OSTERN 2018

Kirche und Heimat

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Am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond feiern die Christen Ostern.

Das Fest der Auferstehung Christi und der Hoffnung in einer Jahreszeit, in der die Natur nach langem Winterschlaf erwacht. Die äußeren Zeiten stehen auf Aufbruch, die Menschen – ob Christen oder Nicht-Christen – freuen sich auf den Frühling, auf Wärme und Licht.

Aufbruchstimmung brauchen auch die christlichen Kirchen hierzulande. Die Mitgliederzahlen bröckeln weiter. Auch das mit großem Aufwand betriebene und christlich begangene Luther-Gedenken konnte diese Entwicklung nicht aufhalten. Jeder neue Skandal – wie jüngst das Finanzdebakel im Bistum Eichstätt, wo der frühere stellvertretende Finanzdirektor (ein Laie) bei dubiosen Immobiliengeschäften in den USA vermutlich fast 49 Millionen Euro in den Sand gesetzt hat – schadet dem Ansehen. In diesem Fall der katholischen Kirche.

Wem schenken die Menschen heute ihr Vertrauen? Nach einer gerade veröffentlichten Umfrage der GfK-Marktforscher ist das Vertrauen in Geistliche abermals gesunken, von 61 auf 57 Prozent. Wobei es im Westen der Republik mit 62 Prozent noch deutlich höher liegt als im Osten (37 Prozent). Vor zehn Jahren war der Vertrauensbonus bundesweit noch bei über 70 Prozent. Vertrauen haben die Menschen vor allem zu denen, die Hilfsberufe ausüben: Feuerwehrleute, Sanitäter, Krankenschwestern. Also Menschen, die im Notfall gebraucht werden.

Hieraus sollten auch die christlichen Kirchen ihre Schlüsse ziehen. Die Menschen heute benötigen in ihrem Leben Beistand, Hilfe, Zuwendung. Sie suchen nach Sinn, wollen Entschleunigung und, ja, sogar handyfreie Zonen. Gerade junge Menschen sind ansprechbar für alternative Sinnangebote. Es gibt sie noch, die Jugendlichen, die eine Heimat in der Kirche suchen. Einen Ort, an dem sie gut aufgehoben sind, festen Boden unter den Füßen haben und sich trotzdem frei bewegen können. In der katholischen Kirche wird gerade eine Jugendsynode vorbereitet. Der Papst ermutigt die jungen Leute, frank und frei zu sagen, was sie von der Kirche halten, was sie vermissen, wo es hapert. Diese jungen Menschen sind die Zukunft der Kirche. Strukturen und Brauchtum muss man beizeiten auf den Prüfstand stellen. Mit Mut zur Veränderung und Respekt vor bewährten Traditionen. Dann können Kirchen der Gesellschaft Heimat bieten – auch in Zukunft und zum Wohle der Gesellschaft.

Claudia Möllers

Sie erreichen die Autorin unter

Claudia.Moellers@ovb.net

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