DEN HASEN ALS SYMBOL FÜR WIEDERGEBURT GIBT ES IN VIELEN KULTUREN – IN ASIEN IST DER HASE IM MOND EINES DER SINNBILDER FÜR DEN BUDDHA

Das Langohr und die Weltreligionen

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Der Mondrover „Jadehase“, den China 2013 auf den Mond geschossen hat.

Bangkok – Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen.

Zum Beispiel von der Statue eines schwarzen Elefanten, auf dem ein weißer Hase mit kerzengerade aufragenden Ohren auf seinen Hinterpfoten sitzt, den rechten Vorderlauf zu einem stolzen Cäsarengruß erhoben. Das kuriose Reiterstandbild im Garten eines Hotels in Kampong Cham in Kambodscha ist nicht das Werk eines von Mekong-Whisky benebelten Künstlers – sondern eine geballte Darstellung buddhistisch-chinesisch-indischer Mythologie.

Der Elefant spielt im Buddhismus eine bedeutsame Rolle. Königin Maya brachte durch Jungfrauengeburt Prinz Siddhartha Gautama, den späteren Buddha, zur Welt, nachdem ihr ein weißer Elefant erschienen war. Seitdem gelten Elefanten als Verkörperungen des Auserwähltseins.

Was aber macht Meister Lampe auf dem buddhistischen Elefanten? In der chinesisch-schamanistischen Gedichtesammlung Chuci aus dem 2. Jahrhundert nach Christus wird von einem Hasen berichtet, der auf dem Mond Kräuter für das Lebenselixier der Mondgöttin Chang’e mörsert. Im chinesischen Volksmund heißt der Hoppler bis heute auch „Jadehase“ und wird zusammen mit Chang’e während des Mondfests am fünften Tag des achten Monats des lunaren chinesischen Kalenders gefeiert; in diesem Jahr der 25. September.

Im Buddhismus gilt der Hase als Symbol der Selbstlosigkeit. Diese Vorstellung geht zurück auf eine Erzählung in den „Jakata“ genannten Wiedergeburtsgeschichten. Die geht so: Ein Affe, ein Otter, ein Schakal und ein Hase begegnen einem armen, alten, hungrigen Mann. Der Affe bringt Früchte, der Otter fängt Fische, der Schakal stiehlt eine Eidechse und einen Topf mit Quark. Der Hase aber wirft sich aus Scham darüber, dass er nur Gras anzubieten hat, in ein Feuer, um sich selbst als Braten anzubieten.

Doch er wird gerettet. Der alte Mann offenbart sich als heiliger Sakka, der in den buddhistischen Sutren als König der Götter und Bewahrer des Buddhismus und seiner Lehren gilt. Bewegt von der Opferbereitschaft des Hasen, malt der Sakka das Bildnis des Hasen auf den Mond.

„Der Hase ist der Buddha selbst in einem seiner früheren Leben. Was er als Hase getan hat, ist einer der Gründe für seinen Status als Buddha“, erklärt Somparn Promta, Professor für buddhistische Philosophie an der Chulalongkorn-Universität in Bangkok. Chawarote Valyamedhi, Buddhismus-Experte an der Thammasat-Universität, ergänzt: „Das Konzept der Selbstlosigkeit ist im Theravada-Buddhismus sehr populär.“

Der Hase im Mond wurde auch von Zivilisationen fern von Asien verehrt. Die Azteken im heutigen Mexiko erzählten sich die Legende von Gott Quetzalcoatl, der eine Weile als Mensch auf der Erde wandelte, ermüdete und Hunger litt. Auch dem Quetzalcoatl bot sich ein Hase als Speise an, und wie der Sakka erhob Quetzalcoatl aus lauter Dankbarkeit den Hasen in den Mond, als ewiges Symbol der Selbstlosigkeit.

Im Christentum hat der Hase einen ambivalenten Charakter. In den Büchern Mose gilt er als unreines Tier. Das Dreihasenfenster im Paderborner Dom hingegen kann als Symbol für die Dreifaltigkeit aufgefasst werden. Aus der Antike kommt die Deutung des Hasen als Sinnbild für Lebenskraft, Wiedergeburt und Auferstehung, was von manchen als Wurzel der österlichen Hasensymbolik verstanden wird.

Aus dem Buddhismus und der chinesischen Mythologie ist der Hase bis heute nicht wegzudenken. „Jadehase“ hieß der Mondrover, den China im Dezember 2013 mit der Sonde Chang’e-3 auf den Mond schoss. Durch so manches Volksmärchen in den buddhistischen südostasiatischen Kulturen hoppeln Rammler als weise, manchmal auch raffinierte Tiere. Die Parallelen zu den Hasengeschichten wie die vom Hasen und dem Igel hierzulande sind offenkundig. Auch die Geschichte vom Osterhasen, der biologisch völlig unkorrekt Eier legt, sie färbt und dann völlig selbstlos verschenkt, passt ins Bild. Na dann also: Frohe Ostern! Michael Lenz

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