Handgranaten-Angriff auf Asylbewerber

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Die Feuerwehr am Tatort in Villingen-Schwenningen. dpa

„Das war eine Kriegswaffe“: Entsetzen nach Sprengstoff-Einsatz in Villingen-Schwenningen – Kontrollierte Detonation. Villingen-Schwenningen – Die Polizei hat die Straßen weiträumig abgesperrt.

Außer den rot-weißen Bändern, den zahlreichen Beamten und einigen Experten in weißen Schutzanzügen deutet nichts darauf hin, was hier in der Nacht passiert ist. Es war gegen 1 Uhr, als eine Handgranate über einen Zaun auf das Gelände der Erstaufnahmestelle im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen geworfen wurde. Rund 100 Bewohner wären bei einer Explosion in Gefahr gewesen. Am frühen Morgen können Experten die Granate kontrolliert sprengen.

Schlimm sei das, sagt eine Passantin. Sie zeigt hohe Metallzäune, die rund um die Flüchtlingsunterkunft stehen. „Die Menschen werden hier angefeindet, mit den Zäunen muss man sie vor uns schützen“, sagt sie. „Dabei verlässt doch niemand freiwillig sein Land.“ Er wundere sich nicht über den Anschlag, sagt ein Anwohner in einer Nachbarstraße. Unzufriedenheit und Ärger über die Flüchtlingskrise stiegen in der Bevölkerung, aber die Politik unternehme nichts dagegen. „Keiner macht was“, sagt der Mann. In seinem Viertel in Villingen-Schwenningen seien die Flüchtlinge in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in Bussen angekommen, niemand sei vorher darüber informiert worden, sagt er. „Wir haben nicht gewusst, wie viele kommen. Wie lange bleiben sie, woher kommen sie?“

Politiker sind parteiübergreifend bestürzt. „Das ist wirklich unfassbar, dass jetzt schon mit Handgranaten – quasi mit militärischen Waffen – auf Asylsuchende losgegangen wird“, sagt Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). „Wir müssen einfach alles dafür tun, dass wir Extremismus [...], der die rote Linie überschreitet und zu Gewalt übergeht, dass wir den gesellschaftlich radikal ächten.“ CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf nennt die Attacke einen „Anschlag gegen die Menschlichkeit“. Die Tat müsse mit der ganzen Härte des Rechtsstaates verfolgt und bestraft werden. „Die Täter dürfen nicht ungestraft davonkommen“, twittert Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD). Maas hat die Landesjustizminister für den März nach Berlin eingeladen, um über eine bessere Strafverfolgung ausländerfeindlicher Gewalt zu diskutieren

Die Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter spricht von einer „neuen, erschreckenden Kategorie des Hasses, die ein schrillendes Alarmsignal sein muss.“ Auch die Kirchen reagieren entsetzt. Der Freiburger katholische Erzbischof Stephan Burger sagt, das sei „letztlich kein Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft, sondern auf Flüchtlinge, auf Menschen, die bei uns Schutz suchen“.

Der Angriff ist bundesweit der erste Fall, bei dem Sprengstoff zum Einsatz kam. „Bis jetzt hatten wir zwar mehrere Fälle, in denen Pyrotechnik verwendet wurde“, sagte eine Sprecherin des Bundeskriminalamts. „Dass nun eine Kriegswaffe zum Einsatz gegen eine Flüchtlingsunterkunft kam, ist neu.“

Die Kripo Rottweil richtete die Sonderkommission „Container“ ein. Die Polizei ermittle in alle Richtungen, wolle ein fremdenfeindliches Motiv nicht ausschließen. dpa/afp/kna

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