ES WAR EINE GEDANKENVOLLE GESTE: JETZT IST DER BAUM, DEN US-PRÄSIDENT TRUMP UND FRANKREICHS STAATSCHEF MACRON PFLANZTEN, VERSCHWUNDEN

Macrons Baum ist weg

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Laterne statt Baum: Die junge Eiche ist inzwischen verschwunden. Wohin? Man weiß es nicht.

München – Wer in der Politik Verbundenheit demonstrieren will, pflanzt neuerdings Bäume.

Das zeigen zwei Fälle aus der vergangenen Woche: Am Freitag setzten Nordkoreas Diktator Kim Jong-un und Südkoreas Präsident Moon Jae-in gemeinsam eine Pinie, die 65 Jahre und damit genauso alt ist wie der Waffenstillstand zwischen beiden Ländern. Der Baum, hieß es hinterher, sei ein Symbol für Frieden und Wohlstand.

Zu diesem Zeitpunkt hatten US-Präsident Donald Trump und sein französischer Kollege Emmanuel Macron schon vorgelegt. Am Dienstag gruben sie, bewaffnet mit zwei imposanten Schaufeln und umstöckelt von ihren Gattinen, gleich vor dem Weißen Haus ein Loch – und versenkten eine junge Eiche darin. Der Baum solle das Weiße Haus an „die Bande erinnern, die uns verbinden“, twitterte Macron danach. Das klangt irgendwie bewegend.

Bei so viel Symbolik darf man sich schon fragen: Was bedeutet es eigentlich, wenn der Baum der Verbundenheit urplötzlich verschwindet?

Das Ganze ist ein einziges Rätsel. Dort, wo die beiden Staatsmänner in schweißtreibender Gemeinschaftsleistung ihr Bäumchen pflanzten, glänzt inzwischen wieder ein akkurat gestutzter Präsidenten-Rasen. Von dem Baum fehlt dagegen jede Spur. Den Beweis liefert ein aktuelles Foto der Agentur Reuters, das vor allem in Frankreich für großes Erstaunen sorgt. Wo ist er bloß hin, der Baum? Hat man ihn umgepflanzt? Hat er den Transport vielleicht nicht überlebt? Hat Trump ihn am Ende ge- oder vielleicht sogar verfeuert?

So oder so: Macron dürfte einigermaßen enttäuscht sein, denn sein Geschenk war äußerst gedankenvoll. Der Eichen-Setzling stammte aus dem Herzen Frankreichs, genauer: dem Wald von Belleau nordöstlich von Paris. Im Juni 1918 wehrten dort US-Truppen eine deutsche Offensive ab, mehr als 2000 Amerikaner starben damals. Im US-Fernsehsender Fox News dankte Macron den Amerikanern sogar dafür, in zwei Weltkriegen so viele Opfer für Frankreich gebracht zu haben. Er sagte: „Als wir angegriffen wurden, als unsere Freiheit angegriffen wurde, kamen Tausende Ihrer Leute hierher und starben hier für mein Land.“

Und nun ist er fort, der Baum. Einfach so. Statt seiner ist da nur noch ein trauriger gelber Fleck im Gras.

Eine Stellungnahme aus dem Weißen Haus? Fehlanzeige. Bislang gibt es nur wilde Spekulationen, der Fall bleibt völlig rätselhaft. Der Rasen macht jedenfalls den Eindruck, als sei er professionell nachgepflanzt worden. Auf Geheiß des Präsidenten? Ob Trump sich das mit der Verbundenheit nach Macrons frecher Rede vor dem Kongress noch mal überlegt hat? Und wenn das so wäre, würde Macron dann im Gegenzug Rache an Trumps Geschenk nehmen? Der US-Präsident hatte ihm laut CNN unter anderem ein eingerahmtes Polsterstück von einem Stuhl im Weißen Haus mitgegeben.

Immerhin gibt es gute Nachrichten aus Korea: Die Pinie des Friedens soll noch stehen. Marcus mäckler

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