ERDOGAN-BESUCH

Masochisten in Berlin

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Mit Partnern, auch mit unbequemen, müsse man reden, sagt die Bundesregierung mit Blick auf den für September geplanten Staatsbesuch des türkischen Präsidenten Erdogan.

Was aber, wenn der Gast es nur darauf anlegt, seine Gastgeber vorzuführen? Es bedeutet gewiss keine Stärkung der türkischen Zivilgesellschaft, wenn der Mann, der tausende tapfere Bürger grundlos ins Gefängnis werfen lässt, in Berlin mit allen militärischen Ehren begrüßt wird. Und wie dumm stünde erst die Kanzlerin da, wenn der Despot vom Bosporus die schönen Bilder aus der Bundeshauptstadt als Beweis dafür hernähme, wie leer all das deutsche Gerede von Demokratie und Menschenrechten in der Türkei ist?

Es könnte aber alles noch schlimmer kommen. Sollte die UEFA im September der Türkei den Zuschlag für die Fußball-EM erteilen, könnte Erdogans Reise zur ultimativen Demütigung des Rivalen Deutschland werden, zum Triumphzug durch ein Land, in dem – nach Erdogans Propaganda – „Rassisten“ alle Türken und Türkischstämmigen unterdrücken. Wirkungsvoller ließe sich nach dem Fall Özil die türkische Minderheit hierzulande kaum an die Seite „ihres“ Präsidenten zwingen. Eine Bundesregierung, die sich auf all das einlässt, müsste schon recht masochistisch veranlagt sein.

Georg Anastasiadis

Sie erreichen den Autor unter

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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