die CSU und deren Alleinregierungsanspruch: Es waren zu einem Gutteil ihre Wähler, die sich mit fliegenden Fahnen jener bürgerlichen Apo anschlossen, die sie in Pegida erkannt zu haben glaubten.

Diese Wähler bleiben auf dem Sprung; ihr Gefühl, von den Parteien nicht mehr vertreten zu werden, aber auch ihr Wissen, nicht allein zu sein, bleibt als Erbe von Pegida. Die CSU wird darauf zu reagieren haben. Anders als die Kanzlerin, der es reicht, die Mehrheitsfähigkeit der CDU durch Umarmung der Grünen zu sichern, wird die Strauß-Stoiber-Partei dem konservativen Teil ihrer Wählerschaft Angebote unterbreiten müssen. Der in Merkels Schlepptau tief in die Beliebigkeit abgedriftete CSU-Chef Seehofer kann das nicht leisten. Statt über den Euro redet er lieber über die „B15 neu“. Nein: Diese Aufgabe fällt der nächsten Führungsgeneration zu. Viel deutet im Moment darauf hin, dass die Partei dem kantigen Markus Söder hier deutlich mehr Überzeugungskraft zutraut als Ilse Aigner.

Georg Anastasiadis

Sie erreichen den Autor unter

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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