VORGETÄUSCHTER MORD AN KREML-KRITIKER

Folgenschwere Lüge

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Der Kreml-kritische Journalist Arkadi Babtschenko lebt.

Das ist eine gute Nachricht, aber auch die ziemlich irritierende Pointe einer beispiellosen Lügen-Geschichte. Etwa einen Tag lang hat der ukrainische Geheimdienst SBU die Welt mit der vorgetäuschten Ermordung Babtschenkos gelinkt, angeblich, um dessen Leben zu retten. Bewiesen ist das noch nicht. Aber selbst wenn es stimmt, haben diese Fake News Schlimmes bewirkt: Sie haben in empfindlicher Zeit weiteres Vertrauen zerstört – in die Glaubwürdigkeit von Politikern, Medien, Informationen.

Die Folgen bleiben nicht auf den konkreten Fall beschränkt. In der Vergangenheit mussten viele kritische Journalisten ihr Leben lassen, in Zukunft werden die Leute bei solchen Fällen unweigerlich an die Kiewer Inszenierung denken. Besonders haarsträubend aber ist, dass die ganze Aktion genau jenen nutzt, die seit Jahren mit Lügen Politik machen und darauf abzielen, Vertrauen zu zersetzen. Ein russischer Duma-Abgeordneter nannte die Fake-Geschichte schon „eine dreckige und zynische Provokation im Stil des Falls Skripal“. Die gleichsetzung ist perfide, aber wem sollte man es schon verdenken, wenn er die mutmaßliche Vergiftung des Ex-Agenten jetzt hinterfragt?

Um zu retten, was zu retten ist, wird Kiew nun alles daran setzen müssen, die Behauptung eines russischen Mordkomplotts gegen Babtschenko zweifelsfrei zu beweisen und zu erklären, warum man zu seiner Rettung die ganze Welt hinters Licht führen musste. Schon das wird schwer genug. Den Vertrauensverlust zu negieren, wird aber ungleich härter.

Marcus Mäckler

Sie erreichen den Autor unter

Marcus.Maeckler@ovb.net

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