DR. NIKOLAUS FRÜHWEIN ERKLÄRT IM INTERVIEW, WAS MAN BEI EXTREMER KÄLTE BEACHTEN SOLLTE

„Kälte macht eher gesund als krank“

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Dr. Nikolaus Frühweinbetreibt eine Praxis in München.

München – Pfeifender Wind, eiskalte Nächte, frostige Tage: Bayern bibbert.

In München liegen die Temperaturen bis Donnerstag bei minus 5 bis minus 9, nachts sogar bis minus 15 Grad. Einige Tage vor dem meteorologischen Frühlingsanfang am 1. März hat uns der Winter noch einmal fest im Griff. Wir sprachen mit dem Münchner Mediziner Dr. Nikolaus Frühwein, was bei dieser Kälte zu beachten ist.

-Gibt es Menschen, für die diese klirrende Kälte körperlich gefährlich werden kann?

Prinzipiell gilt, dass die Kälte im Bereich der derzeitigen Temperaturen dem Menschen überhaupt nicht schadet, sie macht eher gesund als krank. Vor allem die trockene Kälte, die wir gerade haben, ist für den Körper gut. Menschen, die Durchblutungsstörungen haben, vor allem am Herzen, sollten etwas vorsichtig sein. Ihnen könnten die Minustemperaturen zusetzen.

-Wie lange sollte man sich zurzeit idealerweise draußen aufhalten?

Das kurze Rausgehen sollte man eher vermeiden. Bei einem schnellen Wechsel zwischen warm und kalt können sich die Gefäße nicht darauf einstellen. Das kann zu Erkältungskrankheiten führen. Erst ab etwa einer Viertelstunde im Freien passt sich der Körper der Kälte an. Vorsicht ist geboten, wenn man lange draußen ist und plötzlich sehr müde wird und die Kälte einem im Grund egal ist. Das könnte darauf hindeuten, dass man an einer generellen Unterkühlung leidet. Das gilt aber vor allem für Bergsteiger.

-Kann man im Moment mit Säuglingen bedenkenlos nach draußen gehen?

Auf jeden Fall. Wichtig ist nur, Babys dick einzupacken und vor allem die Finger und Füße gegen die Kälte zu schützen. Aufpassen sollte man, dass der Wind nicht direkt ins Gesicht bläst. Fängt das Baby zu schreien an, empfiehlt es sich, zu prüfen, ob ihm zu kalt ist. Auch mit älteren Kindern kann man ohne Probleme zurzeit nach draußen gehen. Diese Temperaturen sind ja für Deutschland nun auch nicht ungewöhnlich. Nur die vergangenen Jahre war es nicht ganz so kalt.

-Haben Sie spezielle Tipps, was man im Moment am besten anzieht?

Sinnvoller ist es immer, mehrere Schichten übereinander anzuziehen als nur eine ganz warme. Dann kann man vor allem beim Sport je nach Bedarf und Empfinden etwas ausziehen.

-Braucht die Haut jetzt besondere Pflege?

Bei Kälte sollte man sich immer gut eincremen. Vor allem das Gesicht braucht guten Schutz, am besten eine Fettcreme.

-Haben Sie Tipps für die richtige Ernährung bei Kälte?

Wie immer gilt es, sich ausgewogen und gesund zu ernähren, vor allem viel Obst zu essen. Mehr trinken ist im Winter aber nicht nötig. Meiden sollte man Alkohol. Der könnte zur Folge haben, dass man die Kälte nicht mehr so spürt. Die Gefäße machen aber auf und lassen das Blut schneller kalt werden. Das kann zu einer Unterkühlung führen.

-Was kann man tun, wenn die Haut Erfrierungen hat?

Verfärben sich zum Beispiel Zehen oder Finger, muss man einen Arzt aufsuchen. Sind Körperteile nur extrem kalt, nicht unters heiße Wasser halten, sondern am besten bei Zimmertemperatur aufwärmen.

Interview: Stefanie Wegele

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